Ausbilder Schmidt:

Akupunktur? Lass die Nadeln! Nimm Nägel!

Kein Abend für Luschen: Kulturklub präsentiert Holger Müller als „Ausbilder Schmidt“ im Bündheimer Schloß

Mit dem Panzer nach Bad Harzburg reisen und im Schloß die Balken wegsprengen, damit das Publikum die Bühne besser sieht – das ist ein Auftritt ganz nach dem Geschmack von Ausbilder Schmidt. Samstag war sein Abend im Bündheimer Schloß, als er, der Ausbilder, die Bühne betrat und brüllte: „Guten Morgen, ihr Luschen!“, und das Publikum von den Sitzen sprang und schrie: „Guten Morgen, Chef!“ Darauf hatten sich alle gefreut.

Zielgruppe Männer

Er brüllt um 4 Uhr morgens seinen Wecker an, dass er endlich klingeln soll, rasiert sich mit dem Bunsenbrenner, reißt sein Frühstück beim Joggen im Wald – am liebsten Igel. Und echte Männer essen das Fell mit… Der Kölner Stand-Up-Komiker Holger Müller hat mit seinem Bundeswehr-Ausbilder Schmidt eine grandiose Kunstfigur geschaffen, die vor allem Kerle im Alter zwischen 15 und 45 schwer begeistert. Dies zeigte sich auch im voll besetzten Saal des Schlosses: Es waren hauptsächlich Männer dieser Zielgruppe gekommen, ein eher untypisches Kabarettpublikum für einen Samstagabend, an dem im Fernsehen auch noch Fußball läuft. So etwas kann nur eines bedeuten: Ausbilder Schmidt ist Kult.

Er liebt es, schlechte Witze zu erzählen und tut dies mit Wonne. So etwas ist eindeutig und frei von ominösem Hintersinn, da kann man(n) sich wegäppeln, ohne versteckte Botschaften argwöhnen zu müssen. Das macht Freude. Und kernig ging es zu: „Akupunktur? Lass die Nadeln! Nimm Nägel! Oder Spaxschrauben!“

Holger Müller, mit alter Bundeswehruniform, Barett, Zigarre und Sonnenbrille, hatte sein Publikum von Anfang an auf seiner Seite, trotzdem die Vorstellung zunächst nur langsam an Fahrt gewann. Doch mehr und mehr wurden aus einfachen Witzchen komplexere und aberwitzigere Geschichten, und spätestens nach der Pause war es richtig gut, da zog „Schmidti“ alle Ausbilderregister und wurde „zum Brüllen komisch“ – so wie auch sein Programm heißt.

„Wenn ich Blut spende, da brauche ich keine Nadel, da brauche ich einen Eimer und ein Gewehr!“ Stets war er Herr der Lage, nur die Besetzung Hollands ging schief, wegen einer Tüte Hasch, versehentlich und in einem Zug inhaliert. „Ich war nur am Grinsen. Ich hatte gute Laune. Leck mich am Arsch, ich wollte Holland bekriegen und nicht begrinsen!“

Spiel mit den Gästen

Spaß brachte auch das direkte Spiel mit dem Publikum, das er nach der Pause mit seinem Megafon wieder auf die Plätze trieb. „Zack, zack, zack!“ Sven aus der ersten Reihe bekam einen Ausbilder-Schmidt-Exklusiv-Klingelton auf sein Handy gebrüllt. „Sven, du Oberlusche, geh an dein schwules Handy ran, es klingelt!“

Publikumsfragen, in der Pause auf Karteikarten geschrieben, wurden vorgelesen und kommentiert: „Was ist eine Blondine zwischen zwei Ausbildern? Nicht die Dümmste – Hä? Das verstehe ich nicht …“

Zum Schießen, wie er sich in die eigene Blutbahn teleportierte, um seinen „Luschenspermien“ den Marsch zu blasen, oder wie er Ausbilder-Schmidt-Filmszenen vorspielte mit Parodien auf Kollegen wie Mario Barth, Rüdiger Hoffmann, Dieter Hallervorden.

Und Peter Maffay: „Der Heli(-kopter) brennt… Das ist nicht gut… Aber ich bin so klein, dass die Flammen mich nicht finden.“ Herbert Grönemeyer und Rammstein wurden als Kandidaten für die Filmmusik vorgestellt, und zum Schluss musste der Teddybär wegen Kuschelgefahr in Brand gesteckt werden.

Im Publikum herrschte helle Begeisterung. Nach der Vorstellung war der Tisch mit dem Autogramme schreibenden Ausbilder dicht umdrängt. Davon konnte man aus Versehen direkt gute Laune bekommen.

Ausbilder Schmidt ; Foto: Anke Reimann

Unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten zwischen Ausbilder Schmidt und dem Vogel Toleranz.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 26.01.2010

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