Neujahrskonzert:

Ein Abend mit Österreichs Charme

Staatsorchester Braunschweig eröffnet das Kulturjahr mit einem fulminanten Neujahrskonzert

Kulturell hat das neue Jahr gut begonnen. Wenn alles so viel versprechend läuft wie das Neujahrskonzert am Sonntag sollte es einem um 2010 nicht bange sein. Im traditionell ausverkauften Kursaal spielte genauso traditionell das Staatsorchester Braunschweig - und zwar traditionell Strauß und Co.

Zum 18. Mal hatte der Kulturklub das Staatsorchester zum Neujahrskonzert geladen - zum 16. Mal war es ausverkauft. Das lag sicherlich auch am Thema des Abends, es konnte für diesen Anlass "klassischer" nicht sein: "An der schönen blauen Donau", es ging "mitten hinein ins Herz des alten Österreich-Ungarns, in die "kaiserlich und königliche Monarchie", mitten hinein nach Wien, zu Strauß, Lehár und Waldteufel.

Mehr Österreich ging ja eigentlich gar nicht mehr. Doch. Denn schon auf dem Weg zum Konzert hatten die Besucher das Gefühl, in einem echten Wintersportort in den Alpen zu sein. Inklusive meterhoher Schneeberge.

Doch noch mehr Österreich gab es, als Dirigent Franz Josef Breznik nach der ersten Walzerseligkeit (die Ouvertüre aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß Sohn) die 600 Besucher begrüßte: Da stand ein waschechter Österreicher auf der Bühne, mit schönstem Akzent, Schmäh und Charme. Er präsentierte sich an diesem Abend nicht nur als versierter Kapellmeister, sondern gab auch den Conférencier auf André-Rieu-Niveau. Wissend und mit Witz führte er durch den Abend. Er plauderte über Österreich, Kaiser, Könige, die Liebe und die großen Komponisten des Abends - die gar nicht alle Österreicher sind. Emil Waldteufel stammt aus Straßburg, Franz Lehár aus der Slowakei (nun ja, wenigstens damals ein Teil der "k.u.k.-Monarchie") und Strauß Tja, Johann Strauß Sohn, der österreichische Walzerkönig schlechthin, legte irgendwann die österreichische Staatsbürgerschaft ab und wurde Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Der Liebe wegen, denn dort konnte er ein drittes Mal heiraten. Schau an, schau an. Aber es klingt halt nach Österreich.

Und das tat es den ganzen Abend. Breznik hatte seinem Orchester - und den begnadeten Gesangssolisten Liana Aleksanyan und Arthur Shen - die perfekte Musikmischung auf die Pulte gelegt. Ein wenig unbekannt im ersten Teil, dann aber regelrecht zum Mitmachen nach der Pause: "Leichtes Blut", "Der Vergnügungszug", "Die Schlittschuhläufer" - alles perfekt für einen schwungvollen Start ins neue Jahr.

Die Zuhörer im Kursaal waren begeistert. Sie spendeten fröhlichen Applaus - und ließen sich natürlich am Ende nicht lange bitten, als es galt, gemeinsam die Ö-Tüpfelchen auf die österreichische Stimmung zu setzen: den "Radetzky-Marsch". Mit Mitklatschen. Und von Strauß senior. Und der war wenigstens ein echter Österreicher.

Foto: Holger Schlegel

Unter Leitung von Franz Josef Breznik gibt das Staatsorchester Braunschweig im Kursaal sein Neujahrskonzert. Es ist das 18., das der Kulturklub veranstaltet, zum 16. Mal ist es ausverkauft.

Foto: Holger Schlegel

Und alles klatscht mit: Der Radetzky-Marsch ist der stimmungsvolle Höhepunkt des Konzertes.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 05.01.2010

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