Michael Krebs:

Flüsterfuchs und Schweineschnitzelsolo

Musikvirtuose und Kabarettist Michael Krebs zu Gast beim Kulturklub im Bündheimer Schloß

Aber Bub, schlimme Wörter sagschd nid!“ Wahlhamburger Michael Krebs, geboren in Schwäbisch Hall, gastierte am Samstagabend auf Einladung des Kulturklubs im Bündheimer Schloß. Und die Mahnung seiner Mama hat er noch im Ohr.

Aber leider, Mama, sein Programm heißt „Die Erotik Explo:schn Road Show“ und da muss nun mal erotisch explodiert und schlimm getextet werden – so à la James Hetfield von Metallica. Jaaa, James Hetfield statt Richard Clayderman! „Sag mir, wo sind die Kleinkünstlerfetischistinnen“ sang der studierte Jazzpianist prompt und „Harzburg – deshalb bin ich hier – ist das Kleinkunstfetischistinnen-Hauptquartier!“

Der Typ war wirklich nett, aber auch ganz schön frech, der lutschte am Mikro und wollte wilden Sex auf der Bühne, dazu spielte er virtuos Piano und E-Gitarre, und sein Publikum hielt sich bald die Seiten vor Lachen.

Von seinem Leben als Hotelbarpianist erzählte Michael, von Porno-Karaoke mit Schweineschnitzelsolo und von Neu-Kupfer, dem Ort seiner Kindheit, wo er entdeckte, dass sich „Alle Vögel sind schon da“ auf die Melodie von Metallicas „Nothing else matters“ singen lässt. Er ließ sein kicherndes Publikum mit den Händen die Teufelshörner formen – das Symbol von Heavy Metal, dem Schwermetall-Rock. Nur leider hat er feststellen müssen, dass das gleiche Zeichen auch in Kindergärten verwendet wird. „Wissen Sie, was das da bedeutet? Das isch dort der Flüschderfuchs!“ Der Flüsterfuchs heißt: „Kinder! Mund zu und Ohren auf!“ Michael Krebs vor Entsetzen gelähmt: „Wenn das umgreift, ist das das Ende vom Heavy Metal!“ Er kämpft dagegen mit Teufelsunterwäsche und Erotik-Exploschn-Songs wie „Ich dachte, du bist bi, die Frau in unserem Bett ist ein Geschenk für dich, Chérie“ oder „Das Mädchen von der Jungen Union macht Sex mit mir in jeder Position“ „Höm, höm, hihi!“, machte da das Bad Harzburger Publikum und sang eifrig mit beim „Kleinkunschtgoschpel“, darin kamen auch schlimme Wörter vor, weshalb das Bild von Mama schon längst vom Klavier verschwunden war. Stattdessen stand nun dort ein James-Hetfield-Portrait. Aber Mama und Richard Clayderman trägt Söhnchen auf Abwegen trotz allem immer im Blut, und da kann es passieren, dass sich mitten in den „Highway to Hell“ Akkorde aus „Ballade pour Adeline“ mischen, plus einiger barpianistentypischen Arpeggios, diese wiederum bekämpft mit Beatbox-Klängen und Metal-Teufel-Flüsterfuchs-Gebärde.

Die Quintessenz lautete: Erotikexploschn ist nicht immer leicht, begeistert jedoch ein Publikum sehr.


Michael Krebs ; Foto: Anke Reimann

Das Handzeichen „Flüsterfuchs“ und Teufelsunterhose – Musik-Kabarettist Michael Krebs versucht, den Heavy Metal zu retten.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 12.10.2010

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