"Roses Geheimnis":

Eine Liebe über die letzte Seite hinaus

Doris Kunstmann begeisterte am Donnerstag mit "Roses Geheimnis" wieder auf der Bühne Bad Harzburg

Mit "Roses Geheimnis" führte das "Essener Theater im Rathaus" am Donnerstag ein gefeiertes Theaterstück des Amerikaners Neil Simon im gut besuchten Kurhaus auf. Und mit Doris Kunstmann in der Hauptrolle präsentierte die Bühne Bad Harzburg ihrem Publikum einen schon oft und jederzeit gern gesehenen Gast. Der Abend begann gewöhnlich: Ein alterndes Schriftstellerpaar - Rose und Walsh - das sich in schöner Kulisse (wunderbares Bühnenbild von Stephan Mannteufel), vor wehenden Gardinen und Meeresrauschen streitet. Doch irgendetwas stimmt nicht. Sie streiten trotz scharfer Worte mit einer nahezu heiteren Gelassenheit. Erst als er sagt, dass er Rose in zwei Wochen verlassen wird, reagiert Rose verzweifelt: "Bitte, geh nicht!"

Geist in Gedanken

Roses Assistentin Arlene hat das nächtliche Gespräch mit angehört. "Walsh hat Recht", sagt sie "obwohl ich seine Stimme nicht hören konnte." Denn Walsh ist tot. Er ist ein Geist, in Roses Gedanken. Er mischt sich ein, spricht mit ihr. Er ist Roses Geheimnis. Nur Rose und das Publikum können ihn sehen und hören. Walsh ist die Liebe ihres Lebens über seinen Tod hinaus. Komisch wird das Stück, wenn der junge Autor Gavin Glancy auftaucht, der Walshs unvollendetes Manuskript als Ghostwriter beenden soll. Er weiß nichts von Walshs Anwesenheit, welcher natürlich kräftig mitmischt und Roses Dialoge mit realen Personen völlig durcheinanderbringt. Doch es ist keine Komödie. Eine immer stärkere Kraft und emotionale Tiefe entwickelte das Spiel der Akteure. Die erfahrene Schauspielerin Doris Kunstmann zeigte eine in Würde alternde Rose, die alles andere als verrückt ist, auch wenn sie wegen Walsh an ihrem Verstand zweifelt.

Gute Besetzung

Gefährlich für das Stück ist die Rolle des Walsh. Hier musste ausgefüllt werden, dass einer ein ganz außergewöhnlicher Mann ist, der von einer ebenso außergewöhnlichen Frau übermäßig geliebt wird. Mit der Besetzung dieser Rolle steht oder fällt die Glaubwürdigkeit der Inszenierung. Wolfgang Häntsch gelang es, diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. Es war insgesamt eine sehr gute Besetzung, die Regisseur Frank Matthus zusammengestellt hat. Wirklich grandios spielte Judith Toth die Rolle der Arlene, die nicht Roses Assistentin, sondern deren Tochter ist, woran sie in ihrerseits tiefer Liebe verzweifelt. Johannes Richard Völkel spielte als Gegenpart zu Arlene einen vor lauter Misserfolgen etwas verdrossenen, doch nicht auf den Kopf gefallenen Gavin Glancy, der sich weder von Pulitzer-Preisträgerinnen noch von Geistern und schnippischen Arlenes die Butter vom Brot nehmen lässt. Ein besonderer Genuss waren die Dialoge des Stückes - und auch, wie sie gesprochen wurden. "Komm zurück, Walsh, wenn es sein muss, als Seezunge!" Doch Walsh kommt nicht zurück, also geht Rose am Ende zu ihm. Einhellig begeistert reagierte das Publikum, das bei dieser Vorstellung gelacht und geweint hat. Und das ist das Beste, was Theater mit seinen Zuschauern so anrichten kann.

Roses Geheimnis ; Foto: Anke Reimann

Rose (Doris Kunstmann) und Walsh (Wolfgang Häntsch) sind am Ende als Geister wiedervereint. Arlene (Judith Toth) und Gavin (Johannes Richard Völkel) können die beiden nicht sehen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Sa., 30.10.2010

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2010, Kulturklub Bad Harzburg