Martin O.:

Der Mann ist ein Porsche

Stimmen-Zauberer Martin O. holt sich stehende Ovationen vom Publikum

Ganz alleine steht der Mann auf der Bühne. Aber: Er macht Musik als wäre er ein Chor, eine Autobahn, eine Kuhherde. Geräusche sind sein Geschäft. Aus ihnen formt Martin O. Wohlklang-Stücke und Hör-Geschichten. Für sein Publikum am Samstagabend im Bündheimer Schloss. Das mag ihn, sehr. So sehr, dass es dem Mann in Schwarz stehende Ovationen schenkt.

Schweizer Präzisions-Mundwerk nennt ihn Detlef Linke vom einladenden Kulturklub Bad Harzburg. Verstehen ihn die Gäste im vollen Schloss? Nicht immer wortwörtlich. Denn es ist auch nicht immer die wahre Sprache, die aus seinem Mund kommt. Er setzt Laute zusammen, dass sie so klingen als ob. Japanisch zum Beispiel. "Hotototo...", und Martin O. plaudert über seine Begegnung mit asiatischen Touristen. Erst ist es nur einer, dann werden es viele. Eine Horde. Die "Hotototos" überschlagen sich. Wie das? Die Loop-Machine macht das. Sie nimmt Verschiedenes von Martin O. auf, so was wie Bässe und das "Hotototo". Er spielt es ab, nacheinander oder gleichzeitig. Eine üppige Klangkulisse entsteht, vor der er weiter agiert: Choralhaftes, Obertoniges in blauem Licht. Bässe dazu und rotes Licht, dann wieder Choralhaftes in blauem Licht. Ein Martin O. singt mit unzähligen Martin Os.

Er ist auch Kuckuck und Autobahn. "Wwwfff...", wischt er mit seinem Mund am Mikrofon vorbei und simuliert rasende Pkw. Dazu Motorräder, Pferde, ja auch Pferde, Hubschrauber - ein Bausch aus Geräuschen breitet sich aus. Sie sind zu decodieren, zumal Martin O. pantomimisch nachhilft.

Sein Klang-Rätsel ist jedoch nicht zu entschlüsseln. Moskitos oder Wale? Die Antworten amüsieren den Künstler schon ein wenig. Er weiß es ja besser. Na, was ist es? "Eine Autobahn in 20 Jahren... nur Elektromobile", sagt er und macht den echten Porschemotor. Satt, dröhnend. Im Vergleich noch mal die Elektro-Version. Einfach nur ein mickriges Sirren.

Wie kommt man bloß auf solche Ideen und zum Geräuschemachen? Martin O. hat's von seiner Großmutter, genauso wie die Hör-Geschichten. Sagt's und legt los: Mit "Sssssss...pffffff...Bad Harzburg... dingdongdinge..." füttert er die Loop-Machine. Fängt an, zu pantomimen: Klänge und Körperspiel werden eine Szene. Wie faszinierend. Martin O. ist tatsächlich ein Präzisions-Mundwerk, -Mime und -Musiker. Und er ist nett, sympathisch, aufmerksam, spritzig-witzig. Mit Gast Ingeburg singt er ein spontanes, ein improvisiertes Tonfolge-Duett - und ist von ihr ganz angetan. Seinen Händen lässt er Gelegenheit zu einem Gesangs-Duett und seinem Schatten gibt er ein Streichkonzert.

Das reicht den Gästen im Schloss so gar nicht. Mehr und mehr wollen sie von Martin O. "Soll i noch oins moch'n?" Ja, doch. Und der Mann jodelt, lässt ein letztes Mal raten. "Platsch...klatsch...muuuhhh". Ah, eine Kuhherde. Kurz nach 22.30 Uhr geht der Töneformer ab. Leider.

Martin O. ; Foto: Angela Potthast

Ein Präzisions-Mundwerk, das hat er, das ist er: Martin O. singt, spielt Geige, die Loop-Maschine (re.) und erzählt Geschichten.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 12.03.2012

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