Ausbilder Schmidt:

Retter der Männlichkeit im roten Badeanzug

Ausbilder Schmidt zieht großes Publikum ins Bündheimer Schloss - Die bösesten Sprüche aus den vergangenen zehn Jahren

Ob es ihm passt oder nicht - die Männer lieben ihn. Am Samstag war er zum zweiten Mal beim Kulturklub in Bad Harzburg zu Gast: Ausbilder Schmidt. In Scharen strömte das zu zwei Dritteln männliche Publikum ins restlos ausverkaufte Bündheimer Schloss, um ein Bierchen zu trinken, Testosteron zu schwitzen und dem Ausbilder ihr "Guten Morgen, Chef!" entgegen zu schmettern.

Vor zehn Jahren hat der Schauspieler Holger Müller seine Figur des schrulligen Bundeswehr-Ausbilders Schmidt in der etwas zu knappen Uniform erschaffen. Nun feiert er Jubiläum mit "Happy Birthday du Lusche", ein Programm, in dem er seine besten Erinnerungen aus Ausbilder-Zeiten präsentiert.

Wieder war er mit seinem Panzer angereist: "Der hat 'ne Echtholztanne als Duftbäumchen!!!" Und wenn Stau ist, "dann fahr ich drüber!!!" Sein Publikum freute sich über jeden Gag, ob groß, ob klein, nichts war so subtil, dass etwas unklar gewesen wäre. "Der Papst ist der erste Deutsche, der einem Polen den Job weggenommen hat!!!" Fröhlich brüllte der Ausbilder seine Pointen und rundete sie mit seinem berühmten Hyänengrinsen ab. Eher kurz kamen diesmal seine Parodien - Lindenberg, Grönemeyer, Maffay und Kinski hatten diesmal leider nur Kurzauftritte als "Luschen de Luxe"-Rekruten.

Die bösesten Sprüche aus den letzten zehn Jahren führten durch viele Themen, in denen Ausbilders Sohn Ruck Zuck wieder auftauchte oder er endlich mal eine Sitzordnung in der Sauna herstellt: "Die Alten und Schwachen nach oben!!!"

Mit einer Titanic-Parodie verabschiedete er sich in die Pause. Im Hintergrund die Filmmusik. "Bei der Musik fängst du als Mann an zu menstruieren!!!" Ein Ausbilder erfriert nicht im Eismeer. Den holt ein russisches U-Boot ab. Und ein Ausbilder kann es sich leisten, im roten Badeanzug auf der Bühne zu erscheinen und immer noch ein haariger Kerl zu sein. Kreischfaktor wie beim "Weißen Hai".

Dann ging es weiter mit Gratis-Anschiss-Angeboten und Sprüchen, die Zuschauer auf Zettel notiert hatten. Ausbilder und Publikum führten einen unterhaltsamen Dialog auf Augenhöhe. Aber ach, die Wehrpflicht ist ausgesetzt, das verursachte Endzeitstimmung. Der Ausbilder suchte nach Nebenjobs für die Ausbildervorsorge. "Tierpfleger ist ein guter Job. Man nimmt eine Schlange, steckt ihr einen Schwamm ins Maul und kann damit prima sein Panzerrohr reinigen!!!" Statt Rekruten machte er nun Wellensittiche fertig. Und sah sich schon mal im Altenheim um, wo er Tabasco in die Kochsalzlösungen kippte. "Da warn das wieder Scharfschützen!!!" Wieder eroberte er mit einer Rentnerarmee "GSG 99" Holland. "Als Hundertjähriger bin ich vollgestopft mit Chemie. Wenn die auf mich schießen, dann brenn ich drei Tage!!!"

Zum Schluss jedoch trug er seinen Panzer zu Grabe, mit dem er immer so schön Wohnwagendippen in Holland gespielt hat. Er sang ihm Lieder und ließ ihn als aufgeblasenen Gummi-Panzer samt Rohr wieder auferstehen. Herzlich geröhrt und geprustet hat sein Publikum, und es versammelte sich nach der Show in dicken Trauben um den Ausbilder - für Autogramme, T-Shirts oder gemeinsame Fotos.

Ausbilder Schmidt ; Foto: Anke Reimann

Bringt mit kernigen Sprüchen sein Publikum zum Lachen: Ausbilder Schmidt hat einen aufblasbaren Panzer mit ins Bündheimer Schloss gebracht.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 13.02.2012

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