Neujahrskonzert:

Ab in den Süden, der Sonne hinterher

Während draußen der Schnee kommt, erleben im Kursaal 550 Besucher lateinamerikanisches Neujahrskonzert

Am Samstagabend kroch der Winter ins Land. Schnee lag in der Luft, am nächsten Morgen war er da, auf Bad Harzburg warten sibirische Tage. Doch zuvor gab es noch eine "Spanische Nacht". Präsentiert vom Kulturklub, dargeboten vom Staatsorchester Braunschweig und erlebt von 550 Gästen beim Neujahrskonzert im Kursaal.

Zum 17. Mal startete die Kurstadt mit einem Konzert des Braunschweiger Ensembles ins Jahr. Und zum 15. Mal war diese Veranstaltung ausverkauft. Ein großes klassisches Erlebnis gehört einfach in die ersten Tage des Januars, es hat Tradition.

Strauß bleibt draußen

Und eigentlich hat auch das Programm für einen solchen Abend Tradition: Österreich, Wien, am besten Strauß, soweit das Ohr hört. Aber warum nicht ein Stückchen weiter reisen? Wien links liegen lassen und ab in den Süden? Der Sonne hinterher? Nach Spanien und Lateinamerika, wo es heiß ist und feurig. Das ist noch mal was Neues. "Andere Mütter haben auch nette Söhne", so drückte es Margarete Demmnig aus, als sie die Gäste im Namen der Veranstalter begrüßte.

Na, da war man ja gespannt. "Spanische Klassik", das klingt nach Carmen und Co., da erwartet man fulminante Rhythmen, ein wenig Bombast, ein bisschen Kitsch. Das gab es auch. Aber nicht nur. Carmen, gut, die gehörte dazu, aber sie ließ auf sich warten. Zunächst hatte Dirigent José Luis Dominguez seinem Ensemble die neuen Südländer auf die Notenpulte gelegt. Arturo Márquez (geboren 1950) zum Beispiel mit "Danzón Nr. 2" von 1993, einer musikalischen Wundertüte in der Orientalisches, Monumentales, Liebevolles und sogar Schräges verborgen war.

Dann der Mexikaner José Pablo Moncayo (1912 bis 1958) mit "Huapango". Frisch, forsch, frech mit manch munterem Tongewusel. Dem Ensemble war Spielfreude auch bei diesem anspruchsvollen Stück anzumerken und das fröhliche Dirigat von José Luis Dominguez machte es sogar optisch zu einem Erlebnis.

Alberto Evaristo Ginastera (1916 bis 1983) war mit der Ballett-Suite "Estanica" vertreten - jetzt wurde es dramatisch, bombastisch, böse, stürmisch, aber auch schwermütig und fast melancholisch. So ist er, der Süden.

Klassische Klassik

Wem aber all diese musikalischen Erfahrungen vielleicht ein wenig zu neu waren, der wurde im zweiten Teil mit klassischerer Klassik entschädigt. Auch wenn die so viel älter nun auch nicht war.

Bizets "Carmen"-Suite zum Wiedererkennen und gedanklichen Mitklatschen und Mitsingen machte den Anfang. Danach Ravels anspruchsvoll schwermütige "Rhapsodie Espanole" - und schließlich das Meisterwerk, das jeder schon gehört hat: Ravels "Bolero", eins der meistgespielten Werke der Orchestermusik. Ein 17-minütiger Spannungsbogen, ein ständiges Crescendo - und immer wieder ein Anlass festzustellen, dass auch ein kleiner Trommler im Mittelpunkt stehen kann.

Aber diesen Abend stand letztlich wieder das ganze Ensemble im Mittelpunkt, das Staatsorchester beweis Klasse. Mit Dominguez stand zudem ein Dirigent auf dem Pult, der alle sicher und frisch durch die "Spanische Nacht" führte.

Aber spanische Nächte sind doch kurz. Nach zwei Stunden Süden mit Feuer und Glut entließ das Braunschweiger Orchester seine begeisterten Gäste ins neue Jahr - und in die klirrende Kälte der langen Bad Harzburger Nacht.


Foto: Holger Schlegel

José Luis Dominguez führt das Staatsorchester Braunschweig sicher und mit großer Geste durch die "Spanische Nacht" und brennt mit seinem Ensemble im Kursaal ein Feuerwerk lateinameri- kanischer Musik ab.

Foto: Holger Schlegel

Margarete Demmnig begrüßt im Kursaal an die 550 Besucher. Das Neujahrskonzert war nun schon zum 15. Mal in Folge ausverkauft.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 05.01.2009

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