"Mondscheintarif":

Die Luxusproblemchen der Allefrau

Mit "Mondscheintarif" präsentiert die Bühne Bad Harzburg eine Seifenoper als Saisonabschluss

"Mondscheintarif", eine Komödie von Friedrich Dudy nach dem Bestseller von Ildikó von Kürthy, amüsierte am Donnerstagabend im Kurhaus einen großen Teil des Bad Harzburger Publikums. Angereist war das "Theater im Rathaus Essen" mit Schauspielern, die in TV-Serien wie "Hallo Atze" und "Verliebt in Berlin" bekannt geworden sind.

Publikum als Kamera

Im Stil einer Seifenoper hat Regisseurin Katja Wolff auch das Theaterstück inszeniert. Das Publikum war die Kamera, der die Hauptheldin ihr verschwurbeltes Seelenleben plus dazugehöriger Weisheiten anvertraute: "Wir müssen uns damit abfinden, dass der Himmel voller Arschgeigen hängt." Dies und eine Rückblende, Texte aus dem Off, die comedyüblichen Filmschnitte, Zeitlupen und eine Menge Unterwäsche waren zu sehen. Solcherlei aber präsentiert das TV-Abendprogramm täglich in inflationärem Übermaß, dass es einem zu den Ohren heraushängt.

Auf der Bühne hätte genau das, als Stilmittel auf die Spitze getrieben, parodiert werden können, was jedoch leider nicht geschah. Also nochmal der altbekannte, amüsierorientierte Kram, nur eben live.

Worum es ging: Frau will Sex, verliebt sich aber dann in den Mann. Mann ruft nicht an, liebt aber, wie sich endlich herausstellt, trotzdem Frau. Genau.

Dieser dünne Handlungsfaden ist eingewoben in einen Flickenteppich banaler Problemchen, wie sie Frauen Mitte Dreißig angeblich haben: Die Haare sehen aus wie ein Wisch-mopp, die Füße sind nicht hübsch genug, Frau kann nicht pinkeln, wenn die Klofrau zuhört, isst zu viele Schokoriegel und hat Schwierigkeiten mit Mitesserpflastern und Enthaarung. Luxusproblemchen, bei denen nur eines hilft: Dem Affen ordentlich Zucker geben! Durch den Kakao damit!

Aber nein. Hier wurde alles bieder ausbaldowert. Hauptdarstellerin Heike Kloss war eine blasse, unscheinbare Cora Hübsch, kein bestimmter Typ Frau, eher so wie alle… was schlimm ist, weil es die gar nicht gibt: die Allefrauen.

Coole Co-Darsteller

Das wird nur immer wieder behauptet in Büchern, Filmen und Theaterstücken wie diesen. Cora plapperte und plapperte: am Telefon mit ihrer besten Freundin, mit ihrer Publikumskamera. Zum Beispiel über Unterwäsche im Speziellen und Männer im Allgemeinen. Das war nicht sehr spannend.

Die beiden Co-Darsteller Alexander Sternberg und Jana Kozewa trieben in wechselnden Rollen die Komödie doch noch ein wenig voran. Sie zeigten sich cool und schräg, brachten Farbe und Tempo ins Spiel. Sternbergs Mimik war ein Schauspiel für sich, belebte die Szenerie. In einer weiteren Rolle agierte der Lautsprecher am Bühnenrand: Die Stimme aus dem Off. Das aber belebte die Szenerie nicht.

Die Meinungen zu diesem Abend gingen auseinander. Die meisten im Publikum haben ihn genossen, zeigten sich begeistert. Insofern war es für den Kulturklub ein gelungener Abschluss dieser Theatersaison, in welcher er eine Reihe wirklich großartiger Aufführungen auf der Bad Harzburger Bühne zu präsentieren wusste.

J. Kozewa u. H. Kloss; Foto: Anke Reimann

"Wir müssen uns damit abfinden, dass der Himmel voller Arschgeigen hängt." Cora Hübsch (Heike Kloss, rechts) kämpft mit den Luxusproblemchen der Frau von heute. Ihre beste Freundin Jo (Jana Kozewa) agiert als Trösterin. Zusammen ergibt das einen Theaterabend auf der Bühne Bad Harzburg, über den die Meinungen im Publikum auseinander gehen.

Foto und Artikel: Anke Reimann, Goslarsche Zeitung von Sa., 12.04.2008

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