Philipp Scharri:

Wortkünstler kämpft mit Stich- und Schlagworten

Philipp "Scharri" Scharrenberg mit seinem Programm "Der Klügere gibt Nachhilfe" zu Gast im Bündheimer Schloss

Den Münchener Wortkünstler Philipp Scharri auf dem Spielplatz der Sprache zu erleben, führt zu ganz ungeahnten Eindrücken. Nicht ganz so stark besucht wie sonst war die anspruchsvolle Veranstaltung des Kulturklubs am Freitagabend im Bündheimer Schloss, umso stärker jedoch war der Eindruck, den der 35-jährige Poet bei den etwa 150 Zuschauern hinterließ. "Der Klügere gibt Nachhilfe" heißt sein Programm. Es folgte eine lebhafte Ein-Mann-Show mit vollem Stimm- und Körpereinsatz, quirlig, schnell, klug.

"Die Sprache ist ein Wertstoff", schwärmte Scharri, "man kann so viel damit machen!" Und er spielte und trug das "Duell der Dichter" vor, in dem mit Stich- und Schlagworten gekämpft wurde, bis die Gesprächsfetzen flogen, wo aus Sprachrohren Pointen abgefeuert wurden und leere Worthülsen zu Boden fielen, bis ein ironischer Bruch am Versfuß den Gegner zu Fall brachte. Grandiose Ideen, blitzartige Gedanken, groteske Schönheiten stapelten sich dicht auf dicht in Scharris Texten. All dies zu erfassen, zu entschlüsseln und zu begreifen war den Zuschauern Aufgabe und Genuss zugleich. Das Mitdenken wurde mit herrlichen Pointen belohnt.

"Ich habe mal Philosophie studiert", schnarrte Scharri mit Geisteswissenschaftlerstimme. Seine Showeinlage "Kochen mit Kant" war ein Ausflug in die Welt der Philosophen, besprochen mit kulinarischem Vokabular: "Schmeckt auch ein Huhn, wenn es keiner probiert?" Der Solokünstler glänzte mit Dialekten, Posen und akrobatischer Mimik. Er spielte Klavier und sang. Er brachte Ordnung in die Begriffswelt des Beziehungslebens und beschrieb die drei Aggregatzustände des Mannes mit "polygam, monogam, bräutigam".

Beeindruckend war auch der Exkurs in einen bekannten Sandwich-Laden mit großer Auswahl an möglichen Brotbelägen. "Was bekomme ich denn da? Ein Rumpelsandwich: Ach wie gut, dass niemand weiß, was auf mir liegt, der in mich beißt?" Ein Thema, das Scharri über die Grenzen der Comedy hinaus zu einigen sehr treffenden Aussagen führte: "Wir haben ständig die Wahl, nur eine haben wir nicht, nämlich ob wir die Wahl überhaupt haben wollen." Daher rühre ja auch die Wahlmüdigkeit der Leute. Und überhaupt: "Bloß weil man ständig wählen kann, heißt das noch nicht, dass man auch bekommt, was man haben möchte." Intelligenten Humor bot der Poet und Worte voller Schabernack. "Mähdrescher, das ist so ein Typ, der Schafe verprügelt" sprach er, um sich an der hellen Freude seines Publikums selbst zu erfreuen und dann das Ganze wieder zu erden mit dem "traurigen Gedicht von dem Verb, das ein Nomen sein wollte". Dieses Prachtstück von Lyrik endete in etwa so: Nur in einer Welt, "in der die Retourkutschen über Wortfelder fahren, und Reime sich zärtlich umarmen und paaren, wo nackte Fakten zum Sprech-Akt posieren, wo Lautmaler auf ihre Einwände schmieren, wo Ratschläge Rad schlagen und Sprechpausen schweigen, wo Kraftausdrücke Majuskeln zeigenů." - nur dort kann sich ein pubertierendes, unzufriedenes junges Wort voller widerstreitender Gefühle glücklich und frei fühlen: im Land der Poesie. Ein Land, in dem sich Scharri sichtlich wohlfühlt und das er mit seinem Witz, seiner Sprachenergie, seinen Wortneuschöpfungen und der Leichtfüßigkeit seiner Verse bereichert.

Philipp Scharri ; Foto: Anke Reimann

Wortkünstler Philipp Scharri bringt Ordnung auch in die Begriffswelt des Beziehungslebens.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 23.05.2011

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