Heino Trusheim:

Schlaue Gags im netten Plauderton

Der Kabarettist Heino Trusheim unterhält das Bad Harzburger Kulturklubpublikum

Wer zu einem Kabarett-Abend mit Heino Trusheim geht, darf auf eins nicht hoffen: Scheppernde Pointen der Kategorie "Boah, ey, Hammer!", bei denen man sich brüllend auf die Schenkel klopft. Diese Art des Humors überlässt der Mann anderen. Gut so, denn das ist nicht jedermanns Geschmack. Trusheim präsentierte dem Bad Harzburger Kulturklub-Publikum am Samstag den wesentlich klügeren Humor. Der freundlicher ist. Aber dennoch böse sein kann …

Das Problemviertel

Trusheim stellt sich auf die Bühne und plaudert. Das wirkt so locker und leicht, dass man meint, es wäre spontan. Ist es zum Teil auch. Beispielsweise gleich zu Beginn der Part über Bad Harzburg. Nun gut, er kennt die Stadt, zweimal war er schon auf Einladung des Kulturklubs hier. Aber jetzt gibt es ja diese Baustelle und als er vom Bahnhof abgeholt wurde, war auch noch am Marktkauf ein Stau und da musste man über den Breitenberg fahren und das scheint ja so etwas wie das Problemviertel der Stadt zu sein. Stimmt natürlich nicht, im Gegenteil, aber auch das weiß Trusheim. Doch die Besucher freuen sich natürlich über den Gag, der Typ da oben kennt sich aus bei ihnen zu Haus. Schon ist man irgendwie miteinander vertraut.

Wie gesagt: Pointen mit Schenkelklopf-Garantie gibt's nicht. Vielmehr Gags, die sich in Trusheims locker-freundlichen Monolog wie zufällig einzuschleichen scheinen. Zum Beispiel die Tatsache, dass Frauen viel umständlicher sind als Männer. Das ist fast schon genetisch bedingt. Der Mann hat früher das Mammut gejagt. Ein Speer - Ende aus. Die Frau sammelte Beeren. Stundenlang. Da wird man halt so.

Überhaupt: Das Zusammenleben von Mann und Frau. Neulich zum Beispiel, als seine Frau die Spülmaschine ausräumte - beziehungsweise umräumte, was er eingeräumt hatte… Das sind Trusheim-Pointen. Sie kommen einfach so daher. Ins nette Geplauder eingebaut. Und das funktioniert bei ihm für alle Themenbereiche. Zum Beispiel Hunde: Ganz treue Seelen, lieben ihr Herrchen, auch wenn der ein fauler Vollidiot ist. Und die freuen sich ja auch über alles. "Ein Baum, ein Baum! Toll!" Zack, wird das Bein gehoben. Warum? Der Hund markiert. Das ist "sein Baum". Und der nächste auch. Der Autoreifen da auch … Ergo: Der geht nicht Gassi, sondern shoppen …

Lieblingsbeschäftigung

Jetzt überlegt man natürlich, wie das wäre, wenn Menschen auch so einkaufen würden, wie es die Natur bei Tieren vorgesehen hat. Dabei macht pinkeln doch eigentlich Spaß, oder? Trusheim jedenfalls zählt es zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Er habe noch nie vor dem Urinal gestanden und gesagt: "Mensch, ich habe eigentlich gar keine Lust …"


Spaß macht ihm auch das Bahnfahren. Manchmal. Natürlich nicht, wenn die Zugbegleiter nervig sind und dumme Fragen stellen: "Ist das Ihr Koffer, da über ihrem Kopf?" "Nein, der gehört dem Typen mit dem Koran und dem Bart, aber der ist schon längst ausgestiegen.

Schau an: Der freundliche Plauderer kann richtig böse werden. Auch mal unkorrekt: Vergewaltigung von Männern? Gibt es so gut wie gar nicht. Warum? "Hey, du, ich falle jetzt mit meinen zwei Freundinnen über dich her!" - "Na, Halleluja!" Als Gag an sich ist das böse bis inakzeptabel. Aber da Trusheim alles - auch die fiesen und eigentlich miesen Pointen - freundlich einbaut, wirkt der Humor in seiner Gesamtheit.

Heino Trusheim ; Foto: Holger Schlegel

Zum dritten Mal auf der Kulturklubbühne: Heino Trusheim.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 13.09.2011

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