Neujahrskonzert:

Ohne Strauß beginnt ein Jahr nur halb so schön

600 Besucher erleben das Staatsorchester Braunschweig beim 19. Neujahrskonzert im Kursaal bestens aufgelegt

Nun hat das neue Jahr endgültig für alle begonnen. Für die Bad Harzburger Kulturfreunde ist das nämlich erst immer dann der Fall, wenn sie ihr Neujahrskonzert mit dem Staatsorchester Braunschweig goutieren konnten. Am Mittwoch schwelgten 600 Besucher zweieinhalb Stunden lang mit dem Orchester, seinem Dirigenten Franz Josef Breznik und den Solisten Ekaterina Kudryavtseva (Sopran) und Thomas Blondelle (Tenor) in schönster Walzerseligkeit.

Zum 19. Mal hatte der Kulturklub das Orchester aus der Löwenstadt eingeladen und zum 17. Mal war die Veranstaltung ausverkauft. Kein Wunder, konnte doch das Thema für solch einen Anlass klassischer nicht sein: „Eine Nacht in Venedig“ oder, eher als inoffizieller Titel zu verstehen: „Strauß – einmal rauf und einmal runter“.

Franz Josef Breznik hatte für das Programm 2011 jedoch nicht die Ohrwürmer der Komponistenfamilie ausgewählt, denn auch wenn „viel Strauß“ einfach in so ein Konzert gehört, muss es ja nun wirklich nicht immer gleich nur an der schönen blauen Donau hinauf und hinunter gehen. Stattdessen: Venedig. Paris. Wien – Städte der Liebe.

Viele Stammkunden

Breznik erwies sich als charmanter Reiseleiter, sowohl was die Musik anbelangte, als auch fürs „Rahmenprogramm“. Er plauderte sich fast schon als guter Freund des Hauses durch den Abend. Kein Wunder, „ich erkenne die meisten von ihnen vom vergangenen Jahr wieder“, freute sich Breznik. Und in der Tat: Das Gros der Neujahrskonzertbesucher sind „Stammkunden“.

Sie bummelten gemeinsam durch die „Nacht in Venedig“, träumten von den „Rosen aus dem Süden“ und berauschten sich alle an der prickelnden „Champagner Polka“ (inklusive knallenden Korken). Das Orchester spielte sich souverän und routiniert durch diese Walzer und Polkas, ohne aber Spielfreude und Herz vermissen zu lassen.

Brezniks würzte und versüßte die Musik mit seiner Conference. Er plauderte über die Komponisten (wer hätte gewusst, dass Josef Strauß, Bruder von Johann senior, auch Erfinder war und zwei Straßenkehrmaschinen konstruierte?). Er plauderte über die Musik und über die Liebe, die sich natürlich wie ein roter Faden durch ein Neujahrskonzert zieht. Das Ganze mit Schmäh und Charme und Augenzwinkern, manchmal sogar ein wenig Frivolität – ein Österreicher, wie er im Buche steht.

Solisten verzaubern

Das Häubchen Schlagobers auf das Konzert setzten die Solisten Ekaterina Kudryavtseva und Thomas Blondelle, der kurzfristig für den erkrankten Mark Adler eingesprungen war. Der Tenor der Deutschen Oper Berlin schmetterte sich kraftvoll und mit Schauspieltalent durch seine Partien, besonders das fanfarenhafte „Freunde, das Leben ist lebenswert“ aus Lehárs „Giuditta“ ging durch Mark und Bein.

Die St. Petersburger Sopranistin Kudryavtseva versprühte Charme und verzauberte besonders im Solo aus Roméo und Julia („Ah, je veux vivre“). Beide zusammen sorgten im Duett „So sind wir endlich denn allein…“ für den wohlklingenden Schlussakkord des eigentlichen Programms.

Aber natürlich wollte das Publikum mehr. Breznik hatte Zugaben bei entsprechendem Applaus bereits versprochen. Der Applaus war entsprechend, die Zugaben kamen. Natürlich schaukelte man dann doch noch auf der Donau, ganz ohne geht es nicht. Genauso wenig wie ohne die Zugabe schlechthin: den Radezky-Marsch, inklusive Mitklatschen. Nun hat das neue Jahr endgültig für alle begonnen.

Foto: Holger Schlegel

Und alle gemeinsam: Mitklatschen ist beim Radetzky-Marsch nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.

Foto: Holger Schlegel

Franz Josef Breznik schwingt den Taktstock, und die Solisten bezaubern im Duett aus „La Traviata“: Ekaterina Kudryavtseva und Thomas Blondelle.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Fr., 07.01.2011

Weitere Fotos zur Veranstaltung finden Sie auf unserer Facebook-Seite

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