Helge & das Udo:

Gelächter bis der Bauch weh tat

Kulturklub präsentierte Comedy-Duo "Helge und das Udo" im Bündheimer Schloss

Samstagabend: Das voll besetzte Bündheimer Schloss barst einmal wieder schier vom Gelächter seiner Besucher. Schuld waren "Helge und das Udo", zwei professionelle Theaterschauspieler, Dichter und Komödianten aus Tübingen, die viele und überraschende Register ihres Könnens zu ziehen verstanden. "Bis einer heult" heißt ihr aktuelles Programm.

"Wenn der erste hier heult, dann ist unser Programm zu Ende", kündigte Helge Thun am Angang an, "und der andere hat dann gewonnen." Also versuchte er, Bühnenpartner Udo Zepezauer ordentlich zu ärgern, welcher wiederum den als Spieß verkleideten Besenstiel umkehrte.

Das Duo startete mit findigem Improvisationstheater auf Kisuaheli. In Tanz, Gesang und mit Simultanübersetzung wurde die Geschichte eines Zuschauers erzählt, der als Klavierbauer auf Tauchgang, ein SOS-Piano aus Quallen zusammenlötet. Ein Höhepunkt an Ulk und Aktion gleich zu Anfang.

Mit Wortspiel und Magie ging es weiter. Helge Thun, auch als Zauberer erfolgreich, zog große Karten aus dem Ärmel, Udo sollte die richtige Karte mit einer Pistole herausschießen. Er schoss daneben und Tontechniker Michael starb den komischsten Bühnentot, den Bündheim je gesehen hat. Das Publikum unterdessen litt an Schnappatmung und kam auch in der folgenden Nummer nicht zur Lachpause. Denn nun ging es um "das" Udo als Tier. Helge versuchte Udo zu bändigen, der sich stetig verwandelte - zum Seelöwen, Meerschweinchen, Schimpansen, Maulwurf und - unvergesslich - zur Schildkröte. "Herrlich, herrlich", keuchte ein Zuschauer, "man, sind die gut!"

In etwas ruhigeres Fahrwasser kam der Abend mit der gereimten Nibelungensage als Poetry-Slam-Variante, mit Schwert, Perücken und Wortwitz dargebracht. "Ich will nicht mehr die blöden Nibelungen spielen", rief Helge zwischendurch. "Dann heul doch", schlug Udo vor. "Nein!" Zum Glück, denn sonst wäre das Programm zu Ende gewesen.

Das ging sehr süß weiter mit der Suche nach Biene Maja. Der lange Helge war Flipp der Grashüpfer und der kleine Udo war Willi wie er leibt und lebt: "Maja, wo bicht du bloth hin?"

Ein eskalierender Deutschlandfunk-Sketch setzte einen Kontrastpunkt zum bunten Treiben, das schließlich auf die Geschichte der Geschichten zusteuerte: Das Krippenspiel. Die beiden brachten es dar als Rap-Musical mit Udo-Spezial-Gesangseinlagen, schwäbelndem Herbergsvater, einem Engel, der den Text vergessen hat, Caspar und Melchior, von Weihrauch und Myrrhe bekifft, und Balthasar, der aus Versehen einem anderen Stern folgt und in Sindelfingen landet.

Zugabe! Nahezu das gesamte Publikum erhob sich von den Plätzen, applaudierte stehend. Helge Thun und Udo Zepezauer haben restlos begeistert mit Ideenreichtum, Schauspielkunst, Wortspielen und Zauberei, Schabernack und Mummenschanz, mit Humbug und Verstand. Zum Finale gab den "Wilhelm Tell" in drei Minuten. Der Schuss auf den Apfel wurde zum bleibenden Trauma: "Darum fängt heut ein Schweizer Mann beim Apfelsaft zu heulen an." "Huäh!" - plärrten beide, und zu Ende war prompt der lustige Abend.

Helge & das Udo ; Foto: Anke Reimann

Udo (links) als Stockentenmännchen auf der Balz gen Publikum unterwegs, wird von Helge kurz vor der Paarung zurückgepfiffen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 30.01.2012

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