High Five:

Von Schnuppsliwups bis Acapellypse

Kulturklub präsentiert die A-capella-Neuentdeckung High Five – Texte voller Poesie und Schabernack

Das Mittelalter hätte sie gepriesen als jugendliche Meister der Minne mit holdem Antlitz. Und die Burgfräulein hätten ihnen scharenweise zu Füßen gelegen. Am Samstagabend war es die Bühne im Bündheimer Schloß und der Fräulein waren einige unter den etwa 150 Zuschauern zu finden.

Mit der A-cappella-Gruppe High Five hatte der Kulturklub seine bisher jüngsten Künstler eingeladen. Gerade zwanzig geworden: Lukas Luem und Ulrich Stoll. Die anderen nur ein, zwei Jahre älter: Hannes Herrmann, Sebastian Hug und Jannis Kirchner.

Diese Fünf spielen mit in der Liga der Profis – sympathisch und das auf eine ganz natürliche, unaufgesetzte Art, die auf großem Können basiert. Die Herzen des Publikums flogen ihnen zu. Da war zunächst der satte Sound aus beatboxend imitiertem Schlagzeug und Hannes volltönender Bassstimme, darüber die hell tönenden Harmonien in abwechslungsreichen, vor Ideen nur so sprudelnden Arrangements. Und gekrönt war das Ganze von Ulrich Stolls Texten, die allesamt hörenswert waren – voller Poesie und Schabernack. Und als ob dies nicht genügt, sehen alle dabei auch noch sehr, sehr gut aus… und können tanzen. Auch wenn Sebastian behauptete, es nicht zu können.

Der neue Mann

Sie sangen vom neuen Mann im Schönheitswahn, der sich mit Po-Implantaten und Ganzkörperepilation verwöhnt, von schnuppsliwupselnden-schnuffibärsäuselnden Liebespärchen, davon, dass sie gern Hippies wären, sie bestärkten Jannis darin, „sprachlich eine echte Konifere zu sein“, und am Ende forderten sie die Acapellypse: „Dass jedes Instrument verklinge und die Menschheit nur noch singe“, das hatte – samt irrem Blick – etwas Rammsteinartiges.

So viel Kraft zu entfalten war schon grandios. Die Fünf imitierten Sounds, mit denen keiner im Saal gerechnet hat: das Elektro-Gewummer der House-Musik beim „Gisela“-Lied und der Rap-Kracher „Halt die Luft an“ waren weitere akustische Höhepunkte. In Kontrast dazu setzten die Jungs einige wunderschöne poetische Lieder wie: „So riecht der Sommer“ und „Sprich die Worte“.

Jubel schallte aus den Reihen des Publikums. Eine ältere Zuschauerin sagte: „Sie sind so jung und schreiben so gute Texte!“ Auch schauspielerisch konnten die Fünf noch einen draufsetzen. Lukas, mal irrer Stalker, mal Traumschwiegersohn, Jannis als strahlender Bühnenmensch, Ulrich, ruhig, klug und präsent, Hannes und Sebastian als treffliche Moderatoren.

Anrührende Intensität

Am Ende sangen sie den Song „42“ von Coldplay – und frei von Geschichten und Pointen klangen die fünf Stimmen: noch jugendlich weich und unverfälscht und somit von besonderer und anrührender Intensität. Dieser Abend verging wie im Flug, endete mit Zugabe- und vielen Autogrammwünschen und klang noch lange im Gedächtnis nach.

High Five ; Foto: Anke Reimann

Fünf Schulfreunde aus Offenburg (von links): Lukas Luem, Hannes Herrmann, Sebastian Hug, Jannis Kirchner und Ulrich Stoll.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 19.09.2011

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2011, Kulturklub Bad Harzburg