Michael Buback:

Die Zweifel eines staatstreuen Sohnes

Michael Buback rollt RAF-Mord an seinem Vater auf

Nur mittelmäßiges Interesse erntete der Kulturklub auf die Lesung, zu der er Michael Buback eingeladen hatte. Der Sohn des 1977 von Terroristen ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback sprach beim Kulturklub im Schloß darüber, warum für ihn der Mord an seinem Vater lange nicht bei den Akten liegt.

Es ist ein Bild aus der Geschichte der Bundesrepublik, das jeder kennt. Eines dieser schwarzweißen Tatortfotos von einem Anschlag der RAF: Ein Auto, Mercedes, Modell 70er Jahre, steht mit einem Rad auf dem Bürgersteig. Daneben und dahinter zwei Körper, abgedeckt von weißen Leichentüchern. Man weiß: Terroranschlag. Mit ein wenig Nachdenken ordnet man es dem richtigen Namen zu - Siegfried Buback.

Und man weiß: Schrecklich, aber ja irgendwie doch längst aufgeklärt. Vielleicht bekommt man die Namen der Täter nicht gleich zusammen - Christian Klar, Knut Folkerts, Günter Sonnenberg -, aber man weiß, dass sie abgeurteilt wurden. Zwar ist bis heute unklar, wer die Schüsse (von einem Motorrad, das neben Bubacks Wagen stoppte) abgab. Aber der Fall liegt im Grunde bei den Akten.

Klars Haftentlassung

So dachte und fühlte auch Siegfried Bubacks Sohn Michael 30 Jahre lang. Unterbrochen wurde sein Verarbeiten zwar jäh, als die Diskussion um die Haftentlassung Christian Klars vor Kurzem anstand. Aber Grund, an der Richtigkeit der damaligen Ermittlungen zu zweifeln, hatte er nie. Warum auch: Er und auch seine Frau Elisabeth sind Kinder von Bundesanwälten. Da zweifelt man nicht am Staat und seinen Instrumenten. Bis zu dem Tag, als ihn ein ehemaliger Terrorist, Peter-Jürgen Book, anrief. Stefan Wisniewski sei an der Tat beteiligt gewesen. 2007 wurde gegen Wisniewski daraufhin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Verena Beckers Rolle

Aber schließlich kam noch ein weiterer Name ins Gespräch: Verena Becker, eine Terroristin, die 1977 bei einem Schusswechsel mit der Polizei verhaftet wurde und bei der man die Waffe fand, mit der Buback ermordet worden war. So fängt Michael Buback an, zu recherchieren. Er stößt auf Ungereimtheiten in den Ermittlungsakten, spricht mit Zeugen, Ermittlern - und kommt zu der Überzeugung, dass Becker wesentlich mehr mit dem Mord an seinem Vater zu tun haben dürfte, als bisher bekannt war. Oder war es den Behörden bekannt? Nach Bubacks Überzeugung müsste es das gewesen sein, jedenfalls in einigen Kreisen. Es gibt Hinweise, Indizien, Beweise, die seiner Meinung nach dazu hätten führen müssen, Verena Becker mit dem Mord an Siegfried Buback in Verbindung zu bringen - und sie anzuklagen. Doch das ist nie geschehen. Wer hat sie gedeckt? Wer hat sie geschützt? Und warum? Haben RAF-Terroristen mit Geheimdiensten zusammengearbeitet? Kaum zu glauben. Aber für Buback wahr.

Eine neue Verschwörungstheorie? Nein, Buback weist das von sich. Was ist es dann? Warum macht sich ein Mann so viel Arbeit, schreibt sogar ein Buch ("Der zweite Tod meines Vaters")? Vielleicht versucht hier einfach nur der Sohn eines Ermordeten zu erfahren, warum sein jahrzehntelanges inniges Vertrauen in den Rechtsstaat offenbar nicht gerechtfertigt war. Irgendwo habe irgendwer, irgendetwas, aus irgendeinem Grund zu verbergen. Und derjenige solle wissen, dass Michael Buback es gemerkt hat.

Michael Buback; Foto: Holger Schlegel

Michael Buback stellt im Schloß seine Theorien über den Mord an seinem Vater vor.

Fotos und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 23.03.2009

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