Zärtlichkeiten mit Freunden

Frau Meyers Kniescheibe auf der Seitenauslinie

Duo "Zärtlichkeiten mit Freunden": Christoph Walther und Stefan Schramm mit einem Abend voller Quatsch im Bündheimer Schloß

Sie haben aus dem Warten auf das nächste Lied ein Kabarettprogramm gemacht - mit viel Warten und wenig Lied. Das Duo "Zärtlichkeiten mit Freunden" ließ am "Weltsamstag" im Bündheimer Schloß etwa 200 Zuschauer mit schrulliger Gelassenheit warten, bis jene vor Vergnügen jauchzten. Die unmotivierteste Zweimannkapelle auf Erden war gekommen, "um mit unserer Musik eine Schneise zu keilen". Folgende Mittel waren ihnen dabei recht: der etwas schüchterne Ines Fleiwa an der Gitarre und der bärbeißige Cordula Zwischenfisch am Schlagzeug, ein Packen Lieder, die nie gespielt wurden, ein schönes Dresdener Sächsisch, lange Pausen in denen nichts passierte, Perückenstücken, haarsträubende Tracht und ein paar völlig durchgeknallte Anekdoten zum Beispiel von übelst possierlichen Kaninchen oder von Frau Meyers weißer Kniescheibe, die einsam auf einer weißen Seitenauslinie strandet.

Alter Stall

Tief in ihrem Herzen jedoch hatten sich die beiden Granaten der Unterhaltung sehr gründlich mit ihrem Bad Harzburger Gastspielort auseinandergesetzt: "Lustig, wo 'se dich manchmal hinschicken. Stelln ‚se `n paar Stühle innen alten Stall, zack! … Hier hamse noch nich mal die Balken verkleidet … und hinten im Backstage … im Zimmer … da hab ich gedacht, eigentlich müssteste mal wieder Tetanus auffrischen …".

Und dann das Publikum, diese humanoide Bassfalle, "was ham die denn sonst hier? … die ham doch bloß die Hoffnung … und wir sind hier … um für'n kurzen Moment ein Lächeln auf die von ehrlicher Arbeit gegerbten Nubukgesichter dieser tapferen Menschen zu zaubern." Das gelang ihnen. Auch mit der zwischenzeitlichen Cordula-Vertretung Rico …Ros mit der Zahnspange: "Ich spiele Schlagzeug seit'm dreiviertel Jahr … … … seit'm viertel vor Jahr …". Rico hat Frau Meyers Kniescheibe in seinem Mund lebendig gehalten. "Witt-wiiiuh!", würde Cordula dazu sagen, weil sie "ni so gut pfeifen kann".

Stefan Schramm (Ines) und Christoph Walther (Cordula und Rico) kommen aus Riesa, einer Stadt in der Nähe von Dresden. Sie haben es geschafft im Überangebot der Comedy ein ganz eigenes, völlig unübliches Profil zu entwickeln. Dem rasanten Heute setzen sie die Kunst der Verzögerung entgegen. Einer agiert, der andere reagiert. Mit einfachen Mitteln und musikalischen Happen füttern und verwirren sie ihr Publikum, das mit ungläubigem Dauergrinsen zur Bühne äugt um dann in schallendes Gelächter auszubrechen. Zahllose Kleinkunstpreise hat dies den beiden Künstlern eingebracht, die ihre Instrumente perfekt beherrschen, jedoch so tun, als könnten sie es nicht.

Endgültig Schluss

Das Programm näherte sich seinem Ende. "Zugabe!", rief das Publikum. "Schön`Dank och!", knurrte Ines. … … "Sinnlos", maulte Cordula. "Das haben die sich in der Pause ausgeheckt, die haben gesagt, da bläken wir Zugabe, die machen wir fertsch." Und demontierte während des Spiels sein Schlagzeug. Da tobte die Bühne. Da war endgültig Schluss.

C. Walther und S. Schramm; Foto: Anke Reimann

Die "unmotivierteste Zweimannkapelle auf Erden" (v.l.): Christoph Walther und Stefan Schramm als Cordula Zwischenfisch und Ines Fleiwa im Bündheimer Schloß.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 02.12.2008

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