Die entfernte Stimme:

Der Trauer soll man sich stellen

Etwa 350 Gäste sahen einen stillen und bewegenden Zweiakter auf der "Bühne Bad Harzburg": "Die entfernte Stimme", ein Schauspiel von David Lindsay-Abaire.

Hauptakteur ist ein gut situiertes Paar, das um sein totes Kind trauert, die schlimmste Tragödie, die es überhaupt gibt. Klaviermusik zwischen den Szenen verlieh dem Stück die nötige Melancholie.

Becca, überzeugend gespielt von Susanne Uhlen, und ihr Mann Howie (Carsten Klemm) haben ihren Sohn Danny durch einen Autounfall verloren. Trotz allem leben die beiden ihren Alltag weiter, und es herrscht zuweilen sogar Heiterkeit.

Beccas flippige Schwester Izzi (Kristina Walter) erwartet Anteilnahme für ihre Schwangerschaft. Mutter Nat (Sabine Selle) hilft beim Ausrichten von Izzis Geburtstag. Eine fröhliche Stimmung, die bei Mutters Geschenk, einem Gutschein fürs Storchennest, jedoch jäh kippt.

Der vermeintlich stärkere Howie mit seinen guten Ratschlägen trauert auf seine Weise, indem er immer wieder das letzte Video mit Sohn Danny sieht.

Eindrucksvoll spielt Stefan Rosenthal seine Rolle als Jason, der aus der Ferne den Text seines Entschuldigungsbriefes an Becca spricht. Er war es, der Danny einst überfahren hat. Becca trifft sich mit Jason, der erzählt den Unfallhergang stockend. Dass er wahrscheinlich zu schnell gefahren sei und er den Jungen nicht überfahren wollte. Zögernd nimmt Becca die Entschuldigung an , beginnt eine Unterhaltung mit Jason. Fragt nach seinen Plänen. Sogar Zitronenschnitten hat sie ihm gebacken.

Voller Trost steckt Jasons Fantasie-Geschichte, die er geschrieben und dem toten Jungen gewidmet hat. Auch sie handelt von einem Kind, aber einem aus einer anderen Welt, einem Paralleluniversum. Und so schlussfolgert er: "Irgendwo da draußen steht eine zweite Becca und backt Zitronenschnitten."

Zum ersten Mal sieht man Becca lächeln. Dort, in der Parallelwelt, ist sie ja womöglich glücklich. Der Bann ist gebrochen, plötzlich ist Howie seine Selbsthilfegruppe nicht mehr wichtig, und man hat es mit dem Verkauf des Hauses nicht mehr eilig. Fazit: Auslöschen der Erinnerung nützt nichts, jeder muss Trauer annehmen und auf seine Art ausleben. Das Publikum applaudierte anhaltend.

Die entfernte Stimme ; Foto: Dagmar Hoffmann

Das Ensemble eines bewegenden Stückes (v. l.): Stefan Rosenthal als Jason, Kristina Walter als Izzi, Susanne Uhlen als Becca, Carstebn Klemm als Howie und Sabine Selle als Nat.

Foto und Artikel: Dagmer Hoffmann, Goslarsche Zeitung von Sa., 12.11.2011

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