Desimos Spezial Club:

Wenn ein Clown schwebt und eine "luschtige Pflägerin" herumirrt

"Desimos Spezial Club" gastiert mit Pantomime, Grusel und Pflegekraft im Bündheimer Schloß

Noch niiie gesehen!“, jubelt ein Mann lauthals in die Welt. Was war geschehen? Eine neue Kabarett-Comedy-Wundertüte hatte Detlef Simon – bekannt als DESiMO – am Dienstagabend den etwa 240 Zuschauern ins Bündheimer Schloss mitgebracht. Alle waren sehr gespannt, denn in der Vergangenheit hatte sich die Zusammenarbeit des Kulturklubs mit DESiMos Spezial Club stets als Volltreffer erwiesen. Drei Überraschungs-Künstler warteten hinter dem Bühnenvorhang auf ihren Auftritt.

Zunächst jedoch musste der charmante Moderator und Magier ein Absperrband durchdringen, um die Bühne frei zu geben für: Herrn Niels.

Herr Niels ; Foto: Anke Reimann

Herr Niels war der Höhepunkt, der Liebling des Publikums. Als „offizieller Bildschirmschoner“ mit entgleister Mimik und klemmendem Reißverschluss schaffte er auf der Bühne grandiose Illusionen von Schwerelosigkeit und paradoxer Schwerkraft allein durch die Mittel der Pantomime, etwas Magie, viel Humor und absoluter Körperbeherrschung. „Noch niiie gesehen!“

Wahrhaftig nicht! Herr Niels (Niels Weberling, preisgekrönter Star des Varietés), mit Hut-Melone und Hosenträgern, kämpfte derweil gegen einen widerspenstigen Luftballon, der seinen Koffer unzulässig schweben ließ. Es war urkomisch und faszinierend, weil die visuelle Wahrnehmung dermaßen auf die Schippe genommen wurde.

Hokuspokus, was war noch im Hut?

Der Fürst der Finsternis ; Foto: Anke Reimann

Desimo plauderte ein Weilchen über die Philipps unserer Zeit – ob Lahm oder Rösler – bis plötzlich Nebel wallten und den nächsten Künstler ankündigten: „Passen Sie auf, es wird schrecklich gruselig!“ Und es kam: Der Fürst der Finsternis. Ein Vampir.

ehr finster und mit Quietschstimme. Auch Martin Sierp kombinierte Comedy mit Schauspiel und Zauberei, und er schreckte vor keinem flachen Witz oder Wortspiel zurück. „Da müssen Sie durch, da kenne ich keine Gnade! Ja, ja, ich habe einen Clown gefrühstückt, hat komisch geschmeckt“.

Der Fürst hatte so einiges im schwarzen Umhang verborgen, Bumerang, Klebeband, DJ Ötzi, Schokomünzen und Schlafbrille. Von einer Zuschauerin ließ er sich mit dem Klebeband die Augen zukleben, um dann ihre Gedanken per Echo-Ortung zu lesen. „Quiiiiietsch!“ - Und die Antwort war richtig!

Und dann? „Ja wer kommt jetzt?“, fragte sich DESiMO, „ich bin so vergesslich geworden, seit ich alt bin. Da war die Nacht zum vierzigsten Geburtstag – zack, alt.“ Ach ja: Altenpflegerin Sibylle Bullatschek wollte er ankündigen. Und da war sie auch schon – ein Energiebündel, eine Pflegerin mit Schwung und Optimismus und mit einem wahrlich charmanten schwäbischen Dialekt, die im „Haus Sonnenuntergang“ arbeitet. „Des isch ausgezeichnet worde mit der Goldenen Bettpfanne, jawohl!“

Sibylle Bullatschek ; Foto: Anke Reimann

Es war wunderbar, wie sie ihre Geschichten von den Senioren und Senhoritas und über sich selbst erzählte, warmherzig und unverdrossen. „Luschtig“, wie sie nach einer Toffifee-Party die Gebisse in die Spülmaschine legt, oder im Bärchenschlafanzug durch die Nacht düst, weil sie Opa Kämmerer auf dem Balkon vergessen hat. Sibylle Bullatschek ist „Pflägerin“ mit Leib und Seele, erschaffen und verkörpert von der hervorragenden Autorin und Kabarettistin Ramona Schukraft.

Zum Schluss kam noch einmal Herr Niels angeschwebt, um verblüffend der Erdanziehung zu trotzen und einzigartig den Atlantik zu überqueren. Es war ein abwechslungsreicher Abend, der im Bündheimer Schloß für große Begeisterung sorgte.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Do., 29.09.2011

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