Tim Fischer:

Fusion zweier Ausnahmekünstler

Chansonnier Tim Fischer gibt im Schloß ein Hildegard-Knef-Konzert

Tim Fischer hat in einem Film ("Herr Lehmann") mitgespielt, der aus der Feder eines Musikers (Sven Regener) stammt, dessen Lieder ein bisschen klingen wie Hildegard Knef. Am Samstagabend sang Tim Fischer auf Einladung des Kulturklubs im Bündheimer Schloß Lieder von Hilde Knef, ausschließlich von ihr getextet. Über 200 Zuschauer waren gekommen.

Das Gesicht der Knef

Von der ersten Sekunde an zog der Sänger das Publikum in seinen Bann. Auffallend zunächst sein Gesicht. Ein schönes Gesicht, verborgen hinter einem anderen: Augen und Mund waren der Knef gewidmet - die langen Wimpern, der dicke schwarze Lidstrich. Alles andere blieb Tim Fischer, ein zierlicher Mann mit großer Ausstrahlung. Ein wenig Schminke nur, Mimik und Haltung schufen eine schillernde Bühnenfigur, eine faszinierende Fusion zweier Ausnahmekünstler, zweier Generationen, zweier Geschlechter. "Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen, ich möchte noch ein wenig reden…" Tim Fischers Stimme ist ein Segen, gehorcht den Wünschen des Sängers bis ins kleinste Detail. Sie wurde zur Stimme der Knef und blieb dennoch Fischers Eigentum, eine großartige, wandlungsfähige Stimme, kongenial eingebettet in den Klang der Musik, gespielt von Rüdiger Mühleisen am Piano, Sebastian Selke am Cello und Ralf Templin an der Gitarre. "Hervorragende Musiker", schwärmte ein Zuhörer in der Pause.

"Dem Schwertfisch erschwert das Leben, dass er am Schwerte hängt. Sein friedliches Streben und Liebeserleben ist eingeengt, weil er am Schwerte hängt…" Nicht nur der intensive Vortrag der Lieder überraschte das Publikum, sondern auch der Inhalt. "Also ich kenne ja einiges von Hilde Knef, aber dass sie auch solche Texte geschrieben hat, das wusste ich nicht", flüsterte eine Frau ihrer Nachbarin zu. Es sind Texte voller Weisheit und Witz, voller Ironie und außergewöhnlicher Bilder, warmherzig, klug, unnachahmlich. Tim Fischer gab ihnen Raum, Zeit und wunderbaren Klang, war Diva und Clown, traurig und fröhlich wie die Lieder selbst. "Ich brauch' Tapetenwechsel, sprach die Birke und macht sich in der Dämmerung auf den Weg…" "Herrlich! Herrlich!" flüsterten die Stimmen im Publikum. Und sangen mit: "… mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Das Glück sollte sich sanft verhalten, es soll mein Schicksal mit Liebe verwalten …"

Worte erstrahlen neu

So klar und präzise ist Tim Fischers Vortragskunst, dass die Worte wie neu erstrahlten, zeitlos mit großer Kraft und Schönheit. Für Gelächter sorgten "Der Protest eines Denkmals", "Der Fragebogen" und "Jene irritierte Auster", Texte auf sprachlicher Augenhöhe mit Dichtern wie Tucholsky oder Morgenstern. Ebenso wie die Lieder voller Lebensweisheit und Tiefe: "Da ist eine Zeit zu lachen und zu leben", "Das Glück kennt nur Minuten", "Ich bin den weiten Weg gegangen (nur weise wurde ich nicht)". An diesem Abend im Schloß erwachten sie wieder zum Leben. Die Erinnerungen an Hildegard Knef, gesponnen von vier sympathischen, absolut hochkarätigen Musikern, begeisterten das Publikum in jeglicher Hinsicht.

Tim Fischer ; Foto: Anke Reimann

Chansonnier Tim Fischer leiht einen Teil seines Gesichts der Erinnerung an Hildegard Knef.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 14.12.2010

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2010, Kulturklub Bad Harzburg