Das Leben der Anderen:

Mit Oscar gelockt, auf Bühne verbockt

Bühne Bad Harzburg zeigte „Das Leben der Anderen“ im Kurhaus – Geschichte ertrinkt im Text

Oscarprämiert ist der Film „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck. Die Hauptrolle, den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, spielte Ulrich Mühe, wortkarg, eindringlich, berührend. Ein Film als Publikums-Lockmittel für das Theater. Die Bühne Bad Harzburg präsentierte das Stück am Freitag im Kurhaus in einer Produktion des Euro-Studios Landgraf.

Theaterautor und Lyriker Albert Ostermaier hat aus dem Stoff einen sprachverliebten Theatertext geschrieben, der die eigentliche Geschichte in tiefgründigen Gleichnissen, geschliffenem Wortwitz und groß angelegten Zitaten ertränkt. In vier Monologen erzählten die vier Figuren die Geschichte aus ihrer jeweiligen Sicht.

Gleich ein langes Solo

Germain Wagner spielte den DDR-Minister Hempf als einen besessenen, cholerischen Mann, der seinen Obsessionen auslebt, seine Macht ausübt, als König seiner Welt, in der er derjenige ist, der den Daumen über anderen Köpfen hebt oder senkt. Er hat ein Verhältnis mit der Schauspielerin Christa, die ihn jedoch versetzt, worauf er ihr rachsüchtig die Staatsgewalt auf den Hals hetzt.

Ihren Mann, den Schriftsteller, lässt er seit langem überwachen, in der Hoffnung etwas zu finden, um den Nebenbuhler auszuschalten. Es war das lange Solo einer rundum unsympathischen Figur, was schon den Anfang des Stückes problematisch gestaltete.

In der zweiten Szene dann trat Christa auf, die schönste Schauspielerin der DDR. Petra Zwingmann spielte sie als eine zerstörte Frau, denn die Szene setzt ein nach ihrem Verhör, dem Verrat an ihrem Mann und kurz vor ihrem Selbstmord. Die angesagte Schönheit sah man ihr nicht mehr an. Keine Anmut, nur Verzweiflung – wiederum in verwinkelter Textkunst. Diese Figur, die eigentlich berühren müsste, weil sich alles Handeln der drei Männer um sie dreht, vergrößerte jedoch die Distanz der Zuschauer zum Geschehen auf der Bühne noch mehr.

Den dritten Monolog hielt Luc Feit als Gerd Wiesler. Der erzählte, wie er im Dachboden saß und den Dichter und die Schauspielerin belauschte, ihr Liebesleben, ihre Probleme und schließlich die Auflehnung des Dichters gegen die Staatsmacht. Der Lauscher – von den Belauschten beeinflusst – beginnt, dieses Paar, das ihm auf einmal so nahe ist, zu beschützen. Auch dies erschloss sich ausschließlich über Sprache.Wo im Film ein Blick in die Augen Ulrich Mühes gereicht hat, mussten nun Worte auf Worte gehäuft werden. Sätze wie „Niemand hatte mich gewarnt vor der Macht der Liebe, die die Liebe zur Macht vergessen macht“ wurden klangschön aneinandergereiht. Dahinter zeichnete sich auch eine Handlung ab, das Publikum aber blieb mehr und mehr außen vor.

Beim vierten Monolog war dann schon alles egal. Nun kam Carsten Klemm als Schriftsteller Dreymann zu Wort, doch sehr viel Neues hatte er nicht zu berichten, außer, dass er im Jahr 2009 angekommen, vom zynischen Business des Westens ausgebrannt und am Ende ist. Ein Abwrackmodell. Er begeht Selbstmord, darf dann aber wieder aufstehen, weil dem Autoren oder dem Regisseur (Johannes Zametzer) noch ein schöneres Ende eingefallen ist, das weder der Geschichte dient, noch irgendwie verständlich ist.

Eher ein Hörspiel

So agierten auf der Bühne vier Figuren, zu denen der Zugang aufgrund ihrer Flüchtigkeit, ihrer Eindimensionalität, versperrt blieb. Optisch war ihr Auftreten, war die ganze Bühne überflüssig, weil der Text so überproportional, so dominant war, dass für diese Aufführung das Medium Hörspiel angemessener gewesen wäre.

Foto: Anke Reimann

Nur zum Schlussapplaus gemeinsam auf der Bühne (v.li.): Carsten Klemm (als Georg Dreymann), Germain Wagner (als Minister), Petra Zwingmann (als Christa-Maria Sieland) und Luc Feit (als Stasi-Hauptmann).

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 19.01.2010

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