Suche impotenten Mann fürs Leben:

Frivoles frisch-frech rübergebracht

Volles Haus der Bühne Bad Harzburg beim Stück "Suche impotenten Mann..."

Ein guter Gedanke, aber auch tatsächlich umsetzbar: Funktioniert ein Paar-Leben ohne Sex? In "Suche impotenten Mann fürs Leben", das als Theaterversion am Donnerstagabend im Bad Harzburger Kursaal aufgeführt wurde, konnte die Frage beantwortet werden. Die trieb offensichtlich so einige um: Ein nahezu volles Haus konnte die Bühne Bad Harzburg als Veranstalter verbuchen.

Nun gut, viele, die sich das Stück anschauten, kennen bestimmt das Buch, dem es zugrunde liegt. Der von Gaby Hauptmann geschriebene gleichnamige Frauenroman, der ein Bestseller wurde. Auf der Bühne setzten es am Donnerstag vier Schauspieler um, die mit dem Publikum spielten ("Schön, dass Sie alle noch da sind."), die einen technischen Lapsus meisterten (Musik brach in einen Dialog ein), dafür Zusatz-Applaus ernteten, und die das Frivole darstellten, ohne ins Alberne (der Striptease von Peter, die rhythmischen Bewegungen von David nach dem Potenz-Menü) abzurutschen.

Die Kursaal-Gäste hatten zu lachen, im zweiten Teil noch mehr als im ersten. Und sie beklatschten zwischendurch besonders gelungene Szenen und Wortwechsel der Darsteller. Zur Frische ihres Spiels kam die Veränderbarkeit der Kulisse angepasst an die Szenen: Mal wurde hinter der Schiebetür gekocht, mal saßen dort Briefe-Vorleser, mal wurde ein Wand-Element zur Café-Werbetafel, mal zum Hinweisschild "Achtung Wildwechsel".

Und zur Frische des Spiels sowie zur Veränderbarkeit der Kulisse kam obendrein die Art des Erzählens: Jetzt-Erzählung wechselte Rückblende ab, Rückblende die Jetzt-Erzählung.

Carmen, die superattraktive Mittdreißigerin (Dominique Siassia), hat genug von den potenten Männern. Von denen, deren Leben eben nur aus Matratzen-Akrobatik besteht. Freund Peter (Tim Niebuhr) wird gefeuert, eine Anzeige aufgegeben: Die Suche nach 'nem impotenten und zugleich intelligenten Lebens-Gefährten beginnt. Carmen stolpert über zwei Aspiranten, die ihren Erwartungen alles andere als gerecht werden, während sie von Architekt David (Jens Knospe) ins Visier genommen wird. Über ein Gedicht - "Rilke geht immer" - gelingt ihm die Kontakt-Aufnahme zu Carmen. Einen Bewerber nimmt ihr sogar ihre beste Freundin Laura (Sabine Menne) ab: Frederic (wieder Tim Niebuhr). Liebe kommt auf - bei beiden Paaren - und der Wunsch nach mehr - bei beiden Frauen. Das Leben ohne Sex finden sie nicht ganz so rund. Dumm gelaufen? Ein Lust förderndes Menü mit Pimpernelle und Liebstöckel bringt alles ins Lot -"Love to love you baby". Lang anhaltender End-Applaus für die Vier auf der Bühne.

Foto: Angela Potthast

"Love to love you baby" - am Ende ist das Leben ohne Sex wohl doch nicht das Wahre. Sabine Menne, Tim Niebuhr, Dominique Siassia und Jens Knospe (v.li.) zeigen das in ihrem Stück.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Sa., 23.04.2011

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