Butterfahrt 5:

Grandiose Gaukelei und imponierendes Brusthaar

"Butterfahrt 5" begeistern ihr Publikum im Bündheimer Schloß - Schräge Vögel beherrschen Instrumente und Klamauk

Na das sind ja schräge Vögel!", klang eine Stimme aus dem Publikum, während auf der Bühne gut gelaunter, hochmusikalischer Slapstick mit ausgelassener Mimik zelebriert wurde. Mit dem Auftritt der Musik-Comedians "Butterfahrt 5" am Samstagabend im Bündheimer Schloß landete der Kulturklub einen weiteren Volltreffer im Veranstaltungsprogramm.

Gerührt und geschüttelt

Zum ersten Mal waren die fünf Musiker in Bad Harzburg zu Gast. Und schon ihr erstes Lied ließ ahnen, wohin die Reise führen würde, da wurde Nenas "Leuchturm" mit Hans-Albers-Shanty- und "Nordseeküsten"-Zitaten zusammengerührt und geschüttelt. Sänger und Saxophon-Spieler Philipp Stempel zeigte nicht nur, dass er eine brillante Stimme, sondern auch imponierendes Brusthaar besitzt.

Es gelang ihm allerdings nicht zu beweisen, dass er verrückter ist als seine Mitspieler. Das konnte keiner der Fünf beweisen, denn darin übertrumpfte einer den anderen. Zum Beispiel Marcus Rehwinkel an der E-Gitarre brillierte unter anderem als Bärbel vom Rockgitarren-Volkshochschulkursus mit Dark Metal und unzähligen Varianten des irren Blicks.

Jeder der Fünf kann mehrere Instrumente spielen. Markus Heijenga blies den Hummelflug auf der Tuba, zupfte die dicken Saiten des Basses und wechselte problemlos zum anderen Ende des Klangspektrums: zur Ukulele.

Damit ließ sich Tokio Hotels "Durch den Monsun" als echtes Zwergenstück intonieren. Schlagzeuger Volker Naves machte seinen Auftritt mit Winzig-Drumset wenig später mit der allergrößten Trommel überhaupt wieder wett, außerdem tanzte er mit zweien seiner Kollegen den Boygroup-Zeiten-Erinnerungstanz. Der studierte Jazz-Musiker Robert Mayer an Piano, Akkordeon, Querflöte, Ukulele, Viola und Xylophon wurde irgendwann zum wirren Irrenarzt für vier "Goldene Reiter".

Sie alle beherrschten ihre Instrumente so gut, dass diese von allein zu spielen schienen, während sich jene, die sie in den Händen hielten, ganz dem Klamauk ihrer einfallsreichen und witzigen Arrangements widmen konnten. So gelangte "Nothing compares to you" aus dem Jammertal bis in die Sphären von Walgesängen.

Genial veralbert

Michael Jacksons "Beat it" wurde mit "Boomwhackers" - bunten Plastikrohren - ein Meisterstück der Percussion. Die Geschichte vom heiligen St. Martin passte hervorragend zum Rammstein-Sound, und Reinhard May wurde ver-Hyper-Hypert oder ver-Scootert oder einfach nur genial veralbert.

Und nicht nur mit Brusthaaren oder fehlenden Brusthaaren, auch mit Satzgesang, Beatboxing und schnellen Verkleidungskünsten überraschten "Butterfahrt 5." Das Publikum liebte diesen rundum sympathischen Klamauk, erhob sich von den Sitzen, ließ sich zu fröhlichem Winken hinreißen und hätte wohl endlos Zugaben gefordert, gäbe es nicht das letzte der Lieder, nämlich das, wo "wir uns alle wahnsinnig erotisch bewegen", wie Philipp ankündigte.

Das wurde dann auch getan mit recht unterschiedlichen Ergebnissen. Es war grandiose Gaukelei auf hohem musikalischem Niveau, absolut sehens- und hörenswert.

Butterfahrt 5 ; Foto: Anke Reimann

Mit AC/DC-Death-Metal-Mix auf Schreckenstour quer durchs Publikum: Marcus Rehwinkel mit langer Zunge und Philip Stempel.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 16.03.2010

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