['pro:c-dur]:

Eine neue Hummel für Rimski-Korsakow

Kulturklub präsentierte "´pro:c-dur" Musikkabarett mit Klavier und E-Gitarre im Schloss

Klassik versus Rock'n Roll - sind dies Gegensätze oder geht auch beides zusammen? Dieser Frage widmete sich das Duo "´pro:c-dur" am Freitagabend im Bündheimer Schloss. Die Musiker hinter dem schönen Wortspiel "´pro:c-dur" sind Klassik-Virtuose Timm Beckmann aus Essen am Klavier und Meister-Rocker Tobias Janssen aus Mönchengladbach an der E-Gitarre, beide mit Hochschulabschluss an ihren Instrumenten. Gemeinsam luden sie ihr Publikum zu einer abenteuerlichen Expedition durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte ein. Die Fundstücke von Barock bis Heavy Metal warfen sie in einen großen Topf und kochten daraus ihr unterhaltsam-informatives Musikkabarett "Wir geben Alles - gelacht wird nicht!". Wobei Tobias seine Enttäuschung über Ignoranz aller klassischen Komponisten gegenüber "dem wundervollen Instrument E-Gitarre" nicht verbergen konnte. "Das prangern wir an!"

Munter kreuzten sie Bachs Präludium c-moll mit "Are You gonna go my way" von Lenny Kravitz, Mozart mit Lady Gaga, Van Halen mit Carl Orff. Sie machten Chopins Revolutionsetüde Chart-tauglich mit Keyboard-Soundmaschine und "Hyper! Hyper!" Sie erfanden auch den "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow neu. Es wurde ein grandioses Musikstück: Der "Hummelflug" auf E-Gitarre! Janssens Finger flogen über die Saiten - doch hier klang der Flug der Hummel wie der Start eines schweren Hubschraubers, es war zu hören, wie die große, dicke Hummel in die Luft hinauf wirbelte, und manchmal wieder absackte, wie sie ein paar Mücken umkreiste und den Bienen eine Grimasse schnitt, wie sie vom Blütenstaub beschwipst in Swing verfiel und schließlich mit einem "Plumps" einen Volltreffer beim Publikum landete. Eine solche Hummel ward noch nie gesehen, ein Höhepunkt des Abends. Die Botschaft war: "Es ist völlig egal, wo die Musik herkommt, sie muss einfach nur mitreißend sein."

In den zweiten Teil des Programmes mischten die beiden Musiker zu Wort- und Klangparodien noch eine Portion Klamauk mit großen Perücken, Tanzeinlagen und gelbem Sonnenkostüm. Dies war Geschmackssache. Mancher wünschte sich vielleicht etwas weniger Worte, dafür mehr Musik, weil die musikalischen Beträge so ideenreich und mitreißend waren und viel stärkeren Eindruck machten als der eine oder andere, nicht mal besonders gute Witz über Franz Liszt oder Ozzy Osbourne. Schön war wieder die Entdeckung der Klassik in der Werbung: "Zarathustra von Richard Strauss hören und Bier schmecken!". Teufelsgeiger Paganinis "Caprice Nr. 5" auf E-Gitarre zu hören, war aufregend, "der Mond ist aufgegangen" als Abschluss wieder abregend. Begeistert applaudierte das Publikum dem Klassik-Entstauber-Team "´pro:c-dur" zur gelungenen Mission, die einige rhetorische Längen hatte, aber auch viel Verblüffendes und großes musikalisches Können bot.

['pro:c-dur] ; Foto: Anke Reimann

Timm Beckmann am Keyboard und Tobias Janssen: Die Revolutionsetüde von Chopin mal anders.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 16.05.2011

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