Mark Benecke:

Madendoktors Stunde

Dr. Mark Benecke über "Insekten auf Leichen"

Bio-Unterricht mal anders: Bündheimer Schloß, Freitagabend, drei Stunden lang, Thema "Insekten auf Leichen". Ups. Aber: Jemand, wie Biologe und Spurenkundler Dr. Mark Benecke, verpackt das Entsetzliche "wissenschaftlich-super-unterhaltsam". Einen eloquenten Gast hat der Kulturklub Bad Harzburg geholt. Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Selbst ausgesucht

Schön ist das nicht, über was Benecke da berichtet und was er zeigt: Es geht um Spurensuche an Tatorten, und wie Insekten bei der Aufklärung von Taten helfen können. Es geht um Leichen. Aber Beschwerden wären fehl am Platz. Die Gäste haben sich ja das Thema selbst ausgesucht. Er hat sich da gar nicht eingemischt, der Mann mit den vielen Tattoos und dem Anzug - Gattin Lydia soll ihn angeblich an diesem Abend zum ersten Mal in einem solchen gesehen haben. Bis sie eintrudelt, behält er trotz Hitzewallungen das Sakko auch brav an.

Ist er ein Freak, Körperbemalung und dann der Job? Oh nein. "Behne" ist einfach mal wissbegierig und verdammt beredt - der Kölsche Einschlag macht's noch einen Tacken unterhaltsamer. Er gibt von seinem Wissen ab, die Gäste nehmen's auf.

Tausend Fotos

Was lernen sie in des Madendoktors Lehrstunde? Dass "das Meiste, was es auf der Welt gibt, Gliedertiere sind". "Fliegen sind interessant, helfen uns Taten zu verstehen, ich mag sie." Dass er noch nie eine erschlagen hat. Dass er am Tatort "zuerst dokumentiert, nicht denkt". Dass das Wichtigste für die Tatortbeschreibung die Kamera ist: "Wir machen tausende Fotos, tausende." Und zwar auch Detail-Aufnahmen. Von Maden der Schmeißfliege in Nasenlöchern zum Beispiel.

Die Tiere fressen sich da durch, wo es dunkel, warm und weich ist. Und sie verpuppen sich in der Nähe der Leiche, da, wo es dunkel ist. "Die Puppen sehen aus wie Rattenköttel", sagt Benecke. Der Polizist vor Ort erkennt den Hinweis nicht unbedingt, der Spurenkundler schon. "Wow, voll die Magie", denkt der Polizist dann. Ein Spurenkundler weiß auch Menschenhaare von Speckkäferkot zu unterscheiden, der ähnlich faserig ist wie Haar. Weiß, dass der Käfer frisst, was trocken ist. Anders als die Schmeißfliegenmade. Was Rückschlüsse zulässt auf Umgebung oder Liegezeit der Leiche. "Wie ist das mit den Gerüchen?", fragen Gäste. Die stören Benecke nicht. Er ist voll konzentriert, wenn er arbeitet. "Einmal tief durchatmen", erledigt. Dr. "Behne" klärt auch darüber auf, dass Spuren nicht in Plastik-, kennt man ja aus TV-Krimis, sondern in Papiertüten getan werden. Dass Hautleistenabdrücke einfach mal die wichtigsten Spuren sind. Dass die genaue Frage nach der Konsistenz von Käse am Leichenfundort aufschlussreich sein kann: Schmeißfliegenlarven lieben ja Weiches. Dass der Polizist die Frage merkwürdig finden kann, aber eben auch zur Klärung beiträgt.

Der vieräugige Totenkopf, das Behneck'sche Symbol, bedeutet: "Wir gucken in alle Richtungen." Alle Sachverständigen geben ihr Wissen ab, alle. So wird ein Fall gelöst.

Mark Benecke; Foto: Angela Potthast

Maden im Glas, der Doktor im Anzug und ein voller Saal.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 11.05.2009

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