Heino Trusheim:

Mann mit dem goldenen Mikrofon

Kulturklub Bad Harzburg präsentiert Heino Trusheim im Bündheimer Schloß

Heino Trusheims Körper ist eine Landkarte, darauf marschieren Haar-Einheiten gen Süden, Südost und Südwest, wobei sie ihm inzwischen in den Rücken gefallen und vom Norden vollständig abgezogen sind. Die Folgen sind ein behaarter Rücken, ein kahler Kopf und die Feststellung, dass man nicht mehr zwanzig ist, sondern 39 und damit in einem Übergangsalter: "Ich blinzele den Töchtern zu und die Mütter lächeln zurück!"

Etwa zweihundert Zuschauer waren am Freitagabend ins Bündheimer Schloß gekommen, um dem Hamburger Stand-up-Comedian Heino Trusheim zu lauschen. Eine Überraschung gab es schon vor dem Auftritt: der Kulturklub hatte die Bühne nicht seitlich, sondern an der Stirnseite des Saales aufgebaut, was optisch einen deutlich besseren Eindruck erweckte. Auf der Bühne stand ein Hocker. Darauf lag und leuchtete ein goldenes Mikrofon.

Damals in den 80ern

"Früher war besser… heute geht auch", war Trusheims Motto, sein Lächeln sprach Bände, damit konnte er über alles reden, über Telefonwählscheiben, knackende Kniescheiben, übers Pupsen beim Yoga und darüber, dass die Zeit als er "Prostata" lediglich für einen Trinkspruch hielt, nun auch vorbei ist. "Ja, man is' ein alter Sack und neulich beim Spazierengehen, da hab ich nicht aufgepasst, da haben sich hinter meinem Rücken die Hände verschränkt."

Damals, in den 80ern, da war er ein Popper mit Haaren auf dem Kopf, mit Polyamidsocken an den feuchten Füßen und einem Vornamen, der kein Griff ins Klo, sondern ein Köpper ins Klärbecken war. Wegen des anderen Heino.

Aber heute, da werden die Kinder immer dicker und bekommen deswegen Doppelnamen, weil einer nicht mehr reicht. "Die heißen dann Ives Paris Montgomery Dombrowolsky oder Cheyenne Savannah Schmidt." Und dann die Handys mit ihren Multifunktionstasten… da sei es eine Wohltat, nach Hause zu Mutter zu kommen, denn "da ist die Zeit stehen geblieben. Sie denkt immer noch, ich wachse." Mama, die Schnäppchenjägerin. Osama bin Laden ist abgetaucht? Kein Problem: "Jungs, setzt den Preis runter, meine Mutter holt den!"

Das Hirn des Mannes

Heino Trusheim mit seinem goldenen Mikrofon wusste sein Publikum trefflich zu unterhalten. Buffet-Stürmer auf Kreuzfahrtschiffen, französische Gepflogenheiten und die Frage nach dem Sitz des männlichen Gehirns waren weitere ergiebige Themen bei der Lacher-Ernte. "Als Gott das Hirn verteilte, sagten wir Männer, prima, pack's in den Sack, wir nehmen's mit."

Die entsprechende Botschaft an die Frauen lautete demzufolge: "Wir kratzen uns nicht, wir denken nach!" Höhepunkt und Abschluss des Abends war Heino Trusheims Kaffee-Bestellung bei Starbucks: "Ich hätte gerne einen Cappuccino…" "Short, tall oder grande? Vollmilch, fettarm oder Sojamilch? Aroma vanilla, hazelnut, almond, caramel oder peppermint? Wet, dry, extrahot oder normal? One shot, doubleshot, trippleshot? Hier trinken oder to go?"

Oh, da fühlt man sich plötzlich alt und überfordert und rückenbehaart. Die Leute indessen hat es köstlich amüsiert. Vielleicht gerade auch deshalb, weil Heino Trusheim an diesem Abend mit zu den zehn Jüngsten im Saal gehörte.

Heino Trusheim; Foto: Anke Reimann

Heino Trusheim liefert im Bündheimer Schloß ein glänzendes Stück Kabarett ab. Und das liegt nicht nur am goldenen Mikrofon. 200 Besucher ließen sich von ihm erzählen, wie das so ist - wenn man in die Jahre kommt. Und mit 39 im Übergangsalter ist.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 08.12.2009

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