Das Geld anderer Leute:

Komödie verfehlt wortreich die Pointen

Bühne Bad Harzburg präsentiert "Das Geld anderer Leute" mit prominenten Schauspielern

Im Film heißt er Garfield, im Theaterstück Garfinkle. Er ist reich und gemein und sein Steckenpferd ist "Das Geld anderer Leute". In diesem Stück - geschrieben von Wallstreet-Insider Jerry Sterner - spielt der böse, und nur zu seinem persönlichen Vergnügen gierige "Firmenliquidator" die Hauptrolle. Das guckt man sich dieser Tage gerne an aus aktuellen Finanzdesastergründen. Ja, in diesem Stück, da wird mal gezeigt wie es ist, aber lustig ist etwas anderes.

Am Donnerstagabend führte die Landesbühne Rheinland-Pfalz "Das Geld anderer Leute" im gut besuchten Kurhaus auf - mit Martin Semmelrogge in der Rolle des Lawrence Garfinkle. Es geht um eine Firma, deren Präsident tapfer um das Überleben kämpft. Doch nun wird sie mehr und mehr Opfer eines Übernahme-Hais, der am Bankrott verdienen will. Eine junge Anwältin soll das verhindern.

Nicht spannend

Es sollte eine Komödie sein. Dazu reicht es jedoch nicht, einen Semmelrogge agieren zu lassen und sich um den Rest keine großen Gedanken zu machen. Die einfallslose Regie von Gert Becker versagte in geradezu jeder zähen, wortlastigen Minute die Chance auf ein gutes, befreiendes Lachen. Da gab es einigen Börsenkauderwelsch, energiegeladen gesprochene Dialoge, viele untergegangene Pointen, die eigenartige Stimme Semmelrogges im Kontrast zu der sehr schönen Stimme von Karl-Heinz Dickmann als Andrew Jorgenson, den Firmenbesitzer mit Herz, der natürlich am Ende unterliegen muss.

Der Geldhai siegt über die Seele von Mensch. Das ist nicht neu und auch nicht spannend. Dennoch ist das Stück eines der erfolgreichsten Theaterstücke, die aufgeführt werden. Es wurde sogar mit Danny de Vito in der Hauptrolle verfilmt. Also muss doch mehr darin stecken.

Zwischenmenschliche Beziehungen zum Beispiel. Es gab den verantwortungsvollen Menschen Jorgenson, den Verräter William Coles (gespielt von "T.V.-Kaiser" Martin Zuhr), die liebende und opferbereite Mitarbeiterin Bea Sullivan (gespielt in nachteiligem Kostüm von Renate Clair) und ihre schöne, zur Firmenrettung engagierte Tochter Kate Sullivan, die Anwältin (gespielt von Susann Fabiero). Potential genug, dem Affen ordentlich Zucker zu geben. Doch die Figuren agierten jede für sich und keine von ihnen durchlebte irgendeine Veränderung oder Verunsicherung. Langweilig. Das Ende des Stückes, zum Beispiel, lässt die Vermutung zu, dass die Gegner Kate und Garfinkle sich während ihres Duells ineinander verlieben. Aber im Spiel der beiden Akteure gibt es keinerlei Hinweis auf solch einen Vorgang, keine Brüche in der Charakterisierung der Figuren, keine überraschenden Wendungen, keine Pause im Wortschwall.

Die einzigen Lacher erzielte Martin Semmelrogge als Martin Semmelrogge, weil seine Figur so etwas sagt wie: "Verklagt und vorgeladen - auf dem Gebiet bin ich ein Profi."

Keine Gegenleistung

Theater soll nicht nur unterhalten. Theater darf auch anstrengend sein, aber dafür muss es eine Gegenleistung bieten: eine gute Handlung, spannende Figuren, szenische Ideen. Es ist eine einfache Rechnung, die in diesem Fall folgendes Ergebnis erzielte: Das Publikum hat bezahlt, aber auf seine Kosten gekommen ist es nicht.

Foto: Anke Reimann

Prominente Schauspieler allein garantieren keinen vergnüglichen Theaterabend (v.l.): Martin Semmelrogge, Susanne Fabiero, Martin Zuhr, Renate Clair und Karl-Heinz Dickmann.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Sa., 07.03.2009

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2009, Kulturklub Bad Harzburg