Unsere Veranstaltungen des Jahres 2002 -
So sah es die "Goslarsche Zeitung":


GZ-Online

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die Rezensionen unserer Veranstaltungen aus der "Goslarschen Zeitung". So können Sie noch einmal in Erinnerungen schwelgen und unser Veranstaltungsjahr 2002 in Ruhe Revue passieren lassen! Wenn Sie bestimmte Künstler suchen, hilft Ihnen sicherlich auch unsere Gästeliste.


Artikel Ulrike Ascher  Artikel Django Asuel Artikel Hajo Banzhaf Artikel Stephan Bauer
Artikel Bo Doerek Artikel Manfred Dimde Artikel André Eisermann Artikel Jazz im Schloss
Artikel Klaus Kohler Artikel Hardy Krüger Artikel LaLeLu Artikel Neujahrskonzert
Artikel Open Air Summernight Artikel Rosenfels Artikel Songnacht Artikel Telök
Artikel Bassam Tibi

Django Asül:

Niederbayerische Seele im orientalischen Gewand

Kabarettist Django Asül füllte auf Einladung des Kulturklubs
mit "Autark" das Bündheimer Schloss

Mit Humor, der deftig klingt, aber elegant ist, füllte der Kulturklub am Dienstag das Schloss bis in die letzte Ecke: Django Asül, Kabarettist mit orientalischem Gesicht und niederbayerischer Seele (und Stimme), lockte mehr 300 Besucher zur letzten Kabarettveranstaltung der Saison.

Django Asüls neues Programm "Autark" - das ist Griffiges für jeden Geschmack, angesiedelt in der ziemlich verwaisten Mitte zwischen Pop-Comedy à la Michael Mittermeier und sozialdemokratischem Gymnasiallehrerkabarett im Stil von Hildebrandt, Venske und Co.

Asül jongliert mit den Themen. Eine Keule, die er dabei immer wieder gerne wirft (egal ob nach links oder rechts) ist die Politik. Die SPD ist korrupt? Ein Verein, der eh keine Ahnung von Geld hat? Die SPD-geführten Länder haben die dümmsten Lehrer? Kein Wunder, sonst wären sie ja wohl auch nicht SPD-geführt. Und bei der CDU? Friedrich Merz? Ein Mann wie ein Navigationssystem. Keine Ahnung haben, aber den Leuten sagen wollen, wo es lang geht (wobei ein "Navi" ja wenigstens noch ein Programm hat). Und Stoiber? Der Mann, der beinahe Bundeskanzler geworden wäre? Als Ausländer? Jetzt unterstützt er Bush im Kampf gegen die Schurkenstaaten - Deutschland zum Beispiel.

Überhaupt: Bayern. Ein Lieblingsthema. Für Django Asül Heimat, für den Rest der Welt Ausland. Ein Land, in dem die Begriffe Erziehung und fahrlässige Tötung eng beieinander liegen, ein Land, das keine illegalen Einwanderer hat - wer da illegal einreist, ist selbst schuld. Doch man ist kulant: Jeder darf sofort legal wieder ausreisen.

Wo man schon bei Django Asüls großem Thema wäre: Ausländer. Seine ganze Familie - egal ob der deutschen Sprache akkurat mächtig oder nicht - hat deutsche Pässe. Auf seine Initiative hin, denn wer möchte schon gern mit Ausländern unter einem Dach wohnen. Er hingegen hat seine türkische Staatsangehörigkeit behalten - was ihn nun zum einzigen Ausländer in einer deutschen Familie macht. Das nennt man Minderheit.

In Ausländerfragen kennt sich Django Asül also wirklich aus. Allein schon, weil er ja eigentlich doppelt ausländisch ist. Türkisch und bayrisch. Wobei die Türkei und Deutschland ja irgendwie eins sind. Eher als Deutschland und die neuen Bundesländer. Hätte man vor dreizehn Jahren die deutsch-türkische Einheit der deutsch-deutschen vorgezogen, könnten die Türken jetzt in ihrer Heimat arbeiten, und die Deutschen im eigenen Land Urlaub machen. Aber so... Früher wusste der Ostmensch wenigstens: "Er hat nichts, wegen Sozialismus". Heute hat er nichts, und weiß nicht einmal, warum.

Django Asül schert sich in seinem Programm nicht um "political correctness" und bei manchem Gag überlegt sein Publikum schon, ob es lachen darf - um es am Ende zu tun. Zumal Asül nie die Pointen platt tritt, sondern sich sicheren Schritts auf dem schmalen Grad zwischen heftig und hintersinnig bewegt. Außerdem kommt seine kuriose Mischung aus Orient und Niederbayern derart skurril und trotzdem glaubhaft rüber, dass man halt auch mal über Ausländerwitze lacht - gerade wenn es um richtige Ausländer geht. Um Bayern zum Beispiel.

Holger Schlegel
GZ von Do., 14.11.2002
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Hajo Banzhaf:

Ein tiefer Blick in die Sterne

Hajo Banzhaf sprach über Möglichkeiten und Grenzen der Astrologie

Haben Sie schon mal einen Blick auf das Horoskop von Michail Gorbatschow geworfen? Auf Woody Allens oder auf das vom Papst? Möglich machte das Hajo Banzhaf. Der Astrologe und Autor war am Freitag zu Gast im Bündheimer Schloss. Auf Einladung des Kulturklubs informierte er auf kurzweilige, vergnügliche und aufschlussreiche Weise über die Geschichte der Astrologie und wie sie im Alltag zu nutzen sei.

Dass es dabei nicht um einen Blick in die Zukunft geht, machte Banzhaf den Zuschauern im halbgefüllten Saal schnell deutlich: "Das ist unseriös." Die Botschaft aller Orakel sei die Selbsterkenntnis, so Banzhaf. In Liaison mit der Psychologie könne die Astrologie heute als Charakterkunde dienen, das Verständnis für Wachstumskrisen unterstützen und Entscheidungshilfe sein.

Nicht den Menschen als Marionette an den Fäden der Sterne zeichnete Banzhaf. "Das Horoskop ist das Drehbuch unseres Lebens", meinte er. Ob es sich dabei um eine Komödie, ein Drama oder Lustspiel handele, würde jeder durch sein Handeln selbst entscheiden.

Als die Menschen sesshaft wurden und mit dem Ackerbau begannen, entstand durch die Beobachtung der Sonne die Wissenschaft der Astrologie. Priester in Babylon entwickelten den Tierkreis, übernommen und verfeinert wurde die Wissenschaft von den Griechen. Aus dieser Zeit stammt auch das erste persönliche Horoskop. Ihren Absturz habe die Astrologie im Zeitalter der Vernunft erlebt und erhole sich seit den fünfziger Jahren langsam wieder davon, so Banzhaf.

Anhand des Jahreslaufs stellte er jedes Sternzeichen vor und sorgte für vielsagendes Schmunzeln und Räuspern, wenn sich im Zuhörerbereich jeder getroffen und erkannt fand: "Hochwohlgeboren der Löwe, der sich dessen sehr wohl bewusst ist" - "Vollkommenheit ist für den Steinbock, wenn er nichts mehr weglassen kann, schlichte Schnörkellosigkeit" - "der Skorpion hat eine Faszination für das Verbotene" - "die Engländer stehen für den typischen Wassermanngeist: der Exzentriker".

Die zehn Planeten, an deren Stellung zum Augenblick der Geburt eines jeden Menschen sich das persönliche Horoskop ausrichtet, bezeichnete er als "Schauspieler" in uns und malte ein amüsantes Bild zum Thema "Autokauf": "Für die Venus muss das Auto gar nicht fahren, Hauptsache es ist schön. Mars braucht einen Sportwagen, den man hört, Pluto hätte gern einen Leichenwagen oder ein Gangsterfahrzeug, und für Saturn sind Autos alle viel zu gefährlich."

Lust auf den Blick aufs eigene Horoskop machte Banzhaf mit diesem Abend, und sein Hinweis auf "www.tarot.de" , die Banzhafsche Homepage, wurde von vielen geflissentlich notiert. Es kann ja nicht schaden, mal nachzugucken, ob wir noch den richtigen Sternen folgen oder das Horoskop eines anderen leben.

Ina Seltmann
GZ von Mo., 28.10.2002
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Jazz im Schloss:

Drei Musiker im Rausch der Inspiration

Dr. Wolfgang Schömbs, Matthias Weise und Uwe Schmidt
verschmolzen vor vollem Haus Jazz und Klassik

Mozart war da. Im Bündheimer Schloss. Mit drei guten Freunden: Uwe Schmidt, Matthias Weise und Dr. Wolfgang Schömbs. Und die wiederum hatten auch Freunde dabei: An die 300 Fans, die am Sonnabend miterleben wollten, wie das "Dr. Jazz Trio" wohl in diesem Jahr sein "Klassik meets Jazz"-Konzept in einen Konzertabend umsetzen würde.

"Jazz im Schloss", die Veranstaltung von Kulturklub, Commerzbank und speziell von Dr. Wolfgang Schömbs, ist eine kapitale Größe im lokalen Kulturkalender geworden. Und - Schömbs mag es verzeihen - es ist im Prinzip egal, welcher Untertitel einen solchen Abend ziert. "Play Bach", "Play Mozart", "Play Schumann" "Play Beethoven", "Play Mozart & Bach & More" (wie in diesem Jahr) oder einfach "Play irgendwen". Denn Erlebnisse sind vorprogrammiert, egal welcher große Komponist seine Stücke zur Verfügung stellt, damit Schömbs und Co. mit ihnen auf der Grenze zwischen Klassik und Jazz hin- und herspazieren.

Und dieser Spaziergang ist so leicht, so locker. Den Weg weist natürlich Dr. "Jazz" Wolfgang Schömbs, der Komponist, der Pianist, der Visionär. Sein prägnantes Spiel auf dem edlen Bösendorfer-Flügel drückt dem Abend den akustischen Stempel auf. Mit schlafwandlerischer Sicherheit schlägt Schömbs seine musikalischen Purzelbäume auf dem Teppich aus Klang, den Weise (Bass) und Schmidt (Schlagzeug) ihm ausbreiteten.

Es mag vermessen ausschauen, wenn Schömbs auf dem Programmzettelchen hinter die Stücke einfach seinen Namen zu dem der "Urkomponisten" hinzufügt: "Mannheimer Sonate D, KV 311 (Mozart/Schömbs)" steht dann da geschrieben, aber so ist es auch richtig. Denn Mozart ist zwar in jedem Takt präsent, aber Schömbs macht ihn erst zum Jazz-Meets-Classic Erlebnis. Da wird ins Allegro Duke Ellington eingewoben, aus dem "Swinging Andante" klingt keck "Blame It To My Youth" hervor, das Rondissimo wird mit einer ordentlichen Portion Chick Corea gewürzt, in die "Wiener Sonate" schleicht sich "Take Five" ein und alles klingt, als ob Mozart nur auf diese Ergänzung gewartet hätte.

Den "Bach & More"-Part des Programms füllt Schömbs mit einigen Goldberg-Variationen und "Elise Inspirations" - sehr frei nach Beethoven. Hier wird das Verstricken und Verquicken von Jazz und Klassik in Form schier hemmungsloser Improvisation auf die Spitze getrieben.

So macht Jazz Spaß. So macht Klassik Spaß. So macht Musik Spaß. Und das merkte man dem Jazz-Doktor und seinen Mitstreitern auch an. Voller Inbrunst widmeten sich die Drei ihrer großen Aufgabe. Immer wieder war natürlich Schömbs der dramaturgische Mittelpunkt, doch Weise und Schmidt sind stark genug, sich ihr Solorecht zu erspielen.

Ein Rausch der Inspiration waren auch die "verbalen Intros", die zum Teil sehr persönlichen Texte, mit denen Schömbs die Stücke verband. Dass "Dr. Jazz" dabei das Wort nicht ganz so locker von den Lippen kam, wie die Musik aus den Fingern - Schwamm drüber. Es hieß ja auch "PLAY Mozart" und nicht "TALK about Gott und die Welt". Außerdem gaben die Moderationen den Besuchern immer wieder die Luft, sich innerlich auf die nächste Begegnung zwischen Jazz und Klassik einlassen zu können.

Holger Schlegel
GZ von Di., 22.10.2002
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André Eisermann:

Wie aus einem Buch ein Erlebnis wird

André Eisermann stellte auf Einladung des
Kulturklubs seine Biografie "1. Reihe Mitte" vor

"Die Leiden des jungen Werther" selbst zu lesen ist - der Goethe-Freund mag es verzeihen - ein Unterfangen. Wie willkommen ist einem da ein Mensch, der einen an die Hand nimmt, der für einen liest. André Eisermann hat so vor drei Jahren den Werther wieder populär gemacht. Mit seiner "Spoken Word Performance". Und er machte am Mittwoch auch seine eigene Biografie "1. Reihe Mitte - Ein Schaustellerleben" zu einem Event. Denn - Eisermann mag es verzeihen - beim selbst Lesen ist das Buch ein gutes Buch, aber noch kein Erlebnis.

Die Geschichte des André Eisermann: 1967 in Worms geboren, Eltern Schausteller, Oma Elastikwunder, Uropa Kraftakrobat. André wächst auf den Rummelplätzen des Landes auf, entdeckt seine Liebe zur Selbstdarstellung, wird Schauspieler und als solcher berühmt für die ausgefallenen Rollen, die besonderen Stücke.

Und gerade das - das Ausgefallene und Besondere - ist es, das Eisermann selbst zum Erlebnis macht. Es war keine Lesung, mit der er sich und sein Buch vorstellte, es war Schauspiel, großes Theater gar, bei dem irgendwann der Szenenapplaus durchs Schloss rauschte.

Ansonsten aber: Atemlose Stille, während Eisermann sein Leben spielte. Seine Zuhörer saßen bald mit dem kleinen André zusammen in der "1. Reihe Mitte" eines Panoptikums, erlebten, wie Harry Wildong Mäuse verschlang, wie das "Ape Girl" sich in einen Gorilla verwandelt, sahen Abnormitäten, Kuriositäten, Menschen, Tiere, Sensationen, Skurriles, Trauriges, Lustiges. Sie tobten mit dem kleinen André und seinen Freunden über die Jahrmärkte, spielten Verstecken und Erschrecken in der Geisterbahn, lagen neben ihm im Kinderbettchen des elterlichen Schaustellerwagen, erlebten die Angst vor dem Alleinsein.

Und dann erfuhren sie, wie aus dem kleinen Schaustellerbuben der große Schauspieler wurde. Jetzt war Eisermann endgültig in seinem Element, schwitzend, schnaubend, fuchtelnd, lachend, schreiend, weinend, flüsternd besuchte er Stationen seine Karriere: Das erste Vorsprechen an der Münchner Otto-Falckenberg-Schauspielschule. Das mit einer Absage endete. Das Zusammentreffen mit Jan Biczycki, einem Schauspiellehrer, der mit wenigen Raffinessen endgültig das Besondere in Eisermann weckte.

Wunderhübsch die Episode um Liza Minnelli, die André schon im Kindesalter erlebte - als Marionette in der Schaubude. Mit 13 Jahren imitierte er sie in der Gaststätte "Deutsches Haus" in Worms-Heppenheim. Jahre später lernte er sie kennen, auf Vermittlung von Rock Brynner, Sohn von Yul und Freund der Minnelli. Sie und Eisermann sind heute dick befreundet.

Ein Höhepunkt in Lesung, Buch und Leben dann aber: Die Proben zur "Zauberflöte" im Zirkus "Roncalli" unter der außergewöhnlichen Regie von George Tabori, dem Genie, in dessen skurrile Methodik man sich als Schauspieler blind fallen lassen muss. Die Zuhörer waren regelrecht dabei, als die Aufführung trotz Eisermanns provozierender Improvisation (er ließ die ihm zugedachte Papageno-Arie spontan vom Publikum als Kanon singen) ein frenetisch bejubelter Erfolg wurde.

Die zwei Stunden aus André Eisermanns Leben vergingen wie im Rausch. Man hätte gern noch Episoden erlebt. Nun muss man sie halt selber lesen. Aber das ist eigentlich doch gar nicht so schlimm - und erbaulicher als der Blick in andere aktuelle Biografien.

Holger Schlegel
GZ von Fr., 18.10.2002
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Bo Doerek:

Zwei Zicken von der Reeperbahn

Musik-Comedy-Duo "Bo Doerek" überzeugte
Kulturklubpublikum mit gekonntem Programm

Zu Gast im Bündheimer Schloss: "Bo Doerek". Was, die Blonde mit den Zöpfchen? Nein. Das ist Bo DEREK. Bo "DOEREK" - Alexandra Doerk und Hubertus Borck - sind um einiges lustiger als die vergilbte Traumfrau. Am Freitag machten sie Spaß und Musik auf einem Niveau, das den Anspruch an einen unterhaltsamen Kulturklub-Abend ganz locker erfüllte.

Hubertus ist schwul und Alexandra Single aus Leidenschaft, ergo haben beide Beziehungsstrapazen, von denen andere nur träumen. Außerdem sind sie im Alter so um "30+X" was auch noch den Stress einer aufziehenden Midlifecrisis hinzukommen lässt. Denn "Frauen ab 30 werden eher vom Bus überfahren, als dass sie einen Mann abbekommen". Zudem wird es kritisch, wenn man bei "H+M" ("..so etwas wie IKEA, nur für Klamotten") gesiezt wird - von mageren Verkäufermäuschen mit Zöpfchen und klotzgroßen Turnschuhen.

Aber, mal Hand aufs Herz: Ist es erstrebenswert, das typische Leben eines/einer "plus-30-Jährigen"? Mit Blagen am Hals? Mit einem "Mäuschen" und einer "Chantal" am Rockzipfel, die ständig irgendwo herumplärren und sich womöglich auch noch an Mamas merkwürdigem "Spielzeug" vergreifen? Und kann ein "normaler" Mann in diesem Alter in eine Ballettaufführung gehen, um sich in den gut gebauten russischen Tänzer zu vergucken? ( ... übrigens soll der hässlich gewesen sein, aber "wer Arsch hat, braucht kein Gesicht").

Bo Doerek sind künstlerisch auf der Hamburger Reeperbahn groß geworden, das merkt man schnell. Ihr Humor ist heftig und schrill aber gottlob nicht billig, platt oder hingerotzt. Und die beiden verfeinern ihre Comedy mit musikalischen Leckerchen, die mehr sind, als untermalende Dreingaben. Im Musicalgeschäft verwurzelt, haben sie solides Gesangspotenzial, aus dem sie sich genüsslich bedienen. Doerk und Borck mischten ihren Humor mit ihrer Musik, aber ihr Programm vertrug es sogar, dass das eine oder andere Lied allein und ernst in den Raum gestellt werden konnte. Auch das gab dem Abend die besondere Note. Es trug dazu bei, dass das Programm "Zwei Zicken im drei Viertel Takt" in keiner Sekunde in den Topf der Stand-up-Comedy-Dutzendware zu plumsen drohte.

Fabelhafte musikalische Unterstützung bekam das Duo vom Dritten auf der Bühne, dem Gitaristen Jochen Bens. Dem Musiker war auch gleich noch die Rolle des sympathischen Döselchens zugedacht worden, mit der er sich klaglos und unterhaltsam abfand. Zumal man zwei Power-Zicken wie Alexandra Doerk und Hubertus Borck nicht widerstehen kann.

Holger Schlegel
GZ von Di., 01.10.2002
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Der Telök:

Kapitän mit Klosettpümpel-Bein

Kabarettisten-Duo "Der Telök" zeigte
beim Kulturklub die derben Seiten des Humors

Mit skurrilem Humor, der nicht jedermanns Sache sein kann, startete der Kulturklub sein Programm für das zweite Halbjahr: "Der Telök" war zu Gast im Schloss, ein Kabarettisten-Duo (Dirk Sollonsch und Martin Fromme), das seine Gags vornehmlich aus den sonst selten benutzten Schubladen "Heftig!", "Sehr derb!" und "Gesellschaftlich völlig unkorrekt!" herausholt.

Zum Beispiel "Behindertenwitze" - eine ganz schlimme Geschichte, da lässt man selbstverständlich die Finger von. Der Telök nicht. Martin Fromme hat einen verkrüppelten Arm und der wurde wie selbstverständlich ins Programm eingebaut. Stichwort "Gebärdensprache": "Da versteht man bei Dir eh nur die Hälfte". Eine seltene, aber angenehme Form von normalem Umgang mit Anderssein. Aber nicht Dreh- und Angelpunkt des "Telök"-Programms.

Niedliche Kleingags, zum Teil einfach nur aus dem Off gesprochen ("Lehrstellentipp: Der Bäckergeselle - jede Menge Action und Fun bevor die Sonne aufgeht") wechselten sich mit Nummern ab, in denen Aufwand und Fantasie steckten. So wurde der komplette Moby-Dick-Film in fünf Minuten gestopft, inklusive weißem Wal aus Pappe und Kapitän Ahab mit Klosettpümpel-Holzbein.

Grandios die TV-Verkaufskanonen Steve und Jim, die "das Messer" als absolute Sensation präsentierten, denn nun müsse das Brot nicht mehr mit dem Mund zerteilt werden, was ja eh eklig ist, denn dann klebt Speichel dran, wovon man krank wird - zum Beispiel fällt einem einfach mal der Arm ab.

Das ist kein Allerweltshumor, aber wer sich darauf einließ hatte Spaß. Denn die Telöks sind ein eingespieltes Team. Desto spontaner, desto besser. Da wurden Momente, in denen der Textfluss ins Stocken zu geraten schien, zu Improvisations-Erlebnissen, die sonst nur ein Helge Schneider zustande bringt. Wenn sich das herumspricht, hätte "Der Telök" bei seinem nächsten Gastspiel in Bad Harzburg sicherlich ein größeres Publikum. Verdienen würde es das Duo allemal.

Holger Schlegel
GZ von Di., 10.09.2002
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Open Air Summernight:

Mit Disco und Beat ins Fest gestartet

Gestern feierten Hunderte im Badepark die "Open Air Summernight"
mit zwei echten Überraschungsbands

Das Partyvolk hat dem Mistwetter die Stirn geboten: Dem Sommer, der keiner war, trotzte es sich gestern seine "Open Air Summernight" ab und startete mit Disco und Beat ins Salz- und Lichterfest 2002.

Zwei Jahrzehnte umspannte die Show, die Kulturklub, der VWH und die Veranstaltungsagentur Maik Herrmann den Harzburgern kredenzte: Die 60er-Jahre wurden vertreten durch die "Beautifools", ein Quartett, das den Badepark in einen Beatclub verwandelte. Ganz schnell wurde klar: Hier steht keine mittelmäßige Beatles-Kopie als Vorband auf der Bühne, sondern Enthusiasten, die aus den Plattenkisten der "Kinks", der "Searchers" und der "Stones" das Beste für Partys herausgezogen hatten.

Aber bei aller Wertschätzung für die "Sixties": Die "Seventies" gehen halt noch besser ab. Das bewiesen die "Golden Spaceriders", eine neunköpfige Formation, die schon nach Sekunden die rund 2000 Besucher mit dem "Saturday Night Fever" ansteckten. Die Formation ging mit einer fast schon erschreckenden Bühnenpräsenz ans Werk. Natürlich erleichterte der Umstand, dass Disco-Songs aus den 70er Jahren ("Ladys Night", "That´s the way I like it", "Relight my fire" und Co) so ziemlich jeder kennt, die Arbeit der "Riders" ziemlich. Aber gutes Musikmaterial paarte sich hier mit einer gigantischen Bühnenshow: Einen besseren Start hätte das Salz- und Lichterfest gar nicht haben können.

Holger Schlegel
GZ von Sa., 24.08.2002
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VIII. Harzburger Songnacht:

Köhlert und seine Freunde überzeugten

130 zufriedene Besucher erlebten bei der
Harzburger Songnacht handgemachte Musik

"Kultur mache ich normalerweise eher selten, aber das hier lässt man sich nicht entgehen". Mit seinem Fazit dürfte dieser Besucher der "VIII. Harzburger Songnacht" nicht allein gewesen sein. Auch in diesem Jahr folgten wieder über 130 Zuhörer dem Ruf von Songnachtvater Rolf Köhlert und erlebten im Bündheimer Schloß einen abwechslungsreichen Abend mit handgemachter Musik

Gestaltet wurde die Songnacht in diesem Jahr von den Gruppen "Rolf Köhlert & Friends" und "Five Jive". Den Anfang des gut dreistündigen Programms machte der "Altmeister" höchst selbst und hatte, trotz einiger Anflüge von Nervosität, sichtlich Spaß dabei. "Rolf Köhlert & Friends", das sind Köhlert (Gitarre, Mundharmonika, Gesang), Bernd "Ringo" Bachmann am akustischen Bass und Schlagzeuger Uwe Schmidt. Mit der sehr harmonischen Musik, die verschiedenste Einflüsse von Folk über Pop und Rock, bis hin zu Blueselementen in sich vereint, zeigte das Trio, das später zum Quintett erweitert wurde, ein sehr sauberes Programm. Nicht umsonst fiel des öfteren das Wort "unplugged", also rein akustisch.

Präsentiert wurde eine Mischung aus eigenen und gecoverten Songs. Mit hörbarer Nähe zu seinen musikalischen Vorbildern James Taylor und Van Morrisson spielte Köhlert zunächst Songs seiner CD "Findhorn Lovesongs". Ein Beispiel für die Vielfältigkeit der Musik war der Kontrast zwischen dem äußerst gefühlvollen "Close your eyes" und dem eher rockig fetzigen "Full force gale", das einen furiosen Abschluss des ersten Konzertteils darstellte. Als Zugabe gaben die Musiker ihr stärkstes Lied, den Beatles-Klassiker "We can work it out".

Einen äußerst gelungenen Auftritt in Reihen der "Friends" zeigte Traute Wethkamp. Mit ihrer sehr harmonischen und charmanten Stimme stellte die junge Sängerin an diesem Abend die perfekteste Ergänzung zu Köhlert dar und wurde mit reichlich Applaus bedacht. Der Sänger Köhlert wurde allerdings vom Gitarristen und Mundharmonikaspieler Köhlert nochmals in den Schatten gestellt. Einmal mehr gelang es dem Musiker diese drei Elemente in einer sehr eindrucksvollen Form miteinander zu kombinieren. Bestes Beispiel hierfür die Kunst mit der Gitarre eine zweite Stimme zum Gesang darzustellen.

Ein umjubeltes Wiedersehen gab es am Ende des Auftritts mit Dr. Holger Jacobj, Köhlerts früherem Bandkollegen bei "Lost Luggage". Vom Publikum im Schloss sehr herzlich begrüßt, wirkte Jacobj, der inzwischen in der Nähe von Celle lebt, bei den letzten Songs mit. Ohne Frage eine Bereicherung für Band und Zuhörer.

Nach der Pause gab es die Songnachtpremiere für die Gruppe "Five Jive". Die Musiker Uwe Schmidt (Schlagzeug), Andreas Schock (Gitarre), Stefan Vorbrodt (Bass) und Tobias Bremer (Keyboard) erwiesen sich als versierte Begleitung für die starken und druckvollen Sängerinnen Michaela Auer und Susanne Michels. "Five Jive" zeigten mit ihrem fetzigen Poprock eher Songnacht-untypisches, kamen damit beim Publikum aber sehr gut an. Gespielt wurden gecoverte Songs von Künstlern wie Stevie Wonder, Toto und Chaka Khan. Schlagzeuger Schmidt und Keyboarder Bremer, beides Neulinge bei der Harzburger Band, fügten sich nahtlos ein und zeigten eine gute Performance. Die Musik, die eher zum Tanzen als zum gediegenen Genießen einlud, formte einen guten Kontrast zu den "Friends" und sorgte für gute Stimmung im Auditorium.

Eike Zenner
GZ von Di., 04.06.2002
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LaLeLu:

Meisterhafte Mischung aus Können und Komik

Hamburger Quartett begeisterte 250 Gäste
mit der "Show der Superlative"

Wer ist der unterschätzteste Musiker unserer Zeit? Johann August Rümmelein. Welches ist der beste Beruf der Welt ? Star. Und wer steht auf der Liste der erotischsten Berufe ganz unten? Busfahrer und Englischlehrer. Rekorde, die der Weltöffentlichkeit bisher irgendwie völlig entgangen sind. Leider. LaLeLu hat sie gottlob alle einmal zusammengefasst. In einer "Show der Superlative", die am Freitag 250 Besucher auf Einladung des Kulturklub erlebten.

LaLeLu, das sind Sören Sieg, Jan Melzer, Tobias Hanf und Sonja Wilts. Das Quartett aus Hamburg bot eine spektakuläre Mischung aus Gesang (komplett a-capella) und Humor (durch die Bank intelligent).

Auf den Leib geschrieben

Sieg ist der Kopf der Truppe und hat seinen Mitstreitern Melodien und Texte passgenau auf den Leib geschrieben. Melzer war immer dann an der Reihe, wenn der verrückte Macho gefragt war. So war es an ihm, zu dokumentieren, warum "Star" der absolut beste Beruf der Welt ist: "Man kriegt viel Geld und zwar in bar". Hanf war der Beauftragte für angenehmen Spaß. Nach seinem Auftritt als Johann August Rümmelein wunderte man sich wirklich, warum dieser Typ bisher chancenlos war und mit einem Medley der schönsten, abgelehnten Titelmelodien umhertingelt: "Bärbel Schäfer, kleiner Krabbelkäfer" ist doch echt niedlich. Sonja Wilts gab dem Quartett die weibliche Note, mal mit laszivem, mal mit kindlichem Einschlag.

Aber das besonderer an LaLeLu ist die Kombination. Zweieinhalb Stunden Gesang, gar a-capella, das kann schnell eintönig werden, auch wenn die Künstler noch so gut sind. Bei LaLeLu aber passte einfach jede Note. In die perfekte musikalische Ensemble- und Solo-Leistung floss der Humor nicht zu knapp - aber auch nicht inflationär. Nie wurde es flach, noch nicht einmal bei eigentlich abgedroschenen Imitationen (Kohl, Reich-Ranicki, Michael Jackson, Elvis).

Prägender Humor

Und immer wieder waren Parts eingebaut, die verhinderten, dass die Show womöglich in Quatsch und Klamauk abrutschte: "I can´t make you love me", "Stella by Starlight" zwei wunderschöne, ernsthafte Balladen, die "einfach mal so" im Programm auftauchten, aber trotz des ansonsten prägenden Humors überhaupt nicht wie ein Stilbruch wirkten.

Eine "Show der Superlative" die selbst ein Superlativ war. Das lustigste Gesangsquartett mit der besten Kombination von Stimmen und der verrücktesten Themen-Mischung (von Fitness über Frisuren bis hin zum HSV, Sushi-Bars, Trickfilm-Melodien und den höchsten Stimmen der Musikgeschichte). Nur eines passte nicht: Der Titel der "Show der Superlative": "Leider sehr gut". Wieso, um Himmels Willen, "leider"?

Holger Schlegel
GZ von Di., 21.05.2002
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Klaus Kohler:

An den Toren der Herzen Sturm geläutet

Klaus Kohler überraschte Kulturklub-Publikum
mit sehr angenehmen Musikkabarett

Ein kleiner Mann tritt auf die Bühne, nettes Gesicht, wuschelige Haare. Er sieht ein bisschen aus wie ein lieber Clown. Ein Spaßmacher. Mit Klavier, respektive Flügel. Musikalisches Kabarett will er machen. Da wird er wohl ein paar nette Gags liefern und dazu ein wenig mit den Tasten klimpern. Weit gefehlt. Klaus Kohler überraschte auf Einladung des Kulturklubs mit einem angenehmen Mix aus hervorragendem Humor, schönster Schauspielkunst und feinster Virtuosität am Flügel.

Klaus Kohler ist Konzertpianist, aber auch Schauspieler und Kabarettist - alles zusammen der "Beflügelte Mann". Zwei Stunden lang stellte Kohler ihn, beziehungsweise sich, dem Publikum vor - der Lebenslauf eines Pianisten auf dem Piano erzählt.

Schon als Bub schaut er das Klavier so begabungsvoll an und Oma und Opa freuen sich darauf, dass der Junge bald die schönsten Weihnachtslieder spielen kann. Also Klavierunterricht. Erst beim gestrengen Professor, dann bei einer Lehrerin, die dem Jüngling weit mehr beibringen will, als mit den Fingern nur flink Tasten zu bearbeiten. Und schließlich landet der arme Kerl auch noch bei einer handfesten Kapazität, die erklärt, man müsse "in einen Akkord hineinlangen, wie der Metzger ins Gedärm".

Dass das kleine Wunderkind trotzdem normal bleibt, mag da ein Wunder sein. Aber "die Zeit der Pickel und Hormone" erreicht er ganz locker und beginnt, "mit gut geübten Stücken, Frauenherzen zu beglücken". Denn eigentlich ist das Klavierspielen auch nichts besonderes, "das übt man, und dann kann man´s".

Und was Kohler alles kann. Auf einer Autobahn lässt er BMW und Golf GTI um die Wette fahren, auf dem Fußballplatz wetzen Lennon, Chopin und Claydermann hinter dem Ball her. Klaus Kohler kann auch eine Perlenkette spielen - einer der unvergesslichen Momente im Programm, bei dem die Gäste im Schloß ganz, ganz still wurden.

Das war das Schöne am "beflügelten Mann": Er konnte leise erzählen, aber auch laut werden, war hibbelig und nachdenklich, herzlich und zärtlich, herzhaft und immer wieder sehr niedlich. Irgendwie fragte man sich langsam, wieso der arme Kerl noch keine Frau abbekommen hat. Wo doch dauernd welche "vor dem Tor seines Herzens stehen und Sturm läuten".

Genau das hat Kohler bei seinem Publikum auch gemacht. "Der beflügelte Mann" - zwei Stunden Programm, die so angenehm anders waren. Weil Klaus Kohler, ein Künstler ist, der mit Humor, Schauspiel und Musik so angenehm anders umgeht - vor allem gekonnt.

Holger Schlegel
GZ von Di., 30.04.2002
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Ulrike Ascher:

Die Magie des Magischen

Ulrike Ascher stellte Donnerstagabend im Schloss
das "Einmaleins für Hexen" vor

Man nehme die vier Himmelsrichtungen und ordne ihnen die vier Elemente zu, formiere alles zu einem Kreis und sammle selbst in dessen Mitte alle Energien auf sich, um im Folgenden einen möglichst konkreten Wunsch zu formulieren: Fertig ist das Hexenritual.

Zwar nicht ganz so einfach, aber eben auch nicht wesentlich komplizierter hat man sich einen "magischen Zauber" vorzustellen. Die Buchautorin Ulrike Ascher gab am Donnerstagabend auf Einladung des Kulturklubs eine kleine Einführung in das "Einmaleins für Hexen".

"Magie ist reine Energie"

Fast 150 Gäste waren ins Bündheimer Schloss gekommen, nur wenige Männer hatten sich unter das fast ausnahmslos weibliche Publikum gemischt. Frauen aller Altersklassen wollten von Ulrike Ascher erfahren, was es denn nun mit den magischen Kräften tatsächlich auf sich hat. "Magie", erklärte Ulrike Ascher, "ist reine Energie" und also überall vorhanden. Mittels magischer Rituale können sich Menschen diese Energie, die den vier Elementen entspringt, zu Nutze manchen. Anwendbar sei das auf alle Lebensbereiche. Nicht nur auf die Klassiker Liebe, Job und Geld. Ascher: "Ein Ritual ist nicht fürs Universum, sondern für die Person bestimmt.

Natürlich müsse man einen Draht zu den magischen Kräften entwickeln, sagte Ulrike Ascher. Sonst können sie nicht wirken. Rituale sind weder Kontaktanzeigen noch Stellengesuch: Wenn das Erbetene nicht eintrifft, sollte man einfach Vertrauen haben. Manchmal wissen die überirdischen Kräfte eben besser, was für den Einzelnen gut ist. Alles wird sich fügen, wenn man den Dingen nur seinen Lauf lässt. Das kann man auch Schicksal nennen.

Das Publikum im Bündheimer Schloss hatte viele Fragen an Frau Ascher. Zum Beispiel, wie sie zur Magie gekommen ist und wie es sich damit lebt? Sie sei in einem religiösen Elternhaus in Norddeutschland aufgewachsen, erzählte Ulrike Ascher. Schon früh war sie von einer überirdischen Macht überzeugt und beim Studium der vorchristlichen Kulturen schließlich auf die Magie der alten Gottheiten gestoßen. Inzwischen lebt Ulrike Ascher in Irland, beschäftigt sich als Lehrerin und Autorin mit Reiki, Trancereisen und magischen Ritualen.

Nicht für jedermann

Obwohl laut Ulrike Ascher jeder Mensch in der Lage ist, sich mit derlei Energien zu beschäftigen, muss die Magie nicht jedem die Glückseligkeit verheißen. Wer aus einem Gebet oder einer Meditation seine Kreaft schöpfen kann, sollte auch dabei bleiben. Allen anderen stünde ein Versuch in Sachen "Hexerei" offen. Wer sich von Ulrike Ascher am Donnerstag allerdings konkrete Anweisungen erhofft hatte, musste unbefriedigt nach Hause gehen. Oder sich auf die Lektüre ihrer Bücher verlassen.

Berit Seeger
GZ von Sa., 13.04.2002
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Hardy Krüger:

Geschichten von Liebe, Lachen, Tod und Tränen

Schauspieler las im Schloss aus "Szenen eines Clowns"
Mehr als 300 Besucher waren begeistert

Ein rappelvolles Bündheimer Schloss und Standing Ovations für den Star des Abends - Hardy Krüger hatte das Publikum bei seiner Lesung am Donnerstag Abend voll im Griff. Der Schauspieler und Autor las aus seinem jüngsten Werk "Szenen eines Clowns" und traf damit genau den Geschmack seiner Zuhörer.

"Hier kann ich endlich einmal das Publikum sehen", freute sich der Weltenbummler über das behagliche Ambiente von Bad Harzburgs "guter Stube", die so ganz anders sei als ein riesiger Theatersaal. "Und Sie sollten sich mal selber sehen. Wie Kinder vor der Bescherung." Tatsächlich hingen ihm die mehr als 300 Besucher andächtig an den Lippen. Krüger gab Anekdoten seines bewegten Lebens zum Besten, die mal erheiterten, mal zum Nachdenken anregten, wenn auch mit einem Augenzwinkern, denn: "Nichts im Leben ist ohne Komik."

Wie etwa die Geschichte, als sich Hardy Krüger Mitte der 60-er Jahre eine Farm in Afrika aufbaute und einem seiner einheimischen Helfer mit einem Zäpfchen von quälenden Kopfschmerzen kurierte. Der Geheilte schwärmte seinen Freunden von dem Medizinmann vom "Stamme der Deutschen" vor: "Ein großer Arzt. Er steckt dir was in denn Hintern und dein Kopf tut nicht mehr weh."

(...) Besonders gut kamen die Schilderungen von Begegnungen mit großen Schauspielern an. So berichtete Krüger von James Stewart, der - im Gegensatz zu seinem deutschen Synchronsprecher - eine sehr hohe Stimme hatte und häufig mitten im Satz abgebrochen habe. "Jimmy dachte sehr schnell, konnte aber nur sehr langsam sprechen." (...)

Krüger endete mit einer Geschichte aus Paris, wo ihm Schauspiel-Kollege Yul Brynner erklärte, dass sie doch den besten Beruf der Welt hätten: "Wenn es keine Filme und kein Theater mehr gibt, setzen wir uns einfach auf den Marktplatz, stellen einen zerlumpten Hut vor uns auf die Erde und erzählen den Menschen Geschichten von Liebe, Lachen, Tod und Tränen." Genau dies habe er gerade getan, schloss Hardy Krüger.

Der kaum enden wollende Applaus schien den Star verlegen zu machen: "Wenn Sie so weiter machen kann es sein, dass ich wiederkomme", sagte er kopfschüttelnd. Das wäre sicherlich im Sinne seiner Bad Harzburger Fans.

Bernhard Mecke
GZ von Sa., 16.03.2002
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Rosenfels:

"Rosenfels" und ihr Handbuch der Chemie

Über 200 Zuhörer erlebten großes Musikereignis

Eine Symbiose aus Klassik und Pop, die zu Gänsehaut und Melancholie beim Publikum führte. Dazu "leichte" Anlaufschwierigkeiten in der Technik, die den Veranstaltern das eine oder andere graue Haar beschert haben dürften. So fällt ein kurzes Resümee des "Rosenfels"-Konzertes aus, das am Samstagabend auf Einladung von Kulturklub und Förderverein Jugendtreff im Bündheimer Schloß gespielt wurde.

Es war ungefähr halb neun, der Auftakt zum ersten Stück. "Rosenfels"-typisch eine Ballade. Gespielt waren höchstens fünf Takte, dann ein ohrenbetäubendes Knacken und schließlich: Konzertabbruch. "Rosenfels" bewiesen Humor. Hier scheint wohl der Schlossgeist sein Unwesen zu treiben, so Sänger Brandes, der die Sympathien des Publikums durch seine lockere und ungezwungene Art schnell auf seiner Seite hatte,. Es folgten fünf Minuten Pause, dann der zweite Versuch. Und erneutes Knacken. Zehn Minuten Pause, dann der dritte Auftakt. "Hallo wir sind Rosenfels und freuen uns riesig hier in Bad Harzburg zu spielen", wiederholte Brandes geduldig und nun mit Erfolg. Was folgte entwickelte sich schnell zu einem Live-Konzert der absoluten Spitzenklasse. Ein Mix aus Popsong und Ballade, der das Publikum für alle Unannehmlichkeiten entschädigte.

"Rosenfels", das sind Sven Brandes (Gesang) und Michael Röhl (Piano) unterstützt von den Musikern Tom Lachemund (Piano) und May-Britt Altendorf (Geige), boten Gänsehautfeeling pur. Der Ausdruck "Pop-Melancholie" trifft den musikalischen Stil des Duos, das im Rahmen der "Handbuch der allgemeinen Chemie"-Tournee ihr gleichnamiges Album präsentierte, wohl am genauesten. Doch erwies sich die Musik insgesamt als zu vielschichtig um sie einfach in eine Schublade stecken zu können. Bestimmend und besonders hervorzuheben sind allerdings die gefühlvollen Balladen.

Mit Songs wie "Believe me", "Waiting for the daylight" oder "Anytime" unterstrichen "Rosenfels" ihr breites Spektrum. Die Tiefe der Ballade wurde in moderne Loops und Pop-Elemente gehüllt. Besonders hervorstechend ist dabei die wirklich seltene Symbiose aus klassischen Instrumenten und modernen Sounds. Neben den neuen Songs gab es im Schloß natürlich auch ein Wiederhören mit den Klassikern "Evelyn" und My Darling".

"Handbuch der allgemeinen Chemie" ist bereits das dritte Album des Duos "Rosenfels". Die Chemie machts, so das Motto der Musiker. Sie sei nötig um die Tiefe der Musik zu erzeugen und die Emotionen zu "verbalisieren". Dass "Rosenfels" mit ihrer Musik ein breites Publikum ansprechen, zeigte sich nicht zuletzt mit Blick auf die Zusammensetzung des Auditoriums im Rittersaal des Bündheimer Schlosses. Dort genossen Erwachsene, Jugendliche und Kinder gemeinsam ein herausragendes Musikerlebnis - forderten und erhielten sage und schreibe acht Zugaben.

Eike Zenner
GZ von Mi., 06.03.2002
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Bassam Tibi:

Eine neue "Weltunordnung" als Folge des Terrors

Prof. Dr. Bassam Tibi referierte auf Einladung des Kulturklubs im Bündheimer Schloss über Islamismus und den "Krieg der Zivilisationen"

Spätestens seit dem Anschlag auf das World Trade Center ist er ein sehr gefragter Mann. Jetzt hielt Prof. Dr. Bassam Tibi vor rund 100 Zuhörern im Bündheimer Schloss einen Vortrag über den islamischen Fundamentalismus, der uns nach seiner Einschätzung in eine neue "Weltunordnung" gestürzt hat.

60 Minuten lang referierte der Göttinger Universitätsprofessor aus seinen Werken. Als Berater des Ex-Präsidenten Georg Bush (senior) und des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ist der bekennende Muslim nicht nur Islam-Experte, sondern auch Kenner der internationalen Diplomatie.

Das Aufkommen des Islamismus stellt für den gebürtigen Syrer keine Überraschung dar. Das Konfliktpotenzial gebe es seit Jahrzehnten. Dass die Probleme am Ende des Kalten Krieges wieder offen ausgetragen werden, liege daran, dass die Supermächte während des "künstlichen Ost-West-Konflikts" jeweils die islamische oder die jüdische Zivilisation unterstützt hätten. "Mit dem Wegfall dieser bipolaren Kontrolle über die Welt traten die wahren Konflikte an die Stelle des Kalten Krieges."

Die Ursachen für den Fundamentalismus in den islamischen Staaten sind nach Ansicht Tibis vielfältig. Zentrum sei die Ablehnung der Weltordnung, die im Westfälischen Frieden von 1648 ihren Ursprung hat. Die seither geltende Trennung von Religion und Politik werde von Islamisten nicht akzeptiert. Als Rückschlag wertete Tibi die Niederlage von 22 Armeen gegen Israel im Sechs-Tage-Krieg von 1967. Die Folge der Demütigung sei die Formel "Der Islam ist die Lösung" und somit das erneute Zusammenwachsen von Religion und Politik in der zuvor modernen arabischen Zivilisation.

In einem historischen Abriss verdeutlichte Tibi, dass der Terrorismus als Mittel des "Jihad" keine Erfindung Osama Bin Ladens ist. "Seit 1928 existiert ein solches Konzept", erklärte der Sozialwissenschaftler den Zuhörern. Der Ägypter Hassan Al Banna habe in dieser Zeit die Muslimische Bruderschaft gegründet, die sich einem "Krieg ohne Regeln" verschrieben hätte.

Als Reaktion auf die jüngsten Terroranschläge hält Professor Tibi die Militärschläge gegen Afghanistan für legitim. "Wer nicht bereit ist zu verhandeln und nur die Sprache der Gewalt versteht, kann nicht anders bekämpft werden." In Deutschland rät Tibi zu einem differenzierten Umgang mit Muslimen. So forderte er einerseits bessere Integration, erteilte aber andererseits Toleranz gegenüber Fundamentalisten eine klare Absage: "Wer sich weigert, nach dem Grundgesetz und dessen Werten zu leben, darf nicht hierbleiben."

Nach dem Vortrag stellte sich Tibi dem Publikum. Konzentriert bündelte er Fragen und beantwortete sie in einem Fluss, äußerte sich kritisch zu Koranschulen, die er als Ausbildungsstätte für Fundamentalisten ansieht, und wies anschließend einen Lösungsweg für den Nahostkonflikt: "Wir brauchen einen israelisch-arabischen Westfälischen Frieden, um den Krieg der Zivilisationen zu überwinden."

Thomas Tiede
GZ von Mo., 18.02.2002
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Stephan Bauer:

Ein ´68er auf Selbsterfahrungskurs

Was bewegt einen Mann Mitte 30? Stephan Bauer hat es ausgeplaudert

So ist das also mit den Männern Mitte 30: Im angesagten H&M-Outfit fühlen sie sich nicht wohl (egal ob hauteng oder schlabbrig), in der Partnerschaft machen sie gerade die erste große Krise durch (ohne sich zu trennen ), in Diäten haben sie Erfahrung (so viel wie eine Frau), in Krankheitsdingen kennen sie sich aus (sind aber bitte schön nicht empfindlich und schon gar keine Hypochonder), im Bett sind sie meist zu müde (vor allem fürs Vorspiel) und überhaupt - in der Jugend war ohnehin alles viel besser.

Stephan Bauer, Kabarettist Jahrgang ´68, gab am Freitagabend auf Einladung des Kulturklubs im fast ausverkauften Saal im Bündheimer Schloss einen durchaus aufschlussreichen Einblick in die komplizierte Gefühls- und Seelenlage eines Mittdreißigers. Sein Programm "Vorgespielte Höhepunkte" war Geselligkeitskabarett im besten Sinne: Niemals politisch, dafür immer unterhaltsam, manchmal etwas flach, bisweilen deftig in der Pointe plauderte sich Bauer durch den Abend. Seine Themen sind jenen alltäglichen Erfahrungen entnommen, wie sie (fast) jeder kennt. Stichworte Kleiderkauf ("Ich gehe einkaufen, sie geht shoppen"), oder Modekette H&M, dem "Fachausstatter für Bulimiekranke" ("Die verkaufen da nicht, die falten immer nur Pullover zusammen") oder 3-K-Verlauf einer Partnerschaft ("Kuscheln, Klammern, Katastrophen-management").

Beim Blick zurück in die eigene Jugend legte sich Stephan Bauer im zweiten Teil noch mal richtig ins Zeug. Die Erinnerung an Jugendfreizeiten mit 25 14-jährigen und einer "Freizeit-Revue" in einem großen Schlafsaal, die Zivi-Erfahrungen im Seniorenstift, die Kostproben seiner abgebrochenen Laufbahn bei der Heavy-Metall-Band "Hells Hamsters" und der vorgespielte Versuch über die Gelben Seiten einen Koks-Lieferanten für die Party zum 21. Geburtstag zu finden, waren einfach wunderbar komisch.

Nun also weiß man, in welchen Seelennöten ein Mittdreißiger steckt und, dass dessen wahre moralische Instanzen die Plattensammlung und gute Boxen sind.

Berit Seeger
GZ von Mo., 04.02.2002
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Manfred Dimde:

450-Jährige in Fünf-Kilometer-Häusern

Manfred Dimde erzählte dem Kulturklub-Publikum, wie es laut Nostradamus um die Zukunft steht

Zukunft ist in. Gerade wenn die Gegenwart nichts Gutes verheißt. Dann schaut man auf die Vergangenheit: Was sagte um 1550 ein Mensch namens Michel de Notredame über die kommenden 2240 Jahre?

Die Weissagungen Notredames, bekannter als "Nostradamus", sind gefragt. Noch gefragter sind Menschen, die sie deuten und analysieren, denn einfach so versteht man sie nicht. Einer der im Land bekanntesten Nostradamus-Forscher, Manfred Dimde, war am Wochenende zu Gast beim Kulturklub und erzählte 150 Zuhörern, wie die Zukunft ist.

Eins vorweg: Ja, es gibt ein Morgen, auch ein Übermorgen, ein nächstes Jahr, sogar ein nächstes Jahrtausend. Dann wird zwar irgendwann alles vorbei sein, aber erst um 3800, und das ist jetzt eigentlich noch egal.

Heute wollen die Menschen ersteinmal wissen, was bald passiert. Droht der Dritte Weltkrieg? Seit dem 11. September geht Angst um die Zukunft um. Menschen mit Wissen um Nostradamus sind gefordert. Täglich bis zu 45 000 Besucher auf Dimdes Seite im Internet sind ein beachtlicher Beleg.

Dimde kann beruhigen: Nostradamus hat die Katastrophe vom 11. September nicht vorhergesehen, was ein Zeichen dafür sei, dass sie nicht - wie sonst in den Prophezeiungen - der Anfang eines neuen Ereignisses, sondern nur Teil eines längst begonnenen sei. Ein Ereignis mit Auswirkungen, die allerdings durchaus bei Nostradamus zu finden seien: Von "Englands zweifach ungeschicktem Geist" ist nämlich die Rede - England zweifach: Damit muss laut Dimde Amerika gemeint sein, und ungeschickter Geist - nun, das dürfte klar sein.

Das ist das Problem mit Nostradamus: Er hat seine Prophezeiungen verschlüsselt, weshalb sie ja auch über Jahrhunderte Anlass zu Spekulationen und Deutungen gaben - und geben. Deshalb können die Menschen der Gegenwart mit Prophezeiungen der fernen Zukunft noch gar nichts anfangen, so Dimde. Aber kurz vorher sieht es schon anders aus (hinterher natürlich erst recht). Ab 2014 zum Beispiel werde "Durst das Regiment führen" - das, so Dimde, könnte ein Anzeichen für eine drohende Verseuchung des Wassers sein. Eingeläutet werde diese Epoche durch die Ermordung von vier Königen in sieben Tagen (2007/08). Und erst wenn dieses Ereignis eintritt, sollten die Menschen "für sich selbst klug handeln" schauen, fragen, interpretieren, aber besonnen bleiben. Bloß nicht in Panik verfallen, schon gar nicht im Vorfeld.

Ein verwegenes Thema, eins, mit dem man sich anfreunden muss, um es zu akzeptieren. Dimde machte es leicht, Zugang zu Nostradamus (und seinen eigenen Büchern) zu finden. Er kam daher wie eine Mischung aus gutem Onkel, nüchternem Wissenschaftler und begeistertem Hobbyforscher und (gottlob) nicht wie der glühende Anhänger irgendeines Scharlatans aus dem finsteren Mittelalter. Er erzählte seinen Zuhörern allerdings auch, was sie gerne hörten und wich dabei irgendwie doch von seiner These ab, dass man Nostradamus nicht zu weit im Voraus beim verständlichen Wort nehmen sollte: 2035 wird eine Energie zum Nulltarif entdeckt, um 2050 wird das Alter der Menschen auf 450 Jahre verlängert, sie wohnen noch später in riesigen Häusern von fünf mal fünf Kilometern Größe. Ob das nun alles so angenehm ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Holger Schlegel
GZ von Di., 29.01.2002
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Neujahrskonzert:

Wein, Weib und Gesang sind immer ein Genuss

Voller Kurhaussaal und ein blendend aufgelegtes Staatsorchester: Erfolgreiches Neujahrskonzert

"The same procedure as last year" - ein prall gefülltes Kurhaus zum traditionellen Kulturklub-Neujahrskonzert, dieses Mal mit "Wein, Weib und Gesang", unter dem Motto des Strauß-Walzers. Nach der Begrüßung durch Margarete Demnig, stellvertretende Vorsitzende des Kulturklubs, folgte in achter Auflage ein phänomenales Neujahrskonzert mit dem Staatsorchester Braunschweig unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jonas Alber.

Selbstverständlich stand bei diesem Operettenkonzert mit Werken von Johann und Josef Strauß, Millöcker, Kálmán und Lehar die Musik im Vordergrund. Doch zeigte Jonas Alber mit seinen Solisten auf beeindruckende Weise, dass Musik gepaart mit einer guten Portion Witz, Emotionalität und Schauspiel einen ganz besonderen Unterhaltungswert erlangen kann.

Mit "Die Fledermaus" (Johann Strauß) leitete eine Ouvertüre ganz stilgerecht den Abend ein. Das Orchester versetzte den Saal sofort in die fröhliche Stimmung Wiener Walzermusik. Der Auftakt war gelungen und das Braunschweiger Orchester sorgte mit seiner guten Laune dafür, dass dieser Stimmung während des Konzertes kein Abbruch getan wurde. Ansonsten gibt es zur Leistung des Orchesters eigentlich nicht viel zu sagen: Profis durch und durch, die dem Harzburger Auditorium nichts von ihrem Können vorenthielten.

Nicht anders verhielt es sich mit den Solisten: Viola Zimmermann (Mezzosopran) stellte ihr schauspielerisches Talent mit "Ich lade mir gern´ Gäste ein" unter Beweis. Ohnehin konnten sich alle Solisten hervorragend mit den Geschichten zu den Operetten - "gleich vier davon im Schnelldurchlauf, wo wird Ihnen das sonst geboten?" (Jonas Alber moderierte) - identifizieren und die Kunst des Schauspiels mit der Sangeskunst vereinbaren.

Seien es nun Henryk Böhm (Bariton), Patrick Greene (Tenor) und Mario Klein (Bass) als ausgelassene Männerrunde mit "Ja, das Studium der Weiber ist schwer" (Franz Lehar) oder die Sopranistin Susanne Pütters. Sie trug das "Vilja-Lied", in dem sich eine Adlige gegen des Vaters Willen in einen Bürger verliebt, mit verliebt-verklärtem Blick vor.

Oder noch einmal Viola Zimmermann, die laut Alber in der Pause den einen oder anderen Champagner zuviel getrunken habe und ihr "Schwipslied" (Johann Strauß) nur aufführen konnte, indem der Dirigent persönlich der Angetrunkenen sprichwörtlich unter die Arme griff. Komedy der Wiener Art. - Apropos Schaumwein: Die Korken knallten in der darauffolgenden "Champagnerpolka" tatsächlich.

Doch auch Jonas Alber prägte das Neujahrskonzert durch seinen eigenen Stil. Mal dirigierte er ganz emotional heftig, dass er sich vor lauter Raserei am Dirigentenpult festhalten musste. Dann wieder kokettierte er mit dem Instrumentalisten und letztlich dirigierte er das Publikum selbst, um genauer zu sein den Applaus - zunächst in forte, dann in piano - beim Radetzky-Marsch, einer von drei Zugaben.

Diese hatten sich die Instrumentalisten und Sänger des Staatsorchesters auch redlich verdient. Denn wie war noch mal das Motto? "Wein, Weib und Gesang"! Und das ist doch immer ein Genuss.

Carl-Georg Salzwedel
GZ von Mo., 07.01.2002
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