Sascha Bendiks:

Höllenglocken einmal ganz anders

Kulturklub präsentiert außergewöhnliches und absolut sehenswertes Musikspektakel mit Sascha Bendiks und Simon Höneß

Hardrock im Bündheimer Schloß! Sex, Drogen und Satanskult! Erfunden von maulfaulen zotteligen Schwachsinnigen - am Samstagabend im Bündheimer Schloß mit Leib und Seele zelebriert von Sascha Bendiks am Akkordeon und Simon Höneß am Klavier. Mit "Hardrockvariationen in es-moll" würden sie an diesem Abend Helden aus alten Zeiten wieder auferstehen lassen: Bon Scott, Led Zeppelin, Deep Purple …

… und starteten durch mit "Hells Bells" von AC/DC. Dass er ein rollender Donner sei und wie ein Hurrikan daherkomme, schmachtete Sascha Bendiks auf einem Barhocker sitzend ins Mikro. René Kollo hätte es nicht schöner singen können. Dazu machte ein höllisches Glöckchen "Pling", wenn es Simon Höneß mit seinem Metallhammer denn mal traf. Und im Zuschauerraum saßen etwa 150 Leute glucksend und kichernd, anstatt mähneschüttelnd das Hirn gen Hölle zu schicken. Was war denn das?

Ein Abend voller Kult und Komik, eine aberwitzige Idee, die sämtliche Hardrock-Klischees aufs Korn nahm: Sex und Drogen eben, der dämonische Blick, der die Mädels kreischen lässt, und wildes Flirtverhalten des Sängers mit leider zu kurzem Mikrofonkabel. Dazu kamen die Gegensätze: Mähneschütteln und Akkordeon, große Sprünge mal ganz klein, Randale und Kammermusik, zwei Sekunden Trash-Metal zum Leute-erschrecken, "Stairway to Heaven" erst rückwärts, dann als Speed-Kastagnetten-Tango, einzigartig, lustig und mit lautem Publikumsjubel belohnt.

Das Duo bot ein breites musikalisches Spektrum. Professionell und leidenschaftlich. Da gab es berauschend schöne Klänge wie "Highway to Hell" (AC/DC) als melancholische Ballade oder Metallicas "Nothing else matters" in allen Klangfarben von Sascha Bendiks´ wandelfähiger und unter die Haut gehender Stimme. Im Kontrast dazu wilde energiegeladene Momente, Rockwalzer, Motörhead und die wörtliche Übersetzung von Scorpions-Lyrik: "…ich bin der Wind der Veränderung." Das war purer Schalk, der für lautes Gelächter sorgte, außer bei den Scorpions-Fans vielleicht.

Kurzweilig und voller Überraschungen war dieser Abend, dazu ein Genuss für Hardrockliebhaber und für Freunde der Kammermusik gleichermaßen. Bei Rockbands ist es oft so, dass sich der Frontmann die Seele aus dem Leib singt, während die Band hinter ihm möglichst cool die Arena überblickt. Sascha Bendiks sorgte auf erstere Weise für manche Gänsehaut. Er gab alles zwischen Flüstern und Schreien, Pose und Schabernack. Simon Höneß übernahm den Part der Band. Der studierte Jazzpianist ließ die Hände über die Tasten wirbeln und behielt gleichzeitig die Zuschauer im Auge.

Die waren hellauf begeistert und zum Schluss allesamt Hardrocker durch und durch. Im Hintergrund stand die ganze Zeit über eine einsame Stromgitarre, deren große Aufgabe es war, am Anfang der Vorstellung gestimmt zu werden und bei der Zugabe umzufallen. Stromgitarre muss eben sein in dieser Sparte.

Foto: Anke Reimann

"Hardrockvariationen in es-moll" auf dem Akkordeon: Sascha Bendiks zelebriert für den Kulturklub einen besonderen Musikabend.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mi., 18.03.2009

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