Neujahrskonzert:

Der Weltuntergang kann warten

Staatsorchester wünscht dem Kulturklub und mehr als 500 Gästen im Kurhaus ein frohes neues Jahr

Mit einem fulminanten, ausverkauften und stimmungsvollen Neujahrskonzert startete der Kulturklub in ein Jahr, das ganz speziell werden dürfte: Der Verein feiert seinen 20. Geburtstag. Und später geht dann die Welt unter.

Strauß, Strauß, Strauß und - Strauß. Dazu ein wenig Lehár und eine Prise Verdi: Mit diesen Komponisten im Notenordner reiste das Staatsorchester aus Braunschweig an, um dem Kulturklub und mehr als 500 Besuchern ein frohes neues Jahr zu wünschen. Vielleicht zum letzten Mal? Dirigent Franz Josef Breznik jedenfalls machte den Weltuntergang zum Thema seiner charmanten Moderation.

Bekanntlich soll ja am 21. Dezember 2012 alles vorbei sein, denn der Kalender der Maya endet an diesem Tag. Aber Breznik und der Kulturklub haben für den Fall, dass es ja vielleicht doch weitergeht, vorgesorgt und noch unmittelbar vor dem Konzert mutig ein Neujahrskonzert für 2013 klar gemacht. "Wo dann auch immer", meinte Breznik schmunzelnd. Vielleicht im Paradies, vielleicht in der Hölle? Wohl doch eher im Kursaal. Der ist nun schon seit 20 Jahren Schauplatz des Neujahrskonzertes und es gibt etliche Besucher, die man nicht nur Jahr für Jahr dort wiedersieht, sondern die auch Jahr für Jahr auf ihren angestammten Plätzen sitzen. Tradition ist Tradition.

Und genau so eine Tradition für ein Neujahrskonzert ist natürlich die Musikauswahl. Strauß muss es sein, wobei das Staatsorchester in diesem Jahr einmal die Kiste mit den Stücken, die nun wirklich jeder kennt, zuhause gelassen hatte. Natürlich wurden Polkas und Walzer rauf und runter gespielt und das in einer Qualität, wie man sie von einem Profiorchester getrost erwarten darf. Aber in diesem Jahr war das Programm zwar leicht, jedoch ein wenig mystischer, sphärischer. Passend zum Weltuntergang eben.

Die Auswahl war rund um Josef Strauß' "Sphärenklange" getroffen worden, zum Beispiel mit "Mephistos Höllenrufen" und den "Phönix Schwingen", beide von Strauß' Sohn. Aber - man sollte sich ja doch irgendwie vor dem Ende der Welt schützen - es gab auch Hoffnung und Liebe. Dafür waren in erster Linie die Gesangssolisten zuständig, Tenor Arthur Shen und die Sopranistin Ekaterina Kudryavtseva. Beide brillierten solistisch (Shen besonders mit der anspruchsvollen Arie "Lunge da lei" aus Verdis "La Traviata") und im Duett, zum Beispiel bei "Parigi, o cara", ebenfalls aus "La Traviata".

Ganz ohne Ohrwurm-Walzer und Mitklatsch-Marsch ging es dann doch nicht. Die Donauwellen zum Schunkeln und der Radetzkymarsch, damit man noch eine zackige Melodie im Ohr mit nach Hause nehmen kann, wurden als Zugaben gereicht. Hübsche Idee: Breznik ließ den Marsch von den jüngsten Besuchern, Hugo (11) und Frederik (12), dirigieren. Da braucht einem um die Zukunft keine Bange zu sein. Um die der Dirigentenzunft nicht - und um die der Welt eigentlich auch nicht.

Foto: Holger Schlegel

Großer Auftritt: Der 12-jährige Frederik (rechts) und Hugo (11) dürfen zum Radetzkymarsch den Platz von Franz Josef Breznik (im Hintergrund) einnehmen und die Taktstöcke schwingen.

Foto: Holger Schlegel

Brillante Solisten: Ekaterina Kudryavtseva und Arthur Shen.

Foto: Holger Schlegel

Mehr als 500 Besucher lauschen der Musik des Staatsorchesters Braunschweig.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 09.01.2012

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