"Otto IV:":

Wenn ein Kaiser an Durchfall stirbt

Der Medizinethiker Professor Dr. Dr. Klaus Bergdolt spricht über den Tod Ottos IV. auf der Harzburg

Wenn Kaiser und Könige im Mittelalter starben, dann taten sie das, so meint man, groß und glorreich. Auf dem tosenden Schlachtfeld, hoch zu Ross mit dem Schwert in der Hand. Oder in ihrer Burg. Alt, grau, weise und lebenssatt gingen sie stolz hin-über ins ewige Himmelreich. So starb ein Kaiser. Aber an Durchfall? Das passt nicht ins Bild.

Doch: Der Welfenkaiser Otto IV. erlag am 19. Mai 1218 einer Durchfallerkrankung. Und da das Drama sich auf der Harzburg abspielte, war am Montag der Kölner Mediziner und Medizinethiker Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt in der Stadt, um geschichtsinteressierten Bürgern vom durchaus spektakulären Tod des Welfenkaisers hoch oben auf der Burg zu erzählen.

Das Kaiser-Otto-Jahr

Eingeladen worden war Bergdolt vom Förderverein Historischer Burgberg, der mit dem Vortrag seinen Beitrag zum "Kaiser-Otto-Jahr" in der Braunschweiger Region leistete. Otto IV. wurde vor 800 zum Kaiser gekrönt, ringsum im Land erinnert man daran mit unterschiedlichen Aktionen (zu finden auch unter www.braunschweig.de).

Unterstützt und gefördert wurde die Veranstaltung vom Harzklub, dem Kulturklub als direktem Kooperationspartner und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz als großzügiger Mäzenin.

Mehr als 100 Geschichtsinteressierte kamen am Montag ins Schloß, um zu erfahren, wie Otto IV. vor 791 Jahren quasi hoch über ihrer Stadt (die es damals noch nicht gab) starb. Aber sie erfuhren noch mehr.

Zunächst erzählte der durch und durch geschichtsinteressierte, hoch gebildete und eloquente Professor von Ottos Zeit. Er sprach von Ränkespielen, Feindschaften, Intrigen selbst innerhalb der eigenen Familie und dem Streit Ottos mit dem Papst. Der Kaiser wurde exkommuniziert, ein in damaliger Zeit probates und fürchterliches Mittel der Strafe.

Also setzte der Kaiser, als er den Tod vor Augen hatte, auch alles daran, wieder in den Schoß der Kirche aufgenommen zu werden - von Buße mit Weidenrutenschlägen bis hin zum entwürdigenden letzten Aufbäumen im Kreise der Priester auf einem Teppich vor seinem Sterbebett. Am Ende erlangte er die Absolution, er starb in Reue aber mit dem Segen der Kirche.

War es "grüne Suppe"?

Aber woran starb er nun? Vielleicht an der "grünen Suppe", wie es der Fördervereins-Geschäftführer Horst Woick gern erzählt? An einem Sud, gebraut aus Maiglöckchen statt Bärlauch? Nein, wohl nicht. Aber das mit dem Sud kommt der Sache schon recht nahe. Denn Otto IV. bekam von Freunden eine Abführmedizin, als er zu einer Trinkkur auf der Harlyburg in Vienenburg weilte. Otto wurde krank, der Durchfall beutelte ihn. Der Kaiser zog auf die Harzburg, dort starb er im Laufe der folgenden Tage.

Was war es für ein Mittel, das ihm der Freund gab? Was war es für ein Freund? Bergdolt verstieg sich nicht in Interpretationen oder retrospektive Diagnosen. Er schilderte vielmehr die intensive Dokumentation des Sterbens - ungewöhnlich intensiv. Denn ein mittelalterlicher Herrscher war nicht krank. Jedenfalls nicht öffentlich. Er musste stark bleiben, bis zum Schluss, seine Gegner hätte sonst jede Schwäche genutzt. Und wenn er starb, dann groß und glorreich. Am besten mit dem Schwert in der Hand

Klaus Bergdolt; Foto: Holger Schlegel

Vor seinem Vortrag am Abend im Schloß besucht Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt den Ort, an dem Otto IV. starb: die Ruine der Harzburg mit dem "Otto-Turm".

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mi., 13.05.2009

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