HG Butzko:

Die vier Gesichter der Bankenkrise

Starker Auftakt: Kulturklub eröffnet sein Kabarettangebot 2009 mit HG. Butzko im Bündheimer Schloß

Die Bankenkrise aus vier verschiedenen Blickwinkeln kredenzte HG. Butzko am Sonnabend im Schloss seinem herzlich amüsierten Publikum. Einmal als HG. Butzko selbst – beim Pokern beispielsweise: „Du hast kein Geld, dann leih dir die Schulden, die du beim Dritten hast, dafür geb ich dir die Schulden, die ich beim Vierten hab. Wie viel Geld liegt dann auf dem Tisch? So ein Banker fragt sich auch: Geld, was ist das denn?“

„Rettet den Wald“

Dann als Bankräuber, halbtagskriminell, der sich aus Versehen beinahe eine blickdichte Strumpfhose kauft: „Ich weiß ja nicht, wie Sie das geht, aber mich geht das so: wenn ich ein 50-Cent-Stück sehe, dann will ich immer reflexartig die Kanten aufknibbeln und die Schokolade rausholen. Was für’n Scheißgeld.“ Dann kommt Rudolf „Ich-kann-nicht-verlieren“ Heiermann, der dritte im Bunde, Geldhai von Beruf, erkennbar an einer Riesenzigarre. Ein Kenner der Wirtschaft, der keine Angst vor der Gewerkschaft hat. „Von wegen: Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will, ha! Wo keine Räder mehr sind, da ist mir doch der starke Arm egal. Was ist eine Gewerkschaft ohne Werk? Ge-Schafft!“ Und der vierte ist Chris Diemotten: „Rettet den Wald. Esst mehr Biber.“

Vier Typen – ein Kabarettist mit klassischer Schauspielausbildung. Er stammt aus Gelsenkirchen aus DEM Stadtteil: „Ja, wirklich, das prägt! Wir wollten damals alle werden wie Günter Netzer. Und mein Fußballtrainer auf Schalke hat geschrien: Butzko! Fußball is’n Laufsport! Auf der Stelle stehen und Sprüche klopfen – da kannste Kabarettist werden! Seh’n Sie.“

Er war jung, als das Überspielkabel die Musik-Aufnahmetechnik revolutionierte, als es noch einen Begriff gab, den heute keiner mehr kennt: „Sendeschluss“. Verändern sich die Dinge wirklich, oder wird man einfach nur älter und ändert seine Sicht auf die Dinge? Butzko präsentierte mit seinem Programm „Spitzenreiter“ Höhepunkte aus zehn Jahren Solokabarett. Sympathisch und auf eine angenehm natürliche Art nimmt er sich des nationalen und globalen Aberwitzes an. Wortgewandt und pointiert zieht er seine Schlüsse aus politischen und alltäglichen Kapriolen, zitiert Goethe und Angela Merkel.

Hirn auflockern

Auch Letztere hat ein Buch geschrieben. Es heißt: „Mein Weg“. Dazu Butzko: „Zum Glück ist sie nur unterwegs. Gott sei Dank kämpft sie nicht!“ Einen kleinen Teil der Schenkelklopfer in seinem Programm überließ er gern der Autorin des Originaltextes.

Da Bankenkrise und Politik auf Dauer jegliches Hirn gewaltig strapazieren können, gab es auch ein paar Hirnauflockerungsübungen wie die Fragen von Chris Diemotten: „Muss ich ertrinken bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit? Wie kommt ein Schneepflugfahrer morgens zur Arbeit? Warum sind beim Spiegel rechts und links vertauscht, aber nicht oben und unten? Wie kommt das Betreten-Verboten-Schild auf die Rasenfläche? Wenn du mit Schallgeschwindigkeit unterwegs bist und lässt einen fahren, kannst du den riechen, bevor du ihn hörst? Eh Alter, mein Therapeut hat Angst vor mir!“

Höhen und Abgründe in ein Paket geschnürt – den Zuschauern gefiel es. Sie gaben Stakkato-Applaus und versprachen, beim nächsten Gastspiel wiederzukommen. Dafür bekamen sie eine Liebeserklärung von Butzko: „Sie sind das Publikum, das ich mir seit meiner Geburt gewünscht habe.“ Haha. „Was? Sie glauben nicht, wie es manchmal früher als Schauspieler war, im Theater. Seniorenabo. Stille im Zuschauerraum. Das war heute ganz anders und dafür danke ich Ihnen.“ Absolut glaubwürdig der Mann, der mal werden wollte wie Günter Netzer.

Foto: Anke ReimannFoto: Anke ReimannFoto: Anke ReimannFoto: Anke Reimann

Vier Typen – ein Kabarettist (von links): HG. Butzko als HG. Butzko, als Rudolf „Ich-kann-nicht-verlieren“ Heiermann, als Chris Diemotten und als Halbtagskrimineller, der so gerne 50-Cent-Stücke essen würde.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 20.01.2009

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