Fatih Cevikkollu:

Lachsalven im himmlischen Wartesaal

Kluger Humor mit türkischen Wurzeln - Kabarettist Fatih Cevikkollu zu Gast im Bündheimer Schloß

"Fatih unser" war am Samstagabend im Bündheimer Schloß. So hieß das Programm. Sein Darsteller - der Kabarettist und Schauspieler Fatih Cevikkollu - gastierte auf Einladung des Kulturklubs nun schon zum dritten Mal im Rittersaal vor nahezu ausverkauften Zuschauerplätzen.

Ein Verkehrsunfall hatte ihn hierher gebracht - in Gottes Wartesaal zwischen Himmel und Erde, da stand er ganz vorn in einem weißen Anzug: "Wo bin ich denn? Ist das hier das Paradies? Der Jackpot? Was? Bad Harzburg? Und ihr wartet auch? Ha, ihr wisst gar nicht, wo ihr seid, das Leben bleibt eine Illusion!"

Und so zwischen Himmel und Erde ließ Fatih Cevikkollu die Dinge des Lebens Revue passieren - Politik, Mode, Körperkult, Internet, querbeet - alles. Mal mit nachdenklichen, mal mit frechen Pointen - immer unterhaltsam, oft verschmitzt grinsend, dass jeder sah: Der hatte selbst seinen Spaß. Sein Publikum jedenfalls mochte ihn sofort.

Sexy Fatih

Haare auf der Brust - na und? "Ich bin doch sexy, oder? Ein richtiger Kerl! Sean Connery hat gesagt: Kein Vogel nistet in einem kahlen Baum." Man muss zu sich stehen. Wie Helmut Schmidt - "die lebendige Selbsteinäscherung, der Wahnsinn, das ist der einzige Mensch im Fernsehen, der nachdenkt, bevor er spricht."

FDP-Witze wollte Fatih nicht reißen, "das ist wie Kinderschubsen, das macht man nicht". Um dann doch seine Wundertüte politischer Gags zu öffnen, bis er Fabian im Publikum entdeckte. "Wie alt bist du?" "Acht." "Findest du die Show gut?" "Hm." Schulterzucken. "Pass auf, ich erzähl dir einen Witz. Gehen zwei Zahnstocher durch den Wald…" Und weiter ging's mit Kabarett über Euro und Griechenland, Zwangsehen und Thilo Sarrazin, bis zum nächsten Kinderwitz extra für Fabian. Zwischendurch gab es auch ein paar Fragen an Gott - schließlich wacht der ja über den Wartesaal zwischen Himmel und Erde. "Gott, warum bin ich in Deutschland geboren … als Türke? Hier sagt man ja nicht mehr Ausländer, hier sagt man: Bürger mit Migrationshintergrund." Das sei, als würde man Rindfleisch ein "Nahrungsmittel mit lebendiger Geschichte" nennen.

Nach der Pause löste der Schauspieler Fatih den Kabarettisten ab. In herzerfrischenden Geschichten ließ er seinen Lieblingsbrasilianer Juao wieder lebendig werden, parodierte Handwerker - "für die bist du kein Mensch, sondern einfach nur eine atmende Rechnungsadresse" - und sammelte vorsichtshalber schon mal passende Grabsteinsprüche zum Beispiel für Putzfrauen: "Sie kehrt nie wieder" oder für Zahnärzte: "Er füllt sein letztes Loch"…

Der Wartesaal brüllt

"Aber eigentlich will ich wieder zurück, Gott, ich wäre gerne noch ein bisschen Vater, ich will einfach da sein." Und weil er den ganzen Wartesaal mit Geschichten vom Vatersein zum Brüllen brachte, hatte Gott schließlich ein Einsehen und schickte Fatih zurück auf die Erde, wo er noch Bücher zu verkaufen hatte und eine Zugabe geben sollte. "Also nein, immer diese Konsumentenhaltung: Zugabe!" Grinste breit und las noch etwas aus seinem Buch "Der Moslem-TÜV" vor, erzählte einen weiteren Witz für Fabian und übersetzte seinen Namen aus dem Türkischen: "Fatih heißt Eroberer und Cevikkollu so etwas wie kräftiger Arm … Armstrong also."

Eroberer Armstrong, Dein Publikum liebt Dich. Und in der Nacht nach Deinem Auftritt war zufällig Sean Connery im Fernsehen und sagte tatsächlich: "Kein Vogel nistet in einem kahlen Baum."

Fatih Cevikkollu ; Foto: Anke Reimann

Hat auch in ungewöhnlichen Situationen viel zu sagen: Fatih Cevikkollu, zungenfertiger Schauspieler und Kabarettist aus Köln.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 21.11.2011

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