Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser:

Mit Vollgas durch Sinn und Unsinn

Knacki Deuser überrollt das Bad Harburger Publikum

Treffen sich zwei Rosinen, die eine hat einen Helm auf. Fragt die andere: Wo willst DU denn hin? - Ich geh heut in den Stollen!" Der Meister des Kurzwitzes, Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser, "Nightwash"-Moderator aus Köln, war am Freitagabend wieder zu Gast im ausverkauften Bündheimer Schloß. "Die langen Witze konnte ich mir nie merken. Und jetzt kommen die kurzen ständig, manchmal ganz ungewollt. Es ist ComedyTourette."

Zum zweiten Mal war Deuser der Einladung des Kulturklubs gefolgt. "Manche Witze hab ich hier bestimmt schon mal erzählt, aber ich rede so schnell, da kann man zwei, dreimal herkommen, bis man alles verstanden hat."

Knacki Deuser gab alles. Im Stakkato des Kurzwitzinfernos entrollte er einen politischen und kulturellen Jahresrückblick, der scheinbar kaum ein Thema aussparte. Zum Beispiel Schnee in Köln. "Was, Schnee? Ich merke nichts. "Oder Eiafökkelöff, "oder wie dieser Vulkan da hieß, mit der Aschewolke… Das Flugverbot war DIE Chance für die Deutsche Bahn und was passiert? Genau an dem Wochenende verliert der ICE seine Tür." Oder BP. "Macht schon wieder Gewinne! Wie kommt das? Bringen die jetzt ein neues Gemisch heraus: 50 Prozent Rohöl und 50 Prozent Schwimmvögel? Das ist der Birdi-Hybrid." Nein, Witze seien nicht immer logisch. Egal. Er hatte ein paar gute Vorschläge parat: "Was macht man, damit die Merkel mal lächelt? Aufn Kopf stellen?" Und um ihren Bahnhof tiefer zu legen, empfahl der Comedian den Stuttgartern eine Kooperation mit den U-Bahn-Bauspezialisten aus Köln. Selbst Bad Harzburger Unbehagen wurde ins Netz der Witze mit eingewoben: "Man soll nie den Kopf hängen lassen, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht … Naja, das mit dem Wasser kann Ihnen hier im Krodobad nicht mehr passieren."

Das Publikum lachte überrascht und lauthals, und mitunter konnte es tatsächlich kaum folgen: "Da hinten wird jetzt der Witz erklärt", freute sich Deuser und erzählte schon den nächsten. "Sagt der Sportarzt: Doping im Fußball? - Nein, auf keinen Fall! Das Zeug gehört in die Spieler." Es folgten Blitz-Yoga und Kurzpantomime, der nächste Witz und einige wunderbare, ebenfalls schnell gestaltete Tanzeinlagen. Knacki Deuser ist gelernter Tänzer. Und genau dies ermöglicht es ihm, durch Körpersprache und Rhythmus diesen ganzen Wahnsinn aus uralten und neuen Witzen zusammenzuhalten und zur nachvollziehbaren Einheit eines Programmes zu verbinden. "Mist, mir geht's gut" lautet der Titel.

Grandios war seine Amerika-Vorstellung eines Schusswechsels zwischen Gangster und Polizei, währenddessen gerappt, gebeatboxt und aus einem Dackel ein Luftballon geknotet wird. Apropos Dackel. "Was macht man mit einem Hund ohne Beine? Um die Häuser ziehen." Der nächste Schenkelklopfer. Und das alles im piekfeinen Anzug mit wilder Mimik vorgespielt. Die finale Gauklernummer - "Romeo und Julia", das jonglierte Theaterstück in drei Akten - war der ideale Abschluss des rasanten Auftritts und brachte das Publikum zum Jubeln.

"Comedy ist live am besten", gab Deuser seinen Zuschauern mit auf den Weg. "Es gibt so viele gute Leute, gehen sie hin und sehen Sie sich die Auftritte an." Genauso war es auch mit ihm selbst an diesem Abend im Schloß. Im Fernsehen ist alles ein flaches Bild, wirklich mitreißend wird es erst mit der dritten Dimension. "Kommt ein Pferd in den Blumenladen: Hamse Ma geritten? … ein weiteres unverzichtbares Teilchen in Knacki Deusers Kurzwitzmultiversum.

Knacki Deuser ; Foto: Anke Reimann

Präsentiert Kurzwitze mit unverwechselbarer Mimik und im feinen Zwirn: Comedian Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser begeistert das Publikum im Bündheimer Schloß.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 08.11.2010

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