Florian Schroeder

Der Parodist der Parodisten

Comedian Florian Schroeder, Kabarett-Star mit eigener TV-Show, zu Gast im Bündheimer Schloß

Ein Wortgewitter mit hoher Pointendichte prasselte am Freitagabend auf das Publikum im Bündheimer Schloß hernieder. Florian Schroeder, Überflieger der jungen Kabarett- und Comedyszene, gab stimmlich und gestisch alles, was er geben konnte. Er ist ein Spielmann ohne Musikinstrument, dafür mit einem ganzen Orchester von Stimmen aus Politik, Sport und Unterhaltung. Er hat sie alle im Griff.

Leben aus einer Zelle

Da sprach Horst Köhler: "Sie mögen mich … weil ich bin wie Sie … irgendwie fehl am Platz, aber unheimlich sympathisch." Und "der als Ronald Pofalla recycelte Peter Hintze" meldete sich ebenfalls zu Wort: "Ich bin das Generalsekret der CDU." Michael Glos: "Ich bin das Valium des Aufschwungs." Das ist frech. Doch Schroeder steigerte das noch ins Aberwitzige. Dazu musste er sich nur in Wolfgang Schäuble verwandeln, der die Gebärmutterdurchsuchung verlangt: "Denn das Leben kommt aus einer Zelle. Das könnte eine terroristische sein!" Was es dann nochmals steigerte ins Haarsträubende: Die jungen Neonazis gezielt schulen, sagte der Bühnenschäuble: Wenn sie schon gegen radikal pigmentiertes Mitmenschentum vorgehen, dann sollten sie sich vorher deren Ausweis zeigen lassen "und wenn da steht: Pakischtan, Afghanischtan, Taliban, DANN … ! So einfach ist für mich moderne Sicherheitspolitik".

Das war heftig und mutig auch. Hier zeigte Schroeder eine starke, reife Nummer politischen Kabaretts. Und erfreulich ist, dass jemand, der so etwas zustande bringt, auch den Schabernack liebt und kurze Zeit darauf fröhlich Kollegen, Zuschauer und erste Vorsitzende von Kleinkunstvereinen auf die Schippe nimmt. Da konnten die im Halse stecken gebliebenen Lacher hell und leicht entweichen. Grandiose Nummer: "Ottis Schlachthof" mit den Gästen Wilfried Schmickler Dieter Nuhr, Mathias Richling und Jochen Busse. "Die Parodie der Parodisten", Comedy zum Quadrat.

Flammendes Plädoyer

Irgendwann begann dann der gefährliche Teil des Abends: Der Protagonist stieg von der Bühne und durchgraste mit seinem Mikrofon das Publikum - eine Flucht war unmöglich, denn der Saal war mit rund 200 Personen nahezu voll besetzt. Lisa, 17, Vertreterin der Generation "irgendwas mit Medien", musste mit auf die Bühne zum "Gebärmaschinen-TÜV" und leistete einen coolen Auftritt, während im Hintergrund gleichzeitig die Nummer "Kulturklubvorsitzender rennt" gespielt wurde: In Rekordzeit war Detlef Linke mit dem gewünschten Glas Weißwein zur Stelle. Die auf den Sitzen verbliebene, nunmehr erleichterte, weil verschonte Menge amüsierte sich darüber königlich.

Zum Abschluss hielt Florian Schroeder ein flammendes Plädoyer für die Scheidung. "Ich möchte euch ermutigen, wieder zu heiraten. Nur wer heiratet, kann sich auch wieder scheiden lassen. Nichts ist kraftvoller, nichts hat mehr Zukunft als eine gute Scheidung." "Ich empfehle Ihnen die Scheidung", sprach Schroeder einen Mann in der ersten Reihe an, der dort friedlich neben seiner Dame saß. Was der Kabarettist nicht wusste: Sie arbeitet beim Standesamt. Und leise mischte sich ein tieferer Unterton in die Farce dieses Abschlusses: "Immer schön ironisch bleiben. Nie in den Verdacht eines Standpunktes geraten. Der Erfolgreiche bleibt unverbindlich. Bleibt freundlich und unverbindlich. Du willst es doch auch!"

Das waren zwei Stunden geballtes Wort. Und Energie. Applaus brandete im Zuschauerraum auf, überrollte die Verstimmten, die manchen Brocken nicht schlucken mochten." Haben Sie Kinder?" "Wie viel bezahlt der Anwaltsverein für die Nummer?" kamen Fragen aus dem Publikum. Schroeder antwortete, grinste und verabschiedete sich mit einer herzerfrischenden Zugabe: Der Übersetzung von Edmund Stoibers Transrapid-Rede in die Gebärdensprache.

Florian Schroeder; Foto: Anke ReimannFlorian Schroeder; Foto: Anke ReimannFlorian Schroeder; Foto: Anke Reimann

Ob Angela Merkel, "die Perle der Uckermark" (links), Dieter Nuhr (Mitte) und Ottfried Fischer - Florian Schroeder begeistert das Publikum mit seinen Parodien.

Florian Schroeder; Foto: Anke Reimann

Erwischt:Lisa aus Bad Harzburg darf, oder besser gesagt muss zu Florian Schroeder auf die Bühne und überzeugt mit einem coolen Auftritt.

Fotos und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Mo., 26.05.2008

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