Sascha Grammel:

Der Mann, der mit 'nem Burger spricht

Bauchredner Sascha Grammel zeigt "Hetz mich nicht!" im Schloß - Veranstaltung des Kulturklubs restlos ausverkauft

Er spricht Sascha Grammel, er spricht Burger Hacke, Vogel Frederic und Schildkröte Josie. Er, der Sascha Grammel, ist von Beruf Puppet Comedian. Der Kulturklub Bad Harzburg holte ihn am Samstagabend ins Bündheimer Schloß vor 300 Gäste. Mehr gingen nicht rein, obwohl noch viel mehr wollten. Gut, dass bald Januar ist. Dann hat er, der von einer großen Bühne des Landes auf die nächste zieht, der in etlichen Fernsehsendungen zu sehen ist, seine eigene Show bei RTL.

Der Grammel ist ja "sooooo" beliebt. Oder ist es doch der tumb-schusselige Prof. Dr. Peter Hacke? Oder der frech-fiese Frederic Freiherr von Furchensumpf. Oder ist es die sanft-kecke Josie? Hach, Josie. Niemand haucht das "Ja" so entzückend wie sie. Wirklich niemand.

Aber der Grammel, der hat auch was. Zumindest so große runde Augen wie Josie. Und er ist einnehmend. Wenn er Heinz aus der ersten Reihe anschnackt, macht er sich zwar lustig, aber nur ein wenig. Heinz kann sich wahrlich nicht beleidigt fühlen. Zumal: Der Heinz wird von allen begrüßt, von Hacke, Frederic und von Josie. Hach, Josie. Knutscht sie den Grammel, wird man neidisch. Den Kuss von ihr hätte manch einer selbst gerne bekommen.

Das Buch vom "Prof" vielleicht nicht unbedingt. Irgendwie ist der nicht ganz gar, der studierte Ökotrophologe. Er kann ja weder diesen Begriff korrekt aussprechen, noch weiß er eigentlich, was er überhaupt macht - in diesem Beruf. Das "Hacke-Peter-Prinzip" ist seine Publikation, ein Exemplar im Umlauf. Das ausgerechnet hat der Grammel gekauft, zitiert munter daraus. Und legt damit dem Hacke die Worte in den Mund. Ja genau, auch ein Hamburger kann einen Mund haben und Augen und Augenbrauen - eingelegte Gürkchen sind das. Ein komischer Kauz, dieser "Prof. Dr. Fastfood-Experte". Fachwissen auf ganz anderem Gebiet hat Josie, die Bankkauffrau, der mobile sprechende Geldautomat mit eigenem Tresorraum - und mit erotischer Stimme. Sie: "Kommen Sie näher." Er: "So?" Sie: "Ja." Ein erotisches "Josie-Ja". Hach, Josie.

Kein Kauz, aber ein Vogel, genauer ein Adler-Fasan ist Frederic Freiherr von Furchensumpf. Punk mit schnoddrigem Schnabel, fies und gemein. Kann er sein. Kann, wenn der Grammel ihn dazu auffordert, manchmal aber auch richtig nett sein. Dann sagt er so was wie "nett, nett, nett" und "kuschel, kuschel, kuschel".

Und wenn er nicht will, wie der Grammel es gern hätte, wenn er zögert und zögert und zögert, und der Grammel ein ungeduldiges "Hallo" los wird, sagt der Freiherr "Hetz mich nicht!". Das kommt total bestimmt. Ähnlich bringt Josie rüber, was ihr nicht gefällt. Der Grammel will seine EC-Karte in den Geldautomaten stecken. Weiß nicht, wo genau, hält sie an eine Stelle des Krötenpanzers. Josies Schnell-Reaktion: "Nicht da, Sie Ferkel." Hach, Josie. Selbst in solchen Momenten ist sie bezaubernd.

Sie kann ansonsten gut mit dem Grammel, der gerne im Dunkeln agiert - das Sandmännchen-Handschattenspiel ist famose Zugabe für das begeisterte Publikum. Die Dialoge, die sind ein Schlagabtausch zwischen Grammel und Puppen. Ein besonderer: Entweder ist der Sascha Grammel zu hören, und man kann seine Worte von den Lippen ablesen, oder er ist zu hören, und man kann keine Mundbewegungen mehr sehen - jedes Mal, wenn er nämlich Hacke, Frederic, Josie seine Stimme gibt, abgewandelt, zu jedem der drei Charaktere eine andere Tonlage.

Wie das funktioniert? Der Sympath Sascha erklärt's den Gästen: Zwei müssen auf die Bühne und sind kurz die Neuen in der Puppet-Riege. Sie nehmen's gelassen - wie Heinz und die Braunlager aus einer der hinteren Reihen. Denn: Der Sascha ist ja so charmant. Wie Josie. Hach, Josie.

 ; Foto: Angela Potthast ; Foto: Angela Potthast ; Foto: Angela Potthast

Auf der schwarzen Kiste nehmen seine Gesprächspartner Platz: Prof. Dr. Peter Hacke, der Burger, Frederic Freiherr von Furchensumpf, der Adler-Fasan und Josie, die kulleräugige Schildkröte mit Nebenjob Bankautomat. Sascha Grammel hat es mit Schusseligkeit, Frechheit und mit verdammt viel Charme zu tun.

 ; Foto: Angela Potthast

Mitmachen muss das Publikum auch. Der Sascha will nicht alles allein übernehmen. Bei den Gästen im Schloß hat er gute Karten. Die hören auf das, was er sagt - und brechen sich fast die Finger.

Fotos und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 06.12.2010

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