Rolf Zacher:

Lieder gen Sonnenuntergang

Kulturklub präsentierte Rolf Zacher mit seinen "Latest Hits" im Bündheimer Schloss - Viel Applaus am Ende

Er ist auf der Autobahn des Lebens gen Sonnenuntergang unterwegs, so sang Rolf Zacher am Samstagabend im Bündheimer Schloss, und er hat jede Scheißminute genossen. Yeah! Melancholie, Lebensfreude und Trotz in einem Satz. Das war der offizielle Tourstart für die Vorstellung seines ersten Soloalbums "Rolf Zacher Latest Hits".

Vor etwa zehn Jahren war der bekannte Schauspieler schon einmal beim Kulturklub zu Gast. "Ja, das hab' ich gehört, man weiß ja gar nicht, wo man überall war, aber jetzt spür ich's: Bad Harzburg! Ich freu' mich, dass ihr alle da seid!" Mehr als 100 Zuschauer waren gekommen und erlebten ein Konzert ernster und schräger Balladen und zwischen zwei Liedern sekundenkurze Geschichten, in denen es um Leben und Tod und um's Tanzen ging. "Hab' mal mein Geld als Rock´n-Roll-Tänzer verdient", murmelte Zacher, während Bassist Martin Bechler das nächste Lied einzählte.

Aus der Seele

Der Musiker und Produzent Bechler hat die Lieder für Rolf Zacher geschrieben und komponiert, und nun sind es Zachers Lieder, er hat sie in seine Seele aufgenommen und von dort kommen sie zurück. "Es macht Spaß mit ihm", sagt Martin Bechler, "man wirft ihm einen Ball zu, und er nimmt ihn auf. Der ist gut drauf." Vor vier Jahren haben sie sich kennengelernt. Rolf Zacher wollte Musik machen, ist früher schon in anderen Projekten als Sänger aufgetreten, diesmal sollte es etwas eigenes sein, und es sollte in kein kommerzielles Schema passen. Das haben die beiden geschafft. Als Pianisten konnten sie den Tastenkünstler Alexander Paeffgen gewinnen, der an Keyboard und Klavier mit seiner Kunst jedem Lied einen Raum, eine besondere Atmosphäre verlieh. Schlagzeuger Joe Kirschgen agierte kongenial variantenreich. Mit dieser ausgezeichneten Band im Rücken sang Rolf Zacher, sprach, pfiff, flüsterte und tanzte. Der 68-Jährige hatte sich für den Abend schick gemacht und auch wieder nicht. Er weigert sich, irgendwelchen Erwartungen zu entsprechen, doch dies auf eine angenehm entspannte und freundliche Weise. Er sang von einsamen Momenten - "Ich warte auf nichts" -, von Nächten, in denen "Messer durch sein Blut rasen", von Tequila und von Kanarienvögeln, denen er nachts die Köpfe abbeißt - … nein, nicht wirklich, aber es klingt prima. "Was ich alles erlebt hab', das musst du erst mal fressen" - das nimmt man ihm ab. Rolf Zacher grinste ins Publikum. "Wart ihr Osten hier? Die lieben mich ja da sehr. Also nicht so wie ihr hier …"

Schräger Humor

Er sprach auch Gedichte von der Pest und von Punks und begeisterte mit dem "Folsom Prison Blues". "War auch mal im Gefängnis, war 'ne gute Erfahrung." Hier klatschte das Publikum mit und jubelte. Ein lustiges Lied, Hans Albers gewidmet, folgte: "Ahoi Matrosen, wir saufen ab, Hurra, gleich sind wir alle nicht mehr da!" Dann ging's zum stillen Mond hinauf und von dort zurück zum Anfang. Zacher sang sein Lieblingslied "Ich warte auf nichts" einfach nochmal: "Hi … hihi!"

Mag mancher im Publikum ob des schrägen Humors und größtenteils ruhigen Programms skeptisch dreingeschaut haben, die positiven Reaktionen überwogen bei weitem und bestätigten die guten Kritiken die Zachers Solo-Debüt bisher bekommen hat. Es gab am Ende viel Applaus. "Komm bald wieder!",rief eine Zuschauerin dem Sänger zu.

Rolf Zacher; Foto: Anke Reimann

Rolf Zacher genießt jede "Scheißminute" auf der Autobahn des Lebens.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 17.11.2009

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2009, Kulturklub Bad Harzburg