Schlagerraketen:

Reise durch die Welt der Erinnerung

Bühne Bad Harzburg präsentiert die „Schlagerraketen“ der Familie Malente im Kurhaussaal

Zum wiederholten Male feierte das Hamburger Theaterprojekt „Familie Malente“ einen großen Erfolg auf der Kursaalbühne in Bad Harzburg. Restlos ausverkauft war der Zuschauerraum am Freitagabend. Das Publikum strömte herbei, um die „Schlagerraketen“ der 50er und 60er Jahre zu erleben. Gewohnt professionell präsentierten sich die Schauspieler Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg alias Peter und Vico Malente gemeinsam mit ihren Co-Stars Christin Deuker und Christina Schulz. Letztere ist neu im Team und verzauberte mit jugendlichem Charme.

Wirtschaftswunderzeit

In bunten Kostümen ließ das Quartett die Wirtschaftswunderzeit mit ihren neuen Errungenschaften wie Nylonstrümpfen, Büstenhaltern und Ariel-Waschkraft wieder aufleben. Zwischen kleinen Sketchklassikern von Peter Frankenfeld und Didi Hallervorden wurden die alten Weisen und Slogans auf ein Neues lebendig: „Souvenirs, Souvenirs“ „Komm ein bisschen mit nach Italien“, Connie Francis‘ „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“, die Filmpremiere von „Der Förster im Silberwald“ und „Habe die Ehre, habe die Masern“ – Sprüche von Heinz Erhardt und anderen Publikumslieblingen der damaligen Zeit garnierten das Programm.

Dass viele der Witzchen einen langen Bart haben, gehörte wohl ebenfalls dazu. Die Zuschauer amüsierten sich sehr ob manch slapstikhaft vorgetragener Parodie, jubelten über kleine Anzüglichkeiten und schräge Kostümierungen. Und weiter ging die Schlagerreise mit „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“ und Rock’n Roll der ersten Stunde. Jubel im Publikum, Freudenpfiffe.

Nach der Partnersuche in Schlagern, kam die Ehezeit mit „Wir wollen niemals auseinander geh’n“ und die ersten Babys mit „La Le Lu“, dann der Seitensprung in der „Hai Hai Hai Hai Haifischbar“ und Sehnsucht mit „Ein Schiff wird kommen“ und so weiter von Hamburg („… hats uns angetan“) bis Mexiko mit „Zwei Apfelsinen im Haar“. Ein Streiflicht fiel – „Obladi Oblada“ – auch auf die Beatles, um über Michael Holms „Mendocino“ und Heintjes „Maaaama“, Mireille Mathieu und die Jacob Sisters mit „Adelbert, schenk mir einen Gartenzwerg“ zum Finale zu gelangen, das mit kraftvollem Satzgesang noch einmal die gesanglichen Stärken der Akteure unterstrich. Es folgte begeisterter Applaus und der Ruf nach Zugaben, die gerne gewährt wurden. So sprach die Reaktion im Zuschauerraum für sich, und doch – das Ganze war wie das Betrachten eines Albums, prall gefüllt mit alten Urlaubsbildern.

Ohne Überraschungen

Derjenige, der damals mit dabei war, der diese Zeiten selbst miterlebthat, schwelgt beim Ansehen der Bilder in unbeschwerten Erinnerungen, die wiederum andere Erinnerungen wecken, welche ihn ganz ausfüllen. Doch der andere Betrachter, der damals nicht mit dabei war, dem erscheint dies alles schnell ein wenig trivial und nichtssagend.

Bald ist er genervt von den immer lächelnden Gesichtern und der aufgesetzten Gestik gestellter Posen, vom immer gleichen Format der Bilder, die ganz und gar überraschungsfrei präsentiert werden. Dieser unbeteiligte Betrachter ist am Ende froh, wenn das Album endlich zugeklappt wird.

Familie Malente ; Foto: Anke Reimann

Immer fröhlich (von links): Peter Malente, Christin Deuker, Christina Schulz und Vico Malente lassen den Charme der Wirtschaftswunderzeit musikalisch wieder aufleben.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 17.10.2011

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