Katrin Hummel:

Wenn Krankheit Gefühle frisst

Katrin Hummels Buch "Gute Nacht, Liebster" über Demenz in der eigenen Familie

Sie hat es erlebt, in der eigenen Familie, beim Vater: Demenz. Über das, was ihre Mutter emotional mitmachte damals, hat Katrin Hummel geschrieben. Das daraus entstandene Buch "Gute Nacht. Liebster" stellte sie im Bündheimer Schloss vor. Fast 70 Gäste waren gekommen. Im Anschluss an die Lesung hatten sie die Möglichkeit, mit der jungen Autorin ins Gespräch zu kommen.

Den Rahmen, das Thema Demenz in den Vordergrund zu stellen, bot der Kulturklub. Margarete Demmnig, Vorstands-Mitglied in dem Bad Harzburger Verein, begrüßte die Gäste - zweimal. Zunächst so, wie Zuschauer immer in Empfang genommen und in den Programmablauf eingewiesen werden. Und dann sehr persönlich. Denn die Mutter von Margarete Demmnig ist an Demenz erkrankt. Auch sie weiß um die Belastungen, die für die Angehörigen mit dieser Krankheit einhergehen.

Wie schwer die sind, schilderte Katrin Hummel - vielmehr ließ es durch ihre Mutter schildern. Im Buch hat sie ihr den Namen Hilda gegeben, dem Vater den Namen Hans. Katrin Hummel hat ihre Mutter interviewt, sehr oft, hat alles auf Band aufgenommen. Die Tochter spürte, dass es der Mutter gut tat, darüber zu reden. Das sagte sie im Gespräch mit den Gästen im Schloss. Das merkte der Zuhörer während der Lesung.

Und er bekam aufgrund der gut gewählten Passagen aus dem Buch mit, was es bedeutet, die immensen Verhaltens-Veränderungen zu ertragen, mit ihnen umzugehen. Die Diagnose für Katrin Hummels Vater lautete "frontotemporale Demenz". Gefühlskälte, asoziales Verhaltenhat die Tochter als erste Anzeichen wahrgenommen. Verstummen gehörte irgendwann auch dazu. Mitdiesem Rückzug und der Emotionslosigkeit musste sich ihre Mutter abfinden.

Äußerst bewegend die Sätze, die den Tanz von Hilda und Hans beschreiben - zu ihrem Lied und mit deutlicher Reaktion von Hans: Er umarmte Hilda. Beglückend für sie, anrührend für den Zuhörer. Umso mehr als Hilda intensive Einblicke in die ersten Jahre der Beziehung zu Hans gewährt: Wie sie sich kennenlernten, wie sie zusammenkamen, vom Heiratsantrag, den sie vorbereitete und den er vollendete. 30 Jahre Ehe folgten, Kinder; Enkel, Erfolg im Beruf.

An eine Abschiedsszene erinnerte sich Katrin Hummel am Freitagabend im Bündheimer Schloss: Sie war zu Besuch bei den Eltern, wollte wieder an ihren Studienort zurück,umarmte die Mutter, umarmte den Vater. Der schaute ihr tief in die Augen und nickte - ein Abschied aus dem gesunden Leben. Katrin Hummels Vater starb fünf Jahre nach Diagnose-Stellung. Er wurde 67 Jahre alt.

Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mi., 23.09.2009
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