Axel Gottschick:

Italien aus verschiedenen Blickwinkeln

Goethegesellschaft und Kulturklub kooperieren bei einem italienischen Abend in Wort und Musik

Die Goethegesellschaft und der Kulturklub konnten mit Axel Gottschick einen guten Bekannten gewinnen. Zusammen mit dem Duo "Berger Reuter" präsentierte er die Italienischen Reisebilder von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine. Schon der musikalische Einstieg mit Rainer Berger an der Querflöte und Felix Reuter an der Gitarre stimmte ein auf eine lichte Landschaft. Sie eröffneten den Abend mit dem ersten Satz aus Anton Diabellis Serenade op. 99. Zartes, aber ausdrucksstarkes Spiel kennzeichnete die beiden, wobei Felix Reuter mit seiner Gitarre starke Akzente setzte.

Gottschick las, nein spielte Goethes erste Tagebucheintragung aus Verona vom 17.September 1786. Er beschrieb darin das Leben und Treiben auf den Straßen und Plätzen. Bunte Farben an den Marktständen, offene Läden, in denen Schumacher und Schneider ihr Handwerk ausübten, aber auch unbeschreibliche Armut. Selbst die ist noch als anmutig umschrieben.

Duftige Diabelli-Sätze

In einem anderen Eintrag aus Venedig beschreibt Goethe eine Fahrt mit der Gondel aufs offene Meer hinaus. Er bestellte sich abends Musikanten, deren Gesang ein Gefühl der Trauer und Sehnsucht auslösten. Schließlich die Italiener selbst, die offenbar wie in einem Schlaraffenland leben, der reichhaltigen Obstsorten wegen. Dazwischen immer wieder die leicht und duftig gespielten Sätze von Diabelli und den stimmungsvollen Türkischen Marsch von Mozart.

In Heines Reisebildern, die anders beginnen als bei Goethe, wird der Unterschied deutlich. Es fängt mit einer Unterhaltung mit einem Berliner "Philister" an. Er freut sich wie ein Kind, beschreibt seine Umgebung, wie sie tatsächlich ist. So ist die Stadt Trient grau, gebrochen, aber mit vielen Winkeln und Erkerchen. Dann der alte Dom, der etwas Altehrwürdiges und Vertrautes ausstrahlt. Gespräche mit der Obstfrau auf dem Markt. "Unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter" und "Das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Äpfel".

Im Anschluss das Grand Duo concertant op. 85 von Mauro Giuliani als flottes Ständchen. Aber auch Wirtshausszenen beschreibt Heine in seiner unnachahmlichen Art. Etwa die Aussicht auf das Gerümpel und die zerlumpten Kinder im Hof oder das Donnerwetter eines Mannes, der Frau und Tochter zusammenschreit. Und hier bewies Gottschick sein schauspielerisches Talent. Er ließ das Donnerwetter höchst lebendig werden. Heine beschreibt die Opera Buffa und ein Loblied auf Rossini. Passend dazu spielten Reuter und Berger das Andante Marcato aus dem Potpourri tirée de lÓpera Tancred.

Eine gute Abrundung

Gottschicks vielfältige Mimik und Gestik ließ den Unterschied zwischen Goethes und Heines Italienbild hervorragend spürbar werden. Während Ersterer die Umgebung von Italien mehr mit den Augen des Gastes sah und seine eigenen Sehnsüchte hineinlegte, nahm Heine mehr die Wirklichkeit wahr und machte seinen Spaß daraus. Zum Schluss spielten Berger und Reuter das liebliche Bolero Air de Ballett aus der Oper "Die Stumme von Portici" von Auber. Dieses melodische Stück bekam fast Ohrwurmcharakter. Durch das Wechselspiel zwischen Musizieren und Lesung gelang den drei Interpreten nicht nur ein unterhaltsamer Abend sondern darüber hinaus ein farbiges und vielschichtiges Bild zweier verschiedener Charaktere. Sie erhielten viel Beifall. Axel Gottschick war schon einmal mit dem Brief Kafkas an seinen Vater sehr erfolgreich aufgetreten. Zusammen mit dem Duo war seine szenische Lesung eine gute Abrundung.

Gottschick, Berger, Reuter ; Foto: Dagmar Hoffmann

Axel Gottschick (links) liest die italienischen Sichtweisen von Goethe und Heine, während Rainer Berger (Querflöte) und Felix Reuter (Gitarre) die zeitgenössische Musik beisteuern.

Foto und Artikel: Dagmar Hoffmann, Goslarsche Zeitung von Mi., 02.06.2010

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