"Norman, bis du es?":

Huch! Ein Nackedei auf der Bühne!

Theaterstück "Norman, bis du es?": Sprüche und Lacher, aber ein Mangel an Höhen und Tiefen

Zwei Premieren feierte die Bühne Bad Harzburg bei einer Vorstellung der Theatergastspiele Kempf im Kursaal. Die erste: Es gab einen nagelneuen Theatergong, der vor Beginn der Vorstellung gemütlich im Programmheft schmökernde Theaterbesucher aus dem gerade angewärmten Sitz riss. "Ding, Dang, Dong!" Herzrasen inklusive, schließlich sollte er bis in den Vorraum hinein gehört werden. So ist nun die Zeit vorbei, als Kulturklub-Mitglieder mit Löffeln gegen Sektgläser schlugen und damit das Ende der Pause einläuteten, wobei auch manches Glas zu Bruch ging. Ein professioneller, gläserschonender Gong also.

Solides Schauspiel

Die zweite Premiere: Es gab auf der Bühne Bad Harzburg ganze zwei Sekunden lang den ersten nackten Mann zu sehen. Damit hatte keiner im Publikum gerechnet. So war der Auftakt ganz amüsant. Es war allerdings die einzige Überraschung, die der Theaterabend bot. Das Stück "Norman, bist du es?" wurde 1970 von Ron Clark und Sam Bobrick geschrieben und handelt von einem Vater, der begreifen muss, dass sein Sohn schwul und glücklich verliebt ist. Damals ein brisantes Thema, eine Komödie auf einem schmalen Grat der Akzeptanz. Heute ist es keine Gratwanderung mehr, nur noch nett, unterhaltsam vielleicht wegen der Witze, die sich zu diesem Thema nach wie vor anbieten und von denen auch keiner ausgelassen wurde. Es gab in dieser Inszenierung von Helmuth Fuschl viele Sprüche und Lacher, einen Mangel an Höhen und Tiefen, solides Schauspiel, aber wenig Spiel.

Kalle Pohl hatte als Vater Bernhard das Sprüchemonopol sozusagen für sich gepachtet. Er war weinerlich, weil ihm die Frau fremdging und gemein zu allen anderen, weil die schwul waren oder eben weiblich.

Es war vom Text her die dankbarste Rolle. Manchmal spielte Pohl sie in den Zuschauerraum hinein, dann wurde er kurzzeitig zum Kabarettisten um - nun ja - noch einen Spruch zu säen und noch ein kleines Gelächter mehr zu ernten. Dem Spannungsbogen für das Theaterstück tat dies nicht gerade gut.

Otto Beckmann verkörperte den Sohn Norman sympathisch, jung und glaubhaft. Seinem Schauspiel-Partner Julian Manuel fiel die etwas undankbare Rolle des Tom zu, der sich in den siebziger Jahren tapfer gegen die ablehnende Haltung des (Schwieger-)Vaters zur Wehr zu setzen hatte. Heute jedoch entsteht das eher unangenehme Bild eines Moralapostels.

Keine Brisanz mehr

Die Tiefen des Stückes sind verschwunden, was ein Glück ist, denn dies spricht dafür, dass die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft gestiegen ist, auch dank eines solchen Theatertextes. Einiges mag noch aktuell sein, aber brisant ist es nicht mehr.

Ruth Willems spielte die käufliche Babsi, die die Jungs auf Wunsch des Vaters bekehren soll. Bei ihrem Anblick ruft Normans frisch informierte Mutter entsetzt: "Norman, bist du es?" Das war die beste Stelle im Stück. Heike Thiem-Schneider sprach in der Mutterrolle auch den erlösenden Satz, dass sie nicht glücklich über die Situation ist, ihren Sohn aber trotzdem so lieb hat, wie er ist. Damit fügte sich am Ende alles zum Guten.

Die Meinung der Zuschauer über die Vorstellung war geteilt. Einige fanden sie lustig, andere fanden sie seicht.

Foto: Anke Reimann

Für die einen lustig, für die anderen seicht, auf alle Fälle aber amüsant: "Norman, bist du es?", gespielt von (von links) Otto Beckmann (Norman Wolters), Heike Thiem-Schneider (Bettina Wolters), Kalle Pohl (Bernhard Wolters), Julian Manuel (Tom Fröhlich) und Ruth Willems (Babsi).

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Sa., 24.10.2009

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