Gefährliche Liebschaften:

Von der Aufgabe des Verführens

Kulturklub bietet einen erotischen Schauspielabend mit Siemen Rühaak in "Gefährliche Liebschaften"

Lust und Leidenschaft. Und Liebe? Auf jeden Fall Enttäuschung, Kränkung, die zur Rachsucht wird. Das ist 'ne ordentliche Portion emotionaler Ausbrüche. Aufgetischt wurde sie am Freitag im Kursaal mit dem Stück "Gefährliche Liebschaften", präsentiert von den Theatergastspielen Kempf auf Einladung des Kulturklubs Bad Harzburg.

Losgetreten wird die Gefühlslawine von der Marquise de Merteuil, lange Zeit in ihrer Bahn gehalten durch Lug und Trug - um am Ende die Verursacherin all der Schlechtigkeiten selbst zu überrollen. Und so stellt sich das Geflecht der Beteiligten dar, die eine Zeit kurz vor der Französischen Revolution durchleben: Die Marquise, gekränkt von ihrem ehemaligen Liebhaber Comte de Gercourt, benutzt Klosterschülerin Cécile de Volanges. Denn sie ist die Braut des Comte. Eine Verbindung, geschaffen für Intrigen.

Unerfahrenes Ding

Was hat sie vor, um dem Ex gesellschaftlich zu schaden? Cécile darf nicht unberührt bleiben. Also: Vicomte de Valmont, ebenfalls ein ehemaliger Geliebter der Marquise, soll das Mädchen verführen. Küsst das unerfahrene Ding, steckt seinen Kopf unter ihr Nachtgewand. Cécile ist hin und weg, Valmonts Aufgabe erfüllt.

Dem aber nicht genug: Auch die Präsidentin de Tourvel, eine tugendhafte und moralisch gefestigte verheiratete Endzwanzigerin, steht auf der schwarzen Liste der Marquise. Die Aufgabe für Valmont: Wieder Verführung. Seine Belohnung: Die Leidenschaft der Marquise.

Ach, noch einer gerät in ihre Fänge: Der junge Chevalier Danceny. Er liebt Cécile, sie liebt ihn. Bester Nährboden für die Gift versprühende Marquise.

Erotische Szenen bieten trotz des zynischen Hintergrundes Platz für Humoriges. Irgendwie ist sowieso alles umgeben von einem Mantel aus Fiesem und Lächerlichem. Wie wenig muss sich ein Mensch mögen, der Anderen falsche Emotionen vorgaukelt, der sie bis in ihre Seele hinein verletzt?

Die Schauspieler um die beiden Hauptakteure Siemen Rühaak als erotisierender Vicomte und Angelika Perdelwitz als liebeshungrige und gallige Marquise füllen ihre Rollen fast bis zum Bersten aus. So üppig ihre Kostümierung, so voluminös ihre Stimmen, so stark ihre Mimik, so intensiv zeigen sie dem Publikum die Innenwelten ihrer Figuren. Szenenapplaus ist den Darstellern gewiss.

Klassiker im Rahmen

Wunderbar das Bühnenbild aus überdimensionierten Bilderrahmen. Sie sind die besondere Kulisse für den Klassiker: Grundlage des Schauspiels von Christopher Hampton lieferte der Briefroman "Les Liaisons Dangereuses" von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos.

Wie endet seine fiktive für alle Beteiligten dramatische Geschichte? So viel Boshaftigkeit, wie sie die Marquise austeilt - wird die nicht irgendwann mal bestraft? Ja, mit Blattern, mit Pocken. "Sie trägt jetzt ihre Seele im Gesicht." Langanhaltender Beifall für die bestechende Leistung - und sicher auch ein wenig aus Genugtuung. Der Kulturklub hat mit dem Klassiker ein inhaltlich bitteres, aber darstellerisch großes sowie durch und durch schmackhaftes Bonbon auf die "Bühne Bad Harzburg" geholt.

Foto: Angela Potthast

Die boshafte Intrigantin Marquise de Merteuil (Angelika Perdelwitz, l.), ihr Mittel zum Zweck Vicomte de Valmont als Verführer (Siemen Rükaak, r.) und ihr Opfer, Madame de Tourvel (Christa Pasch).

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 24.02.2009

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