Thomas Reis

"Wo Männer blähen, können Frauen denken"

Thomas Reis, einer der besten Kabarettisten, zu Gast im Bündheimer Schloss

"Frauen sind schön, machen aber viel Arbeit." Da war er wieder: Thomas Reis, am Freitagabend zum zweiten Mal im Bündheimer Schloss zu Gast - das Fegefeuer kabarettistischer Pointen und Rollenwechsel.

"Machen Frauen wirklich glücklich?" Ja, nein, njain, hmpf, öh … Es zeigte sich, dass dies ein weitschweifiges Thema ist, das sich durch Weltpolitik, Gesprächstherapiegruppen und Schlafzimmer zieht. Ein Thema zu dem viele Stimmen gehört werden müssen: Thomas Reis gab diesen Stimmen Gestalt. Er war Thomas der Hochzeitsredner, wurde zur zig-maligen Braut Hilde, er war ein Rüdiger, ein Dennis, ein Jürgen, ein Kevin, Balu der Bär und Bruno der Bär, Marcel Reich-Ranicki und Kermit.

Hilde: "Die Frau ist die Gans, die den Fuchs stiehlt."
Rüdiger: "Ich trau mich nicht, zu gucken. Was ist, wenn die Frau sich dann reduziert fühlt auf Beguckung?"
Balu: "Mogli, geh nicht zu der Tussi!"
Reich-Ranicki: "Was heißt das: Lass es uns machen? Da denke ich an Häufchen."
Rüdiger: "Ich habe von meinem Fahrrad geträumt, das rief immer: Flick mich, du Sau!"
Thomas: "Liebe Hochzeitsgäste … Frauen spenden uns Trost, den wir ohne sie gar nicht nötig hätten. … und Frauen haben im Bauch eine Zweigstelle ihres weiblichen Hirns. Wo Männer blähen, können Frauen denken."

Thomas Reis, ein Mann, allein und ohne Requisiten auf dem glatten Parkett, beherrscht den fliegenden Wechsel von Rollen, Dialekten und Themen mit verblüffender Leichtigkeit und Deutlichkeit. Ganz beiläufig parodiert und imitiert er Politiker. Im D-Zugtempo rasen die herrlichsten Boshaftigkeiten und die aberwitzigsten Wortspiele durch die Gehörgänge der Zuschauer. Der Verstand kann nicht immer folgen. Thomas Reis, mit feinem Gespür für sein Publikum, nimmt dessen Signale in sein Programm auf, ohne dadurch in irgendeiner Weise gebremst zu werden. Er ist ein Schnelldenker, ein Virtuose. Auch ein Erfinder neuer Wort- und Sinnzusammenhänge: "Wozu denken, wo ich doch schon bin? Ich denke, ich bin, aber weiß man`s?" Oder "Wenn aus Lust Liebe wird, dann ist es nicht mehr lustig, sondern liebig … nämlich Justus von Liebig, also Chemie und die soll ja stimmen in der Ehe." Oder "Wird ein Politiker gewählt, dann hat er seine Periode. Dann hat er schlechte Laune." Oder "Pessimismus ist das Ergebnis von Bildung und Information".

Unnachahmlich geht es in der Holzmichel-Monster- Kinderarztpraxis zu, wo die Mütter zu Wort kommen. Ein Schneemann mit Wiener Dialekt verdunstet zu einem farblosen Regenbogen. Hilde-Sohn Dennis kompostiert vor seinem Computer. Immer wieder gibt es spontanen Applaus, die Lachsalven ziehen sich wellengleich durch das gesamte Programm. "Alice Schwarzenegger sieht die Männer so, wie wir gerne wären - machtgeil, animalisch, sexbesessen." Thomas, der Hochzeitsredner ruft: "Heirate nicht den Kevin, der ist ein Idiot." Braut Hilde antwortet: "Ja, aber die Knopfaugen …" Und Thomas der Kabarettist stellt fest: "Was wissen wir Männer über Frauen - nix!" Wie im Flug sind diese zwei Stunden vergangen im Bann des sympathischen, überbordenden Sprachakrobaten mit den vielen Gesichtern und den überraschenden Gesangs- und Tanzeinlagen. Wirklich große Klasse!

Thomas Reis; Foto: Anke Reimann

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Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Di., 30.09.2008

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