Hennes Bender:

Hennes Bender regt sich auf

Der Bochumer Comedian ereifert sich im Bündheimer Schloß über absurde Riten

Dieser Mann braucht nicht viel für seinen Auftritt - ein Mikro, ein verwaschenes Baumfäller-Hemd und vor allem eins: Empörung. Hennes Bender, Comedian aus Bochum, seit20 Jahren auf deutschen Bühnen unterwegs und seit Neustem auch Buchautor, ist aus Prinzip empört. Empört über die merkwürdigen Handbewegungen von I-Phone-Benutzern, empört über Menschen, die bei Staus ihren Wagen verlassen um Dehnübungen zu machen, und empört über die, die sich mit "Ich empfehle mich" verabschieden. "Das ist doch Quatsch. Man kann sich nicht selbst empfehlen", zetert Bender am Samstag bei seinem Auftritt im Bündheimer Schloss.

Biene Maja bis Twilight

"Erregt" heißt deshalb auch sein neues Programm, das er in Bad Harzburg vor fast ausverkauftem Haus präsentiert. Denn bei Bender ist es Methode, sich über die in seinen Augen absurden Riten der modernen Zivilisation zu ereifern. "Ich rege mich gerne auf", gibt er freimütig zu, steht wild gestikulierend auf der Bühne, beginnt beim Thema Biene Maja, echauffiert sich über die dort auftretenden "Nazi-Wespen" und landet plötzlich bei den Twilight-Filmen, holt einen Robert-Pattinson-Kalender hervor und empört sich beim Durchblättern über die variantenarme Mimik des schauspielenden Teenie-Idols.

Ist es subtile Kritik an der modernen Mainstream-Medienkultur, die Bender dort treibt? Oder redet er einfach über alles, was ihm in den Sinn kommt? Um darüber nachzudenken, bleibt keine Zeit, denn schon überhäuft das Comedy-Rumpelstilzchen sein Publikum mit seinen Beobachtungen über das unterschiedliche Rollenverhalten von Männern und Frauen in Karaoke-Bars, oder regt sich über die unverständlichen Texte der Pop-Gruppe Bee Gees auf.

Das Publikum lässt sich von seiner Energie anstecken, eine Frau in der ersten Reihe bringt ihre Begeisterung mit spitzen Freudenschreien zum Ausdruck. Sogar wenn Bad Harzburg und seine Einwohner selbst zur Zielscheibe des Mikrofon bewaffneten HB-Männchens werden: "Was? Du bist hier geboren?", sagt er zu einem aus Bad Harzburg stammenden Zuschauer. "Ich dachte, hier kommt man nur zum Sterben hin." Und bei Braunlage fragt sich der Komiker, ob "es dort so ist, wie es sich anhört" und verzieht das Gesicht, als sei ihm ein übler Geruch in die Nase gestiegen. Es ist vermutlich die nie abreißende Verkettung schnell vorgetragener, scheinbar zusammenhangloser Anekdoten, die das Publikum bei Laune hält. Aber Bender kann noch mehr: Zum Ende der Show kommt das große Finale.

James Bond auf Deutsch

"Was wäre, wenn mal ein deutscher Musiker einen James-Bond-Song geschrieben hätte?", spekuliert Bender, um es gleich darauf auszuprobieren. Es folgt ein Medley aus Parodien leicht zu parodierender deutscher Musiker, begleitet von James-Bond-Musik. In den Varianten Udo Lindenberg ("ich trink erst mal einen Eierlikör"), Jan Delay mit seinem nasalen Reggae-Gesang, Marius-Müller Westernhagen mit aggressiv-rauer Stimme und zu guter Letzt Herbert Grönemeyer, der mit gewohnt gepresster Ausdrucksweise die Stunts des Kinohelden als "sehr unrealistisch" beklagt.

Danach hat sich Bender abgeregt, oder besser: ausgeregt. Und die große Mehrheit des Bad Harzburger Publikums spendet ihm am Ende dann auch viel Applaus.

Hennes Bender ; Foto: Kai Stoppel

Die Fassungslosigkeit ist ihm anzusehen: Hennes Bender macht im Bündheimer Schloss seiner Empörung über alles Mögliche Luft.

Foto und Artikel: Kai Stoppel, Goslarsche Zeitung von Di., 15.03.2011

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