Mundstuhl:

"Das kann doch nicht sein, oder?"

Comedy-Duo "Mundstuhl" präsentiert sein Programm "Sonderschüler" im Schloß

Ausverkauft das Bündheimer Schloß. Der Kulturklub hatte am Samstag zwei Comedy-Stars zu Gast. Die Zuschauer kamen in Scharen, sie zu sehen: Lars Niedereichholz und Ande Werner vom Duo "Mundstuhl" - ein Name wie das Symptom einer schlimmen Krankheit, aber über Geschmack lässt sich nicht streiten. Sie kamen einfach auf die Bühne zum Intro von AC/DCs "Hells Bells" und niemand konnte sie aufhalten.

Verbaler Nonens

Das wollte auch keiner. "Ja, Wahnsinn, wie wir hier so direkt auf die Bühne gekommen sind, das war Weltspitzenklasse!…also so richtig gut…so, zwei Minus, also ausreichend, noch so ok für hier…". Ande mit Glatze und Bärtchen, Lars mit Haaren und Brille packten aus: allen verbalen Nonsens und mundartliche Verballhornungen, die geschickt ausbalancierten Geschmacksverirrungen und schrägen Figuren, für die ihre Fans sie lieben. Und wer sie doof finden will, weil's halt oft unterirdisch wird, der findet sich bald selbst lachend unterm Stuhl wieder. Ist ja auch mal schön, für einen Moment über jeglichen Anstand hinwegzulachen. Zu erleben waren die beiden in ihren Paraderollen: die türkischen Sonderschüler Dragan und Alder, die arbeitslosen Sozialfälle Peggy und Sandy, der aggressive Andi, der völlig ausgeflippte Grillgott und nicht zuletzt die Hippie-Band "No Pressure", deren Anblick wahrlich kein Zuckerschlecken war. Aber so etwas hob die Stimmung umso mehr. Und als Ande als Sandy jammerte: "Mir geht's gar nicht gut, ich habe eine Sehnenscheidenentzündung", antwortete Peggy als Lars: "Die haste erst inner Stunde." Worauf Ande den Programmzettel studierte und brüllte: "Mensch, musste mich hier so auflaufen lassen, hättste doch mal was improvisieren können!"

Improvisieren, das können die beiden gut, und wenn es unter die Schmerzgrenze jeglichen Geschmacks geht, dann müssen sie über sich selbst lachen, so dass die Leute ihnen spontan verzeihen.

Sie verkauften Fahrradluftpumpen als "Travel Blow Dryer" zum Haare trocknen. Sie sangen den AC/DC-Rocksong "Thunderstruck" zusammen mit dem Publikum als Ode an den gewaltfreien Schauspieler Günther Strack. Sie zündeten Haarspray an, um ein Gummihuhn zu grillen, redeten haarsträubenden Unsinn, etwa von ausgetauschten Brustwarzen und leeren Augenhöhlen als Eierbecher, schrien sich gerne mal ordentlich an, sangen Lieder wie, dass "Schneeflöckchen, Weißröckchen konkret auch so eine Arschelöcher" ist (Ande als Dragan) und stellten bei aller Blödelei manch Abgründiges bloß.

Keine Harmlosigkeiten

Deutlich war, dass die beiden auf der Bühne auch ihren Spaß haben. Sie können nicht nur reden, sondern sind zudem Musiker, und sie wissen sich zu vermarkten, wofür sie die Zugabe ausgiebig nutzten. Die Zuschauer im Schloß bekamen keineswegs nur Harmlosigkeiten serviert, was die Stimmung jedoch noch stärker anheizte. Zwischen heftigen Lachattacken konnte mancher unter Tränen nur noch fassungslos so etwas japsen wie: "Das kann doch nicht sein, oder?"

Bleibt noch zu sagen, dass dieses Publikum etwas jünger war als sonst und das Duo bereits aus zahlreichen Fernseh-Auftritten kannte. Auf der Unsäglichkeits-Skala thronen Ande und Lars mit ihren Auftritten jedenfalls ganz oben.

Mundstuhl ; Foto: Anke Reimann

Ande Werner (li.) und Lars Niedereichholz sind das Comedy-Duo "Mundstuhl". Sie bringen mit ihrem schrägen Humor einen ausverkauften Schloß-Saal zum Lachen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mi., 03.03.2010

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