Max Otte

Ein "Rettungsboot" für Börsianer

Prof. Dr. Max Otte sagt "Der Crash kommt" und gibt Tipps, um gegen die Wirtschaftskrise gewappnet zu sein

"Der Crash kommt". Nur wann, ist die Frage - in einem Monat, in einem Jahr oder in einem Jahrzehnt? Das konnte auch Prof. Dr. Max Otte nicht sagen, der auf Einladung des Kulturklubs im Bündheimer Schloß zu Gast war.

Viele Faktoren deuteten auf eine neue Weltwirtschaftskrise hin. Über die Gründe, Auswirkungen und wie man sich auf die bevorstehende Explosion der "Blase" vorbereiten könnte, schreibt Max Otto in seinem Bestseller "Der Crash kommt". Das viel beachtete Buch stellte der Wirtschaftsprofessor einem eher überschaubaren Kreis von Zuhörern vor.

Obwohl der Titel des Buches "etwas reißerisch" daherkomme, betreibe Prof. Otte "alles andere als Schwarzmalerei", stellte Detlev Lisson vom Kulturklub bei seiner Begrüßung fest.

Viele Krisen

Otte, Jahrgang 1964, ist nach eigenen Angaben einer von drei Ökonomen, die sich ernsthaft mit der Krise beschäftigen. Dabei sieht sich der gefragte Autor und Referent nicht als Hellseher, sondern als kompetenter Beobachter der Börse.

Krisen seien so alt, wie die Börse selbst. Als Beispiele führte Otte unter anderem das Platzen der so genannten "Südseeblase" 1720 an. Auch die "Tulpen-Krise" von 1637 ging als spektakulärer Crash in die Wirtschaftsgeschichte ein. Bevor seinerzeit die Blase platzte, war der Preis für Tulpenzwiebeln in astronomische Höhen geschossen. Sozusagen die "Mutter aller Krisen" war allerdings der "schwarze Donnerstag" an der New Yorker Börse, mit dem 1929 die Weltwirtschaftskrise begann.

Ein Szenario, das sich durchaus wiederholen könne. Nach Ottes Meinung deute auch heute vieles auf einen Crash hin, ein Zuhörer meinte sogar, man sei schon mittendrin. Als Argumente führte Otte das Ringen Chinas, der USA und Indiens um wirtschaftliche Dominanz an. Der Kampf der Kontinente, so der Wirtschaftsprofessor, forciere eine Weltkrise, von der die westlichen Industrienationen vermutlich am härtesten getroffen würden. Wohnungsmieten und Benzinpreis würden rasant steigen und die Arbeitslosigkeit zunehmen. Parallel hierzu würde der Wert von Kapitalanlagen sinken und die Zinsen steigen.

Die Lage an den Finanzmärkten sei Besorgnis erregend. Das System sei instabil. Die Notenbanken, so Otte, würden immer mehr Geld schaffen. Damit steige die Geldmenge viel schneller als die Menge an Waren, Gütern und Dienstleistungen. Ein Widerspruch, der sich auflösen müsse, entweder in Stagnation oder eben im Crash. Wie stark dieser ausfallen werde, könne er aber auch nicht vorhersagen. "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie sich mit der Zukunft beschäftigen.

"Um bei einem Crash nicht unterzugehen, rät Otte den Börsianern, sich beizeiten ein "Rettungsboot" zu verschaffen. Sein Tipp: "Geldanlage ist Chefsache." Wenn jemand komme und verspreche, "wir kümmern uns um Ihr Geld - erstmal Vorsicht".

Bei der Vermögensverteilung komme es auf die richtige Mischung an. So sei Gold, bei dem Otte noch ein gehöriges Wertsteigerungspotential sieht, eine gute "Versicherung". Dazu ein bisschen Geldvermögen als Termingeld, um liquide zu bleiben und krisensichere Aktien von guten, soliden Unternehmen wie Coca Cola. "Damit investieren Sie in alle Länder, denn das Zeug wird auf der ganzen Erde getrunken.

"Massen-Wahnsinn"

Ein Patentrezept, um bei einem Crash gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein, hatte aber auch Prof. Otte nicht parat. Wie sagte schon der bekannte englische Physiker Sir Isaac Newton, nachdem er beim Platzen der "Südseeblase" stolze 20000 Pfund in den Sand gesetzt hatte: "Ich kann den Weg der Himmelskörper berechnen, aber nicht den Wahnsinn der Massen."

Max Otte; Foto: Egon Knof

"Der Crash kommt" - Nur wann, ist die Frage, in einem Monat, in einem Jahr oder in einem Jahrzehnt? Das konnte auch Prof. Dr. Max Otte nicht sagen.

Foto und Artikel: Egon Knof, Goslarsche Zeitung von Di., 09.09.2008

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