Fatih Cevikkollu:

Das Grau des Alltags bunt sprechen

Kabarettist Fatih Cevikkollu begeistert die Menschen im Schloß mit intelligentem deutsch-türkischen Humor

Wenn man die Macken eines Volkes, beispielsweise des deutschen, scharf seziert, dann hilft es, wenn man dazugehört. Also Deutscher ist. Aber es hilft noch mehr, wenn man eine gewisse Distanz hat. Beispielsweise weil man gleichzeitig noch Türke ist. Und wenn dann noch ein intellektueller Abstand da ist, wird daraus eine runde Sache. Leider ist das eine seltene Kombination. Fatih Cevikkollu bringt sie mit. Am Samstag unterhielt er damit rund 250 Besucher bei einem Kabarettabend des Kulturklubs im Bündheimer Schloß.

Schneller Humor

Fatih Cevikkollu ist waschechter Deutscher. In Köln-Nippes geboren und aufgewachsen. Waschechter geht kaum. Aber er ist eben auch Türke, ein originaler „Murat“ oder „Ali“ wenn man so will. Er kennt und liebt also die Eigenschafter beider Kulturkreise. Und er kann es sich erlauben, mit deren Unzulänglichkeiten zu spielen.

Zum Beispiel mit den Problemen, die viele Deutsche bereits dann haben, wenn sie den Mund aufmachen: „Was ist aus unserer schönen Sprache geworden?“ Welche meint er nun? „Deutsch, oder hörst du gerade noch eine andere?“ Fast den ganzen ersten Teil seines knapp zweieinhalbstündigen Programms amüsierte Cevikkollu das Publikum mit dem Drang der Deutschen, sich mit Worten international aufzuwerten, „das Grau des Alltags bunt zu sprechen“. Im Osten schuf dieses Phänomen tausende von Mandys und Ronnys, im Westen Standing Ovations, Win-Win-Situationen, Events und abgefahrene Locations. „Da wächst man in Deutschland auf, sagt ja zur deutschen Sprache und stellt plötzlich fest, dass man der einzige ist.“ Wo sind sie hin die schönen Worte? Mundschenk statt Barkeeper – das hat doch Kraft. Und was spricht gegen einen Klapprechner von Apfel? Stattdessen: Fußball-Coach. „Wo ist das gute alte deutsche Wort Trainer hin…?“

Das ist Humor à la Fatih Cevikkollu. Humor, der rasend schnell kommt und genauso schnell angenommen werden muss. Aber das Harzburger Kabarett-Publikum zeigte sich wieder aufgeschlossen. Man verstand die schlaue Ironie, ging mit, freute sich, schwatzte zwar manchmal frech dazwischen, aber wusste genau, wann man Fatih wieder sein Ding machen lassen sollte. Da war Stimmung im Schloß.

Kein „Murat-Abend“

Manch einer mag vielleicht auch ein wenig überrascht gewesen sein. Fatih kennt man als Murat, den Vorzeige-Türken aus der seichten RTL-Serie „Alles Atze“ mit Atze Schröder. Hier aber erlebte man Fatih, den wortgewandten Kabarettisten, der weit weg ist von Klamauk und Klischee. Einen Mann der Deutschen und Türken gleichermaßen ihre Macken unter die Nase reibt, ohne sie auch nur eine Silbe lang zu kränken. Das ist Integration und Völkerverständigung auf einem ganz besonderen Niveau.

Mit Fatih können alle lachen. Über sich, über die anderen. Denn „die einen und die anderen“ unterscheiden sich bei Cevikkollu nicht durch Religion oder Nationalität. Fatih ist es egal, ob jemand Deutscher, Türke oder sonst etwas ist – solange er clever ist und gut drauf. Und nicht verbohrt, dumpf und doof. So soll es sein. Holger Schlegel

„Alles easy, alles cool, alle haben maximum fun!“ Neben Politik, kulturellen Unterschieden und vielen Kuriositäten des täglichen Miteinanders ist es besonders das Verhunzen der deutschen Sprache, das Fatih Cevikkollu in seinem Kabarett-Programm verarbeitet.

Fatih Cevikkollu; Foto: Holger Schlegel

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Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 12.10.2009

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