Lalelu:

Sexy-Sanna, Fußpilz und der spanische Pofalla-Tanz

Kulturklub lädt "LaLeLu" ein - Comedy-A-cappella-Gruppe klärt im Kursaal über Deutschland und die Deutschen auf

Tobias, Sanna, Jan und Sören haben viel zu erzählen. Beim Gastspiel im Kursaal "über das Land, das viele nur vom Hörensagen kennen": Deutschland. Die Vier sind "LaLeLu", eine Comedy-A-cappella-Gruppe aus Hamburg, eingeladen vom Kulturklub. Eine, die am Ende ihrer Deutsch-Politik-Geografie-Stunden mit dem Titel "Grundlos eitel" Standing Ovations bekommt.

Na typisch deutsch, der Gartenzwerg. Ein Klischee ist ja damit schon mal abgedeckt. Als Pappkamerad steht er auf der Bühne und schaut sich das mehr als muntere Treiben um weitere deutsche Merkmale an. Da ist der Tribut an die Fußballnationalmannschaft. Die Musik: "Brazil". Der Text: Spielernamen.

Wattwurm bellt

Da kriegen die Bundesländer und ihre Bewohner ihr Fett weg mit Sprüchen wie "Eher hörst Du einen Wattwurm bellen, als dass ein Sachse hochdeutsch spricht." Im Rap-Battle geht's um die vorzüglichsten Vorzüge von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern: "Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen", kommt von MC Zahnseide (Sören). "Du bist aus Niedersachsen, sturmfest, und die Fußnägel festgewachsen", hält MC Extension (Tobias) dagegen. Und MC Eileiter (Sanna) wird richtig ätzend: "Bettnässer, Besserwisser, stocksteife Körnerfresser." Trotzdem: MC Zahnseide gewinnt den Kampf - entscheidet das Bad Harzburger Publikum.

Allgemeines über Deutschland und die Bürger, ganz spezielle, einen im Besonderen hat der Spanier (Jan) noch abzugeben: "Deutsche haben lange Nasen, die meisten sind Prolls, nur einer ist ein Frauenverführer, Generalsekretär Ronald Pofalla." Und der Spanier tanzt den Pofalla-Tanz.

Nicht nur Spanier mögen die Deutschen so sehen. Deutschen ergeht es bei Eigenreflektion bestimmt genauso. Wenn man mal Familienausflüge nimmt. Die zum Entenfüttern beispielsweise. Da gibt es die, die füttern. Und die, die Bedenken tragen. Treffen sie aufeinander, ist Zoff angesagt.

Im Zusammenspiel, wie in der "Entenfüttern-Szene", sind sie schon klasse, die "LaLeLu"-Strategen. Eins drauf setzen sie noch, wenn jeder einzelne seine Spezialitäten präsentieren darf: Jan als Max Mutzke, den Zopf nach vorne geklappt, das Jacket gegen den obligatorischen Mutzke'schen Pullover ausgetauscht, singt er sich das Leid des auf die Frau wartenden Mannes von der Seele. Und Jan mit der aufblasbaren E-Gitarre. Die Töne, nicht von dem Pseudo-Teil, wie auch. Jan ist die E-Gitarre. Wow.

Sanna, die "Meck-Pom-Finninininin". Sexy-Sanna singt den finnischen Tango. Melancholie kommt auf. Nur kurz. Denn dann wird's eklig: raue Füße, gelbe Fußnägel, Fußpilz besingt sie in ihrem Sauna-Liebes-Lied. Und Sanna als "Geräusche-Woman". Die kann mit ihrer Stimme Tonlagen erreichen, die unglaublich sind. Wow.

Sonniger Bengel

Tobias als Dresdener Professor, Kämpfer für die Erhaltung der deutschen Sprache: Die Discothek ist ein Tanzlokal, der Sunnyboy ein sonniger Bengel, der PC ein Rechner für Zuhause, der immer kaputt geht. Und Tobias als Imitator: Marcel Reich-Ranicki, Ulla Schmidt, Gerhard Schröder, Edmund Stoiber . . . und die Merkel. Wow.

Sören als Moderator des Abends. Sören als Improvisierer: Lässt sich von einer Zuschauerin Stichworte geben, sucht sich eine Melodie und vertextet mal eben so die gerade gehörten Wörter zum Lied über den Spaziergang durch Bad Harzburg. Wow. Zwei Zugaben, Standing Ovations. Gut das heißt: "LaLeLu" werden bestimmt nicht zum letzten Mal in der Kurstadt gewesen sein - die sicher auch so einige typisch deutsche Eigenschaften hat.

Lalelu; Foto: Angela Potthast

Der Sören geht zu Boden, und zwar gleich am Anfang. Doch, keine Sorge, die anderen "LaLeLus" Tobias, Jan und Sanna (von links) müssen nachher nicht ohne ihn auskommen.

Fotos und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 31.03.2009

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