Stefan Jürgens:

Die komische Traurigkeit reifender Liebe

Kulturklub Bad Harzburg präsentierte Stefan Jürgens und seine Band im Rittersaal des Bündheimer Schlosses

Wie hält eine Beziehung?", fragte der Mann auf der Bühne. "Mit Klebstoff", antwortete einer aus dem Publikum im Bündheimer Schloss. Dort herrschte aufgeräumte Stimmung: Stefan Jürgens, bekannt als Tatort-Kommissar und Comedian der einstigen TV-Show "Samstag Nacht" war auf Einladung des Kulturklubs zu Gast. Entsprechend waren die Erwartungen der etwa 400 Zuschauer - würde es sie geben, die bösen kleinen Seitenhiebe und Sprüche, wie Jürgens sie als Comedian im TV präsentierte? Das Mann-Frau-Thema seines Programmes "Alles aus Liebe" lud dazu ein.

Auf die Bühne kamen vier Musiker: Matthias Kahra an der E-Gitarre, Sascha Magister am Keyboard, Johannes Maximilian Bendel am Schlagzeug und Stefan Jürgens an Klavier und Mikrofon. Traumhaft schöne Lieder von Liebe präsentierten sie in vielfältigem Klang, abwechslungsreich, melancholisch, warmherzig. Das ist Stefan Jürgens, der Kabarettist? Ja, das ist er. Es sind seine Songs. Böse Sprüche hatte er auch im Gepäck, doch die waren im Prinzip Nebensache, Gewürz auf dem Sound einer Lebens-, einer Liebesgeschichte, die er eingehüllt in einen bunten Flickenmantel cooler Sprüche, ernsthaft und anrührend erzählte, ohne jemals ihre Pro-tagonisten zu verraten oder ins Lächerliche zu ziehen.

Comedyblues - komische Traurigkeit - nennt Jürgens treffend seinen Mix aus Kabarett und Poesie, der manchen auch verwirrt haben mag. Stark, wie er sang: "Du hast den Sturm besiegt, die Elemente werden still, die Sintflut selbst versiegt in deinem Blick…" und sich danach eine Zigarette ansteckte, ins Publikum blinzelte und behauptete: "Rauchen ist total männlich. Aber die Weiber schicken ihre Männer zum Rauchen aufs Klo, und da sitzen die dann mit heruntergelassener Hose, mit ´nem Duftbäumchen um den Hals, am offenen Fenster… Das ist nicht cool!" Er zündete sich daraufhin zwei Zigaretten an. "Wer´n coolen Mann haben will, muss seinen Gestank ertragen."

Wie das Älterwerden die Liebe verändert, erzählte der 46-jährige Jürgens: "Wohin ich auch seh, alle Wege zu breit, der Ausblick zu klar…" Was nun? Heulend im Keller hocken, oder nackt auf dem Dach tanzen? "Hören Sie, liebe Frauen, wenn Sie Ihren Mann Pupsi nennen, dürfen Sie nicht erwarten, dass er Sie mit einer Machete zwischen den Zähnen durch den Urwald schwingt!"

Seine Leidenschaft entflammte neu … mit einer anderen Frau - zwei Frauen, zwei Welten - und die Unfähigkeit sich zu entscheiden. "Du bist die Nacht, der Morgen ist sie." Leiden an sich selbst und dann die Rückkehr … in eine reifere Liebe, eine ohne falsche Erwartungen? "Lass uns das schmale Glück riskieren", sang Jürgens. Kongenial war dazu das Spiel der Band, Kahras Gitarre in allen Klangfarben, Bendels Schlagzeug durch eine Plexiglasscheibe ein wenig gedämpft und im Gesanglichen Magisters harmonierende zweite Stimme. Wer die Musik des erfolgreichen Ostmusikers IC Falkenberg kennt und mag, wird auch diese Lieder von Stefan Jürgens lieben. Absolut hörenswert, mit Mut zum Gefühl und so ganz anders geartet als das kabarettistische Drumherum. Doch genau von diesem Kontrast lebte das Programm. Es überraschte und begeisterte die einen und enttäuschte vielleicht die anderen, die es gern schräger und schenkelklopfiger gehabt hätten. Kurzum: es hatte Klasse.

Stefan Jürgens; Foto: Anke Reimann

"Alles aus Liebe": Stefan Jürgens (Mitte) und seine Band im Bündheimer Schloß.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 29.09.2009

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