Genesis Klassik:

Ray Wilson legt sich mächtig ins Zeug

Weltstar im ausverkauften Bad Harzburger Kurhaus-Saal - Publikum hält es nicht mehr auf den Stühlen

Vielleicht hat der eine oder andere Besucher im Kursaal in Bad Harzburg zunächst doch gestutzt über die rockigen Töne, mit denen "Turn it on again" den Konzertabend eröffnete. Schließlich ließ "Ray Wilson & the Berlin Symphony Ensemble Genesis Klassik" doch mehr Streicherklänge als E-Gitarren-Geschrammel vermuten. Doch sollte jemand die Befürchtung gehegt haben, das Publikum, das in der Masse die 40 Jahre längst überschritten hatte, könnte vergrault werden, hatte er sich geirrt.

Ob es die Songs waren oder Wilsons Stimme, schnell jedenfalls war das Publikum in den musikalischen Bann gezogen. Es gelang den Künstlern, neben Wilson mit seiner Band Stiltskin drei Geigerinnen und eine Cellistin, den mit mehr als 600 Besuchern ausverkauften Saal in Wallung zu bringen. So ergab sich ein unglaubliches Bild, denn ein Publikum, dem optisch zum Großteil eher ein Besuch bei einem Bach-Konzert zugetraut wurde, zappelte auf den Stühlen, klatschte begeistert den Rhythmus und warf bei "Land of Confusion" begeistert den Kopf in den Nacken, um lauthals "Oohooho" mit zu singen.

Auch Wilson legte sich mächtig ins Zeug. Er präsentierte nicht nur die Bandbreite der Classic-Rock-Band Genesis, sondern auch mit "In the Air tonight", "Another Day in Paradise", "Solsbury Hill" oder "Another Cup of Coffee" Songs aus den Soloprojekten von Phil Collins, Peter Gabriel und Mike Rutherford. "Carpet Crawler", "Mama", "The Lamb Lies Down on Broadway" - Hit reihte sich an Hit. Freilich fehlten auch Songs aus dem Album "Calling All Stations" nicht, das einzige Studioalbum von Genesis, bei dem Wilson sang. Der Titelsong oder auch das schrille "Congo", bei dem Wilson die Bongos malträtierte und die Trillerpfeife blies, sorgten für rhythmische Begeisterung. Freilich flossen auch zwei Songs des neuen Albums mit Stiltskin ein. "First Day of Chance" war der ruhigere Song, in den sich die Fans erst hineinfühlen mussten, doch "American Beauty", die neue Single-Auskopplung, bewies gleich Hitpotenzial. Aufgrund des Konzert-Titels hätte man sich vielleicht etwas mehr Musik von den klassischen Instrumenten gewünscht, die doch in der Regel von den Gitarren überstimmt wurden. Die Songs von Genesis jedenfalls haben die Qualität, auch nur mit klassischen Instrumenten spielbar zu sein. Erst nach der Pause durften die jungen Damen an den Streichinstrumenten dann öfter ran. Vor allem bei dem balladesken "Ripples", eine Single aus "A Trick of the Tail", einem der wohl melodiösesten Genesis-Alben von 1976, hatten die Damen ihr großes Solo. Nach gut zwei Stunden, einer Zugabe mit zwei Songs für das längst nicht mehr auf den Stühlen sitzende Publikum war dann unmissverständlich Schluss.

Genesis Klassik ; Foto: Camillo Kluge

Ray Wilson sorgt mit Titeln von Genesis für Beifallstürme im Kurhaus Bad Harzburg.

Genesis Klassik ; Foto: Camillo Kluge

Viel Gitarrensound auf der Bühne.

Fotos und Artikel: Camillo Kluge, Goslarsche Zeitung von Mo., 28.11.2011

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