Vorsicht Baustelle:

Wenn der Abfluss mal verstopft ist

Bühne Bad Harzburg präsentiert "Vorsicht Baustelle" im Kursaal - Herr Holm als Arbeiter Klaus-Dieter

Musik und Tanz im Kursaal kennt man ja. Gehört da hin. Musik und Tanz im Kursaal, der zur Baustelle wird, gab's wohl noch nicht. Dirk Bielefeldt alias Polizist "Herr Holm" alias Klaus-Dieter war dafür am Samstagabend verantwortlich. Die Bühne Bad Harzburg als Gastgeber hat's geduldet, den rund 400 Gästen hat's gefallen.

Auch denen, die vor dem rot-weißen Flatterband in der ersten Reihe saßen. Die hat Klaus-Dieter von den Wasserwerken erst mal ordentlich zurechtgestutzt. Das und der Programmtitel "Vorsicht Baustelle" haben sie aber nicht abgeschreckt. Sie wollten den Handwerkern nun mal beim Arbeiten zusehen. Ein Scherz? Schien erst so, irgendwann hatten's Klaus-Dieter, der Berliner Büxe (Arndt Heuwinkel) und der Spanier Mario (Mario Ramos) geschafft. Mit dem Ergebnis, dass Petra S. (Anja Topf) endlich wieder "müssen" durfte.

Weil ihr Klo verstopft war - seit drei Tagen -, waren die drei überhaupt erst angerückt. Mit Bauzaun, Werkzeug und Bierkisten - und mit skurrilen Ideen. Die allein aus Rationalitätsgründen erfunden und gebaut wurden: Das Förderband, das niemand jemals sah, war hinter einer roten Wand versteckt. Auf dem bewegten sie sich, ihre Bierkisten und die Gerätschaft. Ein Gag, der beim Publikum zog. Wie eben das Getanze der Arbeiter.

Draufgehämmert wurden Witze über die Buddhisten, die Budweiser trinken, die mit wenig zufrieden sind - "ist so, als wenn Du aus Braunlage kommst, dann gefällt's Dir überall". Reingebohrt wurde Menschelndes: Klaus-Dieter kennt Buxe nämlich mittlerweile "netto", weil Buxe "'n echter Kumpel is'". Mario ist schon längst "netto", der hat "den Docht an der richtigen Stelle". Und rausgeschraubt wurden Zweideutigkeiten mit Missverständnis-Folge: Petra S. hat zwei Möpse. Damit "der eine nicht so alleine rumhängt". "Jeder ist in seinem eigenen Körbchen." Meinte die Frau mit der Klo-Verstopfung ihre beiden Hunde-Vierbeiner, ging Klaus-Dieter von was ganz anderem aus.

Auf den Grammtikpfad von Petra S. mochte er genauso wenig latschen. Er sagte "wegen Ihrem Abfluss", sie "wegen Ihres Abflusses". Er daraufhin "Iris?". Die Sache mit dem Genitiv war ihm nicht beizupulen. Dafür war ständig die Rede von "Iris".

Klaus-Dieter war sowieso manchmal etwas umständlich, aber dann wieder total pfiffig. Der singende Mario auch. "Racionalización", also Rationalisierung mochten sie, ließen sich viel dazu einfallen, um sich eben das Arbeiten, wenn sie es denn taten, leichter zu machen. Das Förderband war eben so eine Erfindung, der Klatschmelder zum Türöffnen eine andere, die Sackkarren-Wippe des Spaniers eine weiter.

Mal waren die drei Arbeiter vor dem Bauzaun in Aktion: zu den super Tanzeinlagen beispielsweise. Mal waren sie dahinter: wie beim Puppenspiel. Ein Gag, der beim Publikum ebenfalls zog. Vor allem, als Mario seine Wahnsinns-Dehnbarkeit zeigte. Schwung war ohne Frage auf der Baustelle, manchmal ging's aber etwas zu geruhsam zu. Wie im richtigen Leben? Den Gästen gefiel das rund zweistündige Programm so gut, dass es eine Zugabe forderte. Sie bekamen ein Bierpullen-Panflöten-Konzert mit "Auf einem Baum ein Kuckuck saß...simsalabim...".

Foto: Angela Potthast

Das Bierpullen-Panflöten-Konzert gibt's als Zugabe: Virtuos, was die drei Bauarbeiter (von links) Büxe (Arndt Heuwinkel), Mario (Mario Ramos) und Klaus-Dieter (Dirk Bielefeldt alias Polizist "Herr Holm") aus den Flaschen rausholen.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 08.03.2011

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