Oskar und Felix:

Männer-WG mit lauten Mia-Mios

Heinrich Schafmeister und Leonard Lansink sind "Oscar und Felix" - Bad Harzburger Kursaal voll besetzt

Willkommen in der Rumpelbude von Oscar - zur Pokerrunde. Einer fehlt aber noch: Felix. Warum er sich verspätet, wissen sie bald. Und dann beginnt für die Zuschauer am Freitagabend im voll besetzten Bad Harzburger Kursaal die Geschichte um "Oscar und Felix. Das seltsame Paar im 21. Jahrhundert". Produziert vom Euro-Studio Landgraf, gebucht von der Bühne Bad Harzburg.

Bekannt geworden war die Komödie von Neil Simon ja durch Walter Matthau und Jack Lemmon in der us-amerikanischen Filmversion. Mehr als 40 Jahre später stehen Leonard Lansink als Oscar und Heinrich Schafmeister als Felix auf deutschen Bühnen.

Die Paarung ist vertraut aus der TV-Krimiserie Wilsberg, auch die Verteilung der Charaktere. Wer von den beiden sonst sollte den pingeligen, den peniblen, den neurotischen Felix übernehmen, wenn nicht Heinrich Schafmeister? Und den luschigen, den lässigen, den schlampigen Oscar Leonard Lansink? Die beiden sind so gut in ihren Rollen, könnten das Publikum locker allein bespaßen. Mitspieler gibt es dennoch, die Männer der Pokerrunde: Vinnie, Speed und Murray. Und die Schwestern Costazuela.

Sie sind die Gäste im Single-Haushalt "Oscar" und die in der Männer-Wohngemeinschaft "Oscar & Felix". Zu der WG kommt es, weil Felix von seiner Frau verlassen und von Selbstmordgedanken gebeutelt ist. Oscar hat Mitleid, nimmt den Freund auf: Drei Wochen der Zweisamkeit, die ganz schnell eheähnliche Züge annimmt. Felix verwandelt Oscars vermülltes Apartment in eine beinahe klinisch reine Wohnung, kocht, putzt - und redet. Alles gut und schön, nur nicht auf Dauer. Der zunächst eher deprimierte Solist Oscar wird unter Felix' Sauberkeits- und Kommunikations-Herrschaft an den Rand eines Nervenzusammenbruchs getrieben - und schmeißt ihn raus.

Wieder treffen sich die Freunde zum Pokern, diesmal mit den Spanierinnen. Wieder warten alle auf Felix. Wieder haben sie Angst um ihn. Und wieder trudelt er irgendwann ein mit dem Satz "Macht Euch um mich keine Sorgen."

Gehen die WG-Bewohner in die Dialoge, wird die Passigkeit der Besetzung durch Schafmeister und Lansink bestätigt. Prollig und provokant der Oscar mit Lansinks rauchiger Stimme: "Du kannst das Monogramm meiner Frau aus den Handtüchern fieseln." Und: "Du kannst das Gürkchen auf dem Gürkchen-Friedhof bestatten oder pokern." Akkurat und anstrengend der Felix mit Schafmeisters hochsteuerbarer Stimme: "Immer schön die Untersetzer benutzen. Wisst Ihr, was nasse Gläser anrichten?"

Was Heinrich Schafmeister aber an Mimik aufbringt, ist grandios - vor allem als Kontrast zu seinen sonst hölzernen Bewegungen: Beim Reinigen seiner eustachischen Röhren mit lautem Mia für das rechte Nasenloch und Mio für's linke, bei den Heul-Arien, beim Streit mit Oscar um die Zeitung. Der will die Sportseite "...oder ich kleb' Dir Deine Nasenlöcher zu, dann kannst Du Dir Deine Mia-Mios mit der Saugpumpe rausziehen." Das Publikum applaudiert lang anhaltend.

Oskar und Felix ; Foto: Angela Potthast

Famose Besetzung: Heinrich Schafmeister als Pingel Felix (li.) und Leonard Lansink als Schlamper Oscar. Kann da eine Wohn-Zweier-Beziehung funktionieren?

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 20.02.2012

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